Trotz Kantersieges gegen Varel

SGSH beurlaubt Grasediek und Meyrich

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Nicht mehr Trainer der SGSH: Mathias Grasediek.

Schalksmühle - Der 30. Januar 2016 wird als besonderer Tag in die Annalen der SG Schalksmühle-Halver eingehen. Als der Tag, an dem die SGSH erst die HSG Varel-Friesland nach sechs Niederlagen in Folge in der 3. Liga West 33:25 (14:12) aus der Sporthalle Löh fegte und dann im Nachgang der Partie Trainer Mathias Grasediek in seinem 20. Trainerjahr am Löh und auch Co-Trainer Axel Meyrich beurlaubte. Nachfolger wird bis zum Saisonende der bosnische Nationaltrainer Dragan Markovic aus Wetzlar.

Der SGSH-Vorstand und sein ganz besonderes Gespür für das falsche Timing: Nach sechs Niederlagen in Serie wäre es ein sportlich nicht vollkommen unnormaler Schritt gewesen, eine neue Trainerlösung zu suchen. Doch wie schon im Oktober nach dem Derbysieg beim TuS Volmetal, als noch am selben Abend in den Freudentaumel hinein die Trainer-Diskussion entfacht wurde, verkündete die SGSH ihren Schritt nun nicht einmal zwei Stunden nach dem so wichtigen 33:25-Sieg gegen Varel. Einem Sieg, der nach Spielende noch große Emotionen und vergessen geglaubte Feierrituale gebracht hatte.

In der Pressemitteilung, die die Redaktion um 23.08 Uhr erreichte und gleichzeitig auf der Internetseite des Klubs publiziert wurde, auf der bis dahin noch keine Zeile zum sportlichen Geschehen des Abends zu finden war, heißt es im Wortlaut:

"Nach reiflicher Überlegung und eingehender Analyse sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir die Reißleine ziehen müssen. Wir sind tief traurig über die Entwicklung der letzten Wochen, und wir haben uns diesen Schritt alle wirklich nicht leicht gemacht. Aber nach dem Spiel gegen Leichlingen mussten wir erkennen, dass die Trainer die Mannschaft nicht mehr erreichen. Der Pressebericht am 18. Januar, „SGSH: Kein Denker und Lenker in Sicht“ erschien uns da wie ein Hilferuf. Keiner weiß so recht, warum Borussia Mönchengladbach seit Wochen unter dem Interimstrainer Schubert plötzlich alles an die Wand spielt. Es gibt häufig keine Erklärung dafür, dass ein Ruck durch eine Mannschaft geht, wenn sich die Führung ändert. Wir hoffen, dass ein Trainerwechsel jetzt auch bei der SGSH einen solchen Ruck auslöst. Unsere 1. Mannschaft steht momentan auf einem Tabellenplatz, auf dem die Jungs mit Sicherheit nicht hingehören. Es ist hier nicht der Platz für eine umfangreiche Analyse und Ursachenforschung. Aber als SGSH-Führung möchten wir hier sehr deutlich sagen: Wir glauben an diese Mannschaft und an jeden einzelnen Spieler, an seine spielerischen Fähigkeiten, seine Kreativität, an seine Moral und seine Leidenschaft. Die Truppe hat alles, was man braucht und es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Und wir zweifeln keine Sekunde daran, dass die Jungs in dieser 3. Liga bleiben werden.

