Handball

Festgespielt oder nicht? Neue Auslegung des Paragrafen 55 im DHB

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In der 1. Mannschaft der SGSH Dragons auszuhelfen, wird für Malte Müller und Kollegen ab der kommenden Saison noch ein bisschen komplizierter.

Kreisgebiet – Die Materie ist knochentrocken, juristisch durchaus komplex und sorgt auch bei den heimischen Handballern immer wieder für Irritationen. In Paragraf 55 der DHB-Spielordnung ist geregelt, wann sich ein Spieler in einer höherklassigen Mannschaft eines Vereins „festgespielt“ hat und was zu tun ist, damit dieser Spieler wieder in der niederklassigeren Mannschaft desselben Vereins spielen darf.

Für diesen Paragrafen hat der DHB nun eine neue Auslegung bekannt gegeben. Eine fiktive Situation anhand einer real existierenden Person: Malte Müller spielt normalerweise für das Verbandsliga-Team der SGSH Dragons. Weil in der Drittliga-Mannschaft der Dragons beide etatmäßigen Kreisläufer verletzt sind, muss Müller in der 1. Mannschaft aushelfen. 

Drittliga-Coach Stefan Neff setzt Müller an zwei Spielen hintereinander ein. Damit ist Malte Müller „festgespielt“ und darf nicht mehr im Verbandsliga-Team eingesetzt werden. Und zwar so lange nicht, bis er zwei aufeinanderfolgende Drittliga-Spiele nicht bestritten hat. Alternativ ist Müller auch dann freigespielt, wenn seit seinem letzten Drittliga-Spiel mehr als vier Wochen vergangen sind. 

Die neue Sichtweise, die der DHB nun bekannt gegeben hat, wirkt unscheinbar, hat es aber in sich. Auch dazu ein Beispiel: Am 14. Dezember hilft Müller erstmals im Drittliga-Team aus, es folgt die Weihnachtspause, danach spielt er am 18. Januar für die 1. Mannschaft. Bisher galt: Weil zwischen beiden Partien mehr als vier Wochen liegen, beginnt die Zählweise am 18. Januar neu, könnte Müller zum Beispiel am 19. Januar noch für das Verbandsliga-Team auflaufen. Das ist nun nicht mehr so. Egal, wie weit die „zwei aufeinanderfolgenden Spiele“ auch auseinanderliegen – die Vier-Wochen-Frist findet in diesem Fall keine Anwendung mehr mehr. 

Die bisherige Interpretation, so schreibt Syndikusanwältin Melanie Prell, beim DHB zuständig für die Bereiche Spielbetrieb und Recht, „ist widersprüchlich zum Wortlaut des § 5 und hält einer sportgerichtlichen Überprüfung nicht stand.“ Zusammengefasst: Ab sofort hilft die Vier-Wochen-Frist zusammen mit Weihnachts- oder EM/WM-Pause nicht mehr dabei, die Zählweise für den Einsatz in höheren Mannschaften neu zu beginnen lassen. Werden „festgespielte“ Spieler dennoch in unteren Mannschaften eingesetzt, droht der Verlust von Punkten.

Der Paragraf 55 im Wortlaut

Der „Festspiel-Paragraf“ 55 der DHB-Spielordnung ist in vier Punkte unterteilt, wobei die Punkte 2 bis 4 Sonderregelungen für den Jugend- und U23-Bereich umfassen. Sie werden an dieser Stelle nicht zitiert. Der Wortlaut:

„Für Vereine mit mehreren Mannschaften in derselben Altersklasse wird das Spielrecht der Spieler in Meisterschaftsspielen des Vereins in der Weise eingeschränkt, dass ein Spieler nach der Teilnahme an zwei aufeinanderfolgenden Spielen der höheren Mannschaft/en für die niedrigere Mannschaft erst wieder teilnahmeberechtigt wird, wenn zwei weitere aufeinander folgende Meisterschaftsspiele der höheren Mannschaft ohne ihn ausgetragen worden sind bzw. nach der letzten Teilnahme an einem Meisterschaftsspiel der höheren Mannschaft ein Zeitraum von vier Wochen verstrichen ist. Der Tag, an dem der Spieler zuletzt in der höheren Mannschaft mitgewirkt hat, ist in die Vier-Wochen-Frist einzurechnen.“

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