Handball, 3. Liga West

Die SGSH und ihr altbekanntes Problem

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Beratung am Rande: Dragan Markovic mit seinen Abwehrspezialisten Todor Ruskov und Maciej Dmytruszynski. An der Defensiv-Leistung lag es am Samstag nicht primär, dass die SGSH ohne Punkte aus Neuss heimkehrte.

Schalksmühle - Der Fan-Tross am Samstagabend war ähnlich groß und lautstark wie nach den Oktober-Unruhen beim Gastspiel in Köln-Chorweiler. Ein Husarenstreich wie seinerzeit beim Longericher SC aber wurde es für die SG Schalksmühle-Halver beim Neusser HV nicht. Im Gegenteil: Während die Konkurrenz im Abstiegskampf Punkte einsammelte, mit denen nicht zu rechnen war, verfestigte sich bei der SGSH beim 20:27 der Eindruck, dass die alten Probleme auch mit neuem Trainer noch nicht zu den Akten zu legen sind.

Dragan Markovic schaute am Samstagabend nach der Pressekonferenz traurig drein. „Ich habe das Gefühl, dass ich mehr an diese Mannschaft glaube als sie selbst“, sagte der Bosnier nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel auf der SGSH-Bank, „wir legen Dinge fest und nehmen uns Sachen vor, aber dann macht jedes Mal einer sein eigenes Ding. Schade, schade, dieses Spiel war zu gewinnen.“ Worte, die sinngemäß auch von seinem Vorgänger Mathias Grasediek hätