Handball, 3. Liga West

Die SGSH schafft den Befreiungsschlag

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Mann des Abends: Moritz Eigenbrodt.

Schalksmühle - Es war eine ganz besondere Mischung aus Jubel und Erleichterung gepaart mit einer Menge Stolz auf diese Leistung am Samstagabend am Löh: Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver feierte beim 35:27 (16:14) gegen den Tabellenvierten TSV GWD Minden II den ersten Sieg unter Neu-Coach Dragan Markovic und hat damit zumindest bis zum Sonntag den Abstiegsplatz 14 verlassen.

Was so furios und rauschhaft enden sollte, hatte überaus problembehaftet begonnen. Bis zum 0:3 (6.) kam die SGSH gar nicht in die Partie und hatte sogar ein wenig Glück, dass die ohne Max Hösl und Jannik Jungmann (spielten parallel beim 28:29 des Zweitliga-Teams im Spitzenspiel gegen Coburg) zum Löh gekommenen Gäste nicht alle Chancen nutzten.

Der jungen Reserve von der Weser gehörte aber nur der Start. Denn im selben Maße, in dem sich die SGSH immer besser in die Partie kämpfte, taten sich die Mindener immer schwerer. Die 3:2:1-Abwehr der Grün-Weißen generierte anders als im Hinspiel kaum Ballgewinne, das Tempospiel der Ostwestfalen lag brach - obwohl die SGSH wie in Neuss auf zwei Spezialistenwechsel setzte. 

35:27-Heimsieg der SGSH gegen TSV GWD Minden II

„Eine 3:2:1-Abwehr lebt von der Geschwindigkeit und davon, Zweikämpfe zu gewinnen. Das habe ich heute 60 Minuten lang nicht gesehen“, dozierte GWD-Coach Markus Ernst später auf der Pressekonferenz, „und auch vorne haben wir nie Geschwindigkeit gegen die 6:0-Abwehr der SGSH aufgenommen.“

Erste Führung beim 11:10 durch Weßeling

Kurzum: Es war ein unterdurchschnittlicher Auftritt des Spitzenteams, die SGSH dagegen zeigte viel Leidenschaft. In der Defensive arbeitete die Gastgeber bis zum Umfallen und machten es dem Favoriten auch ohne überdurchschnittliche Torwartleistung sehr schwer. Und vorne kam diese Art einer 3:2:1-Deckung dem Markovic-Team deutlich mehr entgegen als zuletzt die massiven 6:0-Abwehrbollwerke von Ratingen und Neuss.

Beim 7:7 durch den nach schwachem Beginn immer stärker werdenden Lutz Weßeling war der erste Ausgleich geschafft (17.), beim 10:9 durch Weßeling die erste Führung (20.). In dieser Phase fehlte dem Gast die Führung von Kunisch in der Rückraum-Mitte, die jüngere Garde tat sich schwerer. Bis zur Pause war die SGSH so auf 16:14 enteilt, und es hätte eigentlich eine höhere Führung sein müssen, doch Dominic Luciano hatte direkt vor dem Wechsel zwei ganz freie Bälle nicht am jungen Birlehm vorbeigebracht.

Wer fürchtete, ein anderes GWD-Team würde aus der Kabine kommen, sah sich getäuscht. Ernst verzichtete weiter auf Rückraum-Shooter Marius Traue, der zu Beginn zu viel unvorbereitet abgeschlossen hatte. Bei der SGSH rückte nun Eskericic ins Team und Müller für Luciano an den Kreis. Bis zum 23:21 (42.) blieb es ein zähes Ringen. 

Moritz Eigenbrodt "Mann des Abends"

Dann entwickelte die Partie jene Eigendynamik, die der SGSH sehr recht war. Selbst in den zahlreichen Überzahl-Situationen (Zeitstrafenverhältnis: SGSH 7, GWD 2) spielte der Gast keine klaren Chancen mehr heraus, für die SGSH dagegen setzte gerade in Unterzahl der Merhar-Stellvertreter auf der linken Außenbahn Moritz Eigenbrodt keck Akzente, brachte es am Ende auf acht blitzsaubere Tore. Der Dortmunder Youngster war ohne Zweifel der Mann des Abends.

Beim 26:21 (45., Weßeling) war die SGSH endgültig auf Kurs. Auch deshalb, weil sie nun kaum mehr etwas falsch machte, die Mindener dagegen kaum mehr etwas richtig. Beim 31:25 (55., Eigenbrodt) war klar, dass nichts mehr anbrennen würde. Und so wurden die letzten Minuten zu einer Art Wohlfühlbad in der Menge: Unter Standing-ovations schraubte die SGSH nach der roten Karte gegen Dmytruszynski (59., 3. Zeitstrafe) selbst in 3:5-Unterzahl den Endstand mit zwei finalen Treffern auf 35:27. Konsternierte Gäste, beseelte Hausherren und ein Trainer, der vor Glück fast weinte. Es war der Abend, den die SGSH so dringend benötigte.

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