Das Defensiv-Rätsel als Aufgabe für die Woche

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In der ersten Halbzeit am Samstag ein Schatten seiner selbst, nach der Pause mit Aufwärtstrend: Christian Feldmann.

SCHALKSMÜHLE -  Nico Nothen war am Samstagabend am Löh gerade auf dem Weg in die Kabine, als ihn Ken Börner abfing. „Warte mal“, sagte der 1. Vorsitzende der SGSH, um dem Torhüter des Neusser HV danach herzlich zu gratulieren: „Du warst heute hier der beste Mann auf dem Feld. Eine ganz tolle Leistung. Und deshalb habt ihr auch verdient gewonnen.“

Nothen freute das sichtlich, aber er sagte schnell: „Das Lob kann ich direkt weitergeben. Ich hatte ja heute auch eine sehr gute Abwehr vor mir.“ Sportlich faire Verlierer, bescheidene Gewinner –nach einem in der Schlussphase durchaus hitzigen Aufsteigerduell waren es schöne Szenen nach dem Neusser 29:27-Sieg am Löh.

Der SGSH-Trainer war nach der dritten Heimniederlage der Drittliga-Handballer aus Halver und Schalksmühle deutlich weniger verstimmt als vor Wochenfrist in Korschenbroich, was immerhin erstaunlich war, denn der TVK gilt gemeinhin als höher eingeschätztes Team als der Neuling aus Neuss. „Es war eine schlechte Leistung – einfach zu viele Unzulänglichkeiten“, stellte Mathias Grasediek fest, „aber das passiert. Die Mannschaft ist nach dem 17:23 mit großem Kampf noch einmal zurückgekommen ins Spiel. Das rechne ich ihr hoch an. Deshalb darf man nicht zu hart mit ihr ins Gericht gehen.“

Ein Rätsel bleibt für Grasediek derweil die Defensivleistung in der ersten Hälfte. „Da werden wir noch einmal gemeinsam Video schauen müssen“, kündigte er gestern an. Mit immer wieder ähnlichen Aktionen waren die Neusser da erfolgreich gewesen – sowohl gegen die 3:2:1- als auch später gegen die 6:0-Abwehr der Gastgeber. „Obwohl es da eigentlich gar keine Räume für Durchbrüche hätte geben dürfen“, schüttelte Grasediek den Kopf, „fest steht, dass uns ohne Maciej Dmytruszynski im 3:2:1-System ein souveräner Mann für die Hinten-Mitte-Position fehlt. In der Vorbereitung haben wir das auch mit Florian Diehl probiert.“

Dmytruszynski vor längerer Pause?

Diehl indes fehlte am Samstag auch. So tat es da weh, wo der Kader eigentlich genug Alternativen bieten sollte: in der Abwehrzentrale, aber auch im linken Rückraum. Denn die Abschluss-Qualität gerade aus größerer Distanz ließ auch zu wünschen übrig.

Gerade der Fall Dmytruszynski scheint sich zu allem Überfluss als komplizierter zu entpuppen als bisher gedacht. War man im SGSH-Lager bisher von einer starken Prellung im Rippenbereich ausgegangen, so deutete sich zuletzt an, dass ein Muskelbündelriss vorliegen könnte. Dann müsste der polnische Ex-Internationale sechs Wochen pausieren. „Klar ist aktuell nur, dass eine große Einblutung nach einem Schlag im Varel-Spiel vorliegt“, sagt Grasediek, „wir hoffen jetzt, dass es kein Muskelbündelriss ist und entsprechend nicht so lange dauert. Carsten Lueg wird dies in dieser Woche noch einmal prüfen.“

Ob es für Dmytruszynski bereits am Sonntag wieder für einen Einsatz reichen kann, ist derweil fraglich. Am Sonntag geht es zu den Fusions-Löwen nach Duisburg (Anwurf 16 Uhr). Die haben wie die SGSH 6:10-Zähler und damit bislang deutlich besser abgeschnitten als es die Konkurrenz nach den diversen Problemen im Vorfeld der Saison vermutet hatte. „Wir müssen jetzt einfach sehen, dass wir gemeinsam aus unserem kleinen sportlichen Tief herausfinden“, sagt Mathias Grasediek vor der Reise ins Ruhrgebiet, „der Druck ist jetzt da – dass dabei gerade jetzt Maciej und Florian fehlen, das ist umso bitterer.“

Thomas Machatzke

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