Erleichterung an der Rückertstraße

Zittersieg in Düsseldorf sorgt für große Erleichterung

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Der erste Dank des Teams ging an Keeper Dominik Formella (rechts) - der hatte mit seinen Paraden entscheidenden Anteil am Erfolg im Kellerduell.

DÜSSELDORF – Es war nicht jene Art von Jubel im Überschwang der Gefühle wie Anfang Oktober in Varel. Dieser Jubel fühlte sich nicht nach Rausch an, sondern vor allem nach Erleichterung, und nach Durchatmen: 24:22 (12:13) siegte Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver am Samstagabend vor 250 Zuschauern in der Halle des Gymnasiums an der Rückertstraße beim Tabellenvorletzten ART Düsseldorf und verschaffte sich so im Tabellenkeller – wenn auch äußerst mühsam – ein wenig Luft.

Die Partie war über 60 Minuten ein echtes Kellerduell. Die Leistungen beider Teams waren dabei durchaus dem aktuellen Tabellenstand angemessen. Wobei die Defensiv-Abteilungen auf beiden Seiten den Trainern Peter Sieberger (ART) und Mathias Grasediek (SGSH) mehr Anlass für Zufriedenheit gaben als die Darbietungen in der Offensive. Hier blieben sowohl die Gastgeber aus der Landeshauptstadt als auch die SGSH vieles schuldig.

„Es war ein typisches Spiel nach dem Motto ‚Angst essen Seele auf‘“, sollte Mathias Grasediek später bilanzieren. Auch ein 3:1-Start (4.) gab der verunsicherten Gästesieben keinerlei Sicherheit. In der Abwehr hatte die SGSH auf eine 5+1-Variante mit Positionsverteidiger gegen Henning Padeken gesetzt. Das war eine Taktik, die durchaus aufging. Mareks Skabeikis entschärfte in der Anfangsphase gleich mehrmals Bälle vom freien Rechtsaußen Patrick Ranftler. Es war eine Art defensive Steilvorlage für einen sorglosen Abend.

Aber der Abend sollte nicht sorglos werden. Zu schwer tat sich die SGSH mit der 6:0-Abwehr des Allgemeinen Rather Turnvereins. Ein Rezept gab es praktisch nur so lange, so lange Marc Oberste die nötige Frische hatte. Doch Oberste musste vorne wie hinten durchspielen – jeweils in tragender Funktion. Und so reichte die Kraft nicht, um jedes Mal aufs Neue vorne die Akzente zu setzen. Auf immerhin sechs Tore sollte es der Routinier am Ende bringen. Und sonst? War alles sehr schwierig. Julian Mayer agierte weniger glücklich und machte bald Platz für einen Rückraum mit beiden Spielmachern (Feldmann und Stuhldreher) und Oberste. Doch auch damit war das ART-Bollwerk nicht zuverlässig zu knacken. So nahmen die Düsseldorfer eine 13:12-Führung mit in die Pause.

Die SGSH hatte vor der Partie nur zwölf Akteure auf dem Spielberichtsbogen eingetragen und sich offen gelassen, Niklas Polakovs, Kevin Herzog oder vielleicht doch Maciej Dmytruszynski nachzutragen. Beim polnischen Ex-Internationalen hatte Teamarzt Carsten Lueg zwar abgeraten. Aber sollte es für ein paar Minuten gehen? Mathias Grasediek und Axel Meyrich entschieden sich zunächst dagegen.

Nach der Pause kam zunächst Kevin Herzog, um im Angriff für ein neues Gefahrenmoment zu sorgen. Herzog kam und engagierte sich – allerdings mit Licht und Schatten. So blieb sich die Partie treu. Defensiv passabel, offensiv eher weniger passabel agierten beide. Bis zum 18:16 (43.) schienen die Düsseldorfer weiter die Nase vorn zu haben. Dann glich die SGSH aus und ging durch den achtmal erfolgreichen Daniel Krüger beim 18:19 (48.) erstmals wieder in Führung.

Das machte dem Gast Hoffnung, doch nachhaltige Zuversicht weckte es offenbar beim Trainerduo nicht, denn in Minute 50 kam dann doch noch Maciej Dmytruszynski und führte sich direkt in der ersten Abwehraktion mit einer Zeitstrafe ein. Da stand es 20:19 für die SGSH. Es war nun jene Art von Situation, in der die Partie in jede Richtung hätte kippen können. Auch in die Düsseldorfer. Und so waren die beiden Paraden von Dominik Formella gegen die völlig freien Ranftler und Thanscheidt in SGSH-Unterzahl die Krönung einer erneut guten Torwartleistung. „Dominik hat uns damit erst ermöglicht, in der Schlussphase überhaupt noch das bessere Ende für uns haben zu können“, zollte auch Mathias Grasediek seinem Keeper ein Sonderlob.

Formella wusste freilich auch nicht zu verhindern, dass Linkshänder Schiffmann und Ranftler per Siebenmeter den ART nochmals 22:21 nach vorne brachten (59.). Gut 80 Sekunden war da noch zu spielen. Die SGSH wählte vorne ein Konzept mit Abschluss über Jan Stuhldreher. Der flog durch die Nahtstelle in der ART-Hintermannschaft, traf – und eine Zeitstrafe für Schiffmann gab’s obendrein noch. Im Gegenzug klaute Feldmann in Überzahl den Ball, den Gegenstoß versenkte Marc Oberste mit seinem sechsten Treffer zum 23:22-Führung im Tor. Ein Punkt schien sicher – der zweite aber nach der zweiten Zeitstrafe für Dmytruszynski (wegen Meckerns) wieder extrem wackelig. Doch Henning Padekens letzter Versuch im Spiel 5:5 landete neben dem SGSH-Tor. Im Gegenzug machte Daniel Krüger mit einem Gegenstoßtor alles klar. Der Rest war Jubel und Erleichterung. Vor allem Erleichterung.

Thomas Machatzke

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