Nach den Ereignissen im Herbst waren wir fest entschlossen, die Saison mit unseren Trainern zu beschließen. Mathias Grasediek hat diesen Verein mit seiner Persönlichkeit und seiner Arbeit maßgeblich geprägt und unsere 1. Mannschaft in der 3. Liga etabliert. Mit Axel Meyrich gemeinsam war er ein tolles Gespann und wir hätten uns so sehr eine ruhige, entspannte Rückrunde gewünscht. Aber manchmal funktioniert der einfache, gerade Weg halt nicht.Wir müssen nun ausschließlich das Wohlergehen des Vereins, der Mannschaft und jedes einzelnen Spielers in den Mittelpunkt stellen.“

Meyrich und Grasediek sagen nichts

Axel Meyrich und Mathias Grasediek, die per E-Mail und Whatsapp-Nachricht von Geschäftsführer Mark Wallmann über ihre Beurlaubung unterrichtet wurden, wollten sich am Samstagabend zum Sachverhalt nicht äußern.

Klar ist, dass die Entscheidung vor dem Spiel gegen Varel feststand, so wie vor dem Volmetal-Spiel bereits vieles für eine Verpflichtung von Leszek Hoft sprach. Die SGSH stellte noch am Samstagabend in ihrer Mitteilung Dragan Markovic als neuen Trainer bis zum Saisonende vor. Markovic ist Trainer der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Der 44-Jährige lebt in Wetzlar und rettete u.a. die HSG Wetzlar einmal vor dem Abstieg aus der 1. Bundesliga. Das bosnische Nationalteam führte er sehr überraschend zur WM in Katar. Ein Mann, der lange für Schutterwald und Willstätt spielte und unbestrittene sportliche Qualitäten hat. Wie Grasediek war Markovic als aktiver Spieler auch ein erfolgreicher Spielmacher.

Sportlich war der Samstagabend für die SGSH vor 400 begeisterten Zuschauern in der Sporthalle Löh ein sehr guter gewesen. Gegen spielerisch biedere, dafür aber knüppelharte Handballer von der Nordsee zeigte sich die SGSH in der zweiten Halbzeit ein bisschen wie im Rausch. Die erste Halbzeit war eine raue Angelegenheit. Nach nur acht Minuten schied Florian Diehl, der nach der schnellen Mitte auf Tom Wiedenmann gerasselt war, mit Verdacht auf Nasenbeinbruch aus. Geknüppelt wurde bis zur Pause auf beiden Seiten, zahlreiche Zeitstrafen und wenig Spielfluss waren die Folge. Zur Pause hieß es 14:12 für die SGSH, das war verdient, aber noch kein Ruhekissen.

Mayer trifft und verlässt die SGSH am Saisonende

Nach der Pause dann fand die SGSH bald sicher auf die Siegerstraße. Im Angriff fand das Team nun die richtige Distanz zum Gegner bei den eigenen Wurfsituationen. Vor allem Maciej Dmytruszynski in linken Rückraum, aber auch Julian Mayer im rechten Rückraum machten einen tolles Spiel. Dazu kam eine Klasseleistung von Nicholas Plessers im Tor. Nach 46 Minuten stand es durch den ebenfalls starken Jacek Wardzinski, der den Ausfall von Achim Jansen (Grippe) vollauf kompensierte, bereits 26:17, nach 54 Minuten gar 31:18. Am Ende hieß es "nur" 33:25, damit waren die Gäste, bei denen Abwehrchef Helge Janssen (41., 3. Zeitstrafe) und der Lette Martin Libergs (47., Faustschlag gegen Lutz Weßeling) rote Karten sahen, sogar noch gut bedient.

SGSH bezwingt die HSG Varel-Friesland 33:25

Beste SGSH-Werfer waren Mayer (8/2), Dmytruszynski (7) und Weßeling (7). Beim Toptorschützen Mayer stehen derweil am Saisonende die Zeichen auf Abschied: Der Linkshänder aus dem Oberbergischen hat in dieser Woche seine Wohnung in Halver gekündigt. Die SGSH hatte ihm vor zwei Wochen dem Vernehmen nach mitgeteilt, dass sie ihn gerne für die 2. Mannschaft behalten wolle, mehr aber nicht. Eine Option, die für Mayer dann wohl doch nicht in Frage kommt. Er dürfte im nächsten Jahr für einen neuen Verein spielen.

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