Eine Spielzeit des Übergangs fürs Grasediek-Team

Viertbeste Abwehr der 3. Liga West: Die SGSH überzeugte in der abgelaufenen Saison vor allem in der Defensive. - Fotos: Baankreis

Schalksmühle - Die Spielzeit 2014/15 ist in der 3. Liga West beendet. Für die SG Schalksmühle-Halver steht nach dem finalen 26:26-Remis in Minden am Ende der zehnte Tabellenplatz zu Buche. Keine wirklich sorgenvolle Saison war es, aber auch keine richtig gute. Eine Bilanz.

Rückblick in den August 2014: 30:27 besiegte die SGSH im ersten Saisonspiel vor ausverkaufter Halle in Halver den TuS Ferndorf. Es war ein Spiel wie aus einem Guss. Ein Spiel, das die Messlatte hoch legte für die nächsten Wochen und Monate. Gemessen an dieser Leistung, die das Grasediek-Team gegen den später so souveränen Drittliga-Meister aus dem Siegerland (28 Siege in 30 Spielen) zeigte, war das Folgende oft ernüchternd. An das Tempo-Spektakel vom Auftakt kam die SGSH nie heran.

Deshalb war längst nicht alles schlecht. Die Saison 2014/15 – das waren viele kleine Abschnitte, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Dem tollen Saisonstart mit 8:2-Punkten folgte ein kleines Zwischentief mit den Niederlagen gegen die Neulinge und Kellerkinder aus Ratingen und Wiesbaden, danach wieder ein Zwischenhoch mit vier Siegen in Serie. 16:6-Punkte waren Mitte November eine exzellente Zwischenbilanz. Der Hinrunden-Kehraus mit erheblichen Verletzungsproblemen gegen vier starke Gegner aber misslang (1:7-Punkte).

Starke Abwehr, schwacher Angriff

Zur Saison-Halbzeit standen so 17:13-Punkte zu Buche. Zu viele Zähler, um sich Sorgen zu machen, zu wenige, um wirklich noch einmal vorne anzugreifen. Eine Konstellation, die Gift war. Auch die Aussicht auf den Südwestfalenschlager zum Rückrundenstart in Ferndorf schaffte es nicht, Trainings-Ehrgeiz in der Weihnachtspause zu wecken. Die SGSH kam in Kreuztal unter die Räder und erlebte viele magere Wochen. 3:11-Punkte in Folge mit der Heimniederlage gegen das Schlusslicht aus Wiebaden als negativem Höhepunkt schafften es, das Grasediek-Team wieder an den Rande des Abstiegskampfes zu bringen. In Gladbeck gelang Anfang März der Befreiungsschlag. Gegen Gladbeck, gegen Soest und Leichlingen gelangen noch drei wirklich gute Spiele, die sich mit weiteren Enttäuschungen (allen voran der Derby-Auftritt in Hagen) abwechselten. Unterm Strich standen zwölf Siegen 15 Niederlagen gegenüber. Keine wirklich gute Ausbeute für eine Mannschaft mit dem Potenzial, das im August ausgereicht hatte, um den späteren Meister so eindrucksvoll zu besiegen.

Als Problem entpuppte sich über die gesamte Saison gesehen die Durchschlagskraft im Angriff. Die SGSH stellte die dritt-schwächste Offensivreihe der Liga, verpasste in den 30 Saisonspielen die 800-Tore-Marke (792). Vor allem aus dem Rückraum fehlte oft die Durchschlagskraft.

Dem stand eine starke Defensive gegenüber. Mit 801 Gegentoren stellte die SGSH in der 3. Liga West die viertbeste Abwehr – besser waren nur die Topteams aus Ferndorf und Hagen sowie Absteiger Duisburg. Auch die Abwehr gab dem Team allerdings in den schwierigen Wochen nicht genügend Halt, um in dieser Phase kritische Spiele zu gewinnen.

Die Saison 2014/15 wird so für die SGSH als eine Saison des Übergangs in die Vereinschronik eingehen. Für langjährige Leistungsträger wie Daniel Buff oder Marc Oberste ist es die Saison des Abschieds gewesen. Mit ihnen geht ein Stück Identität, das durch eine weiter gehobene Qualität ersetzt werden soll. Spieler wie der Emsdettener Shooter Lutz Weßeling, der das Rückraum-Problem lösen soll, der Bulgare Todor Ruskow oder der Kroate Natko Merhar stehen für einen gehobenen Anspruch am Löh und an der Mühlenstraße. Bei der SGSH ist an einem Kader gebastelt worden, für den es keine räumlichen Grenzen mehr gibt, der aber vor allem eines soll: Den Weg in die vordere Tabellenregion ebnen.

Die SGSH verfolgt damit weiter konsequent den Weg, den sie im Sommer 2014 mit der Verpflichtung von Spielern wie den beiden Polen Jacek Wardzinski und Mateusz Rydz eingeschlagen hat. Es ist inzwischen eine Art Gegenentwurf zu Nachbarn wie Soest oder Drittliga-Neuling Volmetal. Das Team wird internationaler. Es bekommt nominell mehr Schlagkraft, mehr fertige Spieler. Die Kehrseite der Medaille war in der vergangenen Spielzeit indes, dass die SGSH als Team nicht immer so funktionierte wie es in der Vergangenheit oft der Fall gewesen war. Den teilweise so starken Auftritten standen eben auch jene gegenüber, in denen sich die SGSH eine Spur zu leicht ergab. In Hagen oder Ferndorf waren es Auftritte, in denen das SGSH-Ensemble keinen Derby-Spirit an den Tag legte.

Wardzinski direkt bester SGSH-Goalgetter

Die Neuzugänge waren keine Fehlgriffe, schlugen aber auch nicht alle gut ein: Jacek Wardzinski stieg auf Anhieb zum besten Torschützen der SGSH auf – der Rechtsaußen spielte nach einer überragenden Hinserie allerdings auch eine Rückrunde mit so manchem Tief. Achim Jansen kam in Wardzinskis Schatten nicht so zum Zuge, wie er sich das wohl selbst erhofft hatte. Mateusz Rydz deutete sein Potenzial immer wieder an, überzeugte letztlich aber nicht so nachhaltig, dass die SGSH weiter mit ihm planen wollte. Tobias Fleischhauer schließlich spielte auf der linken Außenseite ein solide-gutes Premierenjahr. Die Verpflichtung von Natko Merhar allerdings zeigt indes, dass die SGSH auch selbst auf dieser Position noch Steigerungspotenzial sieht.

Apropos Steigerungspotenzial: Wenn die Saison für etwas besonders gut war, dann dafür, Luft nach oben zu lassen. Geschichte wiederholt sich mitunter: Im Jahr 2003/04, als die SGSH gerade neu gegründet war, hatte sie auch ein ungemein starkes Team beieinander, das aber mit Licht und Schatten spielte. Im nächsten Jahr dann war zusammengewachsen, was zusammengehörte – 2005 gelang so der Aufstieg in die Regionalliga. Die Botschaft: Neue Prozesse brauchen Zeit. Viel Substanz aus halb Europa versammelt der Drittligist inzwischen im Sauerland. Nun muss daraus noch ein Team wachsen, das dieses Potenzial mit größerer Konstanz abzurufen versteht.

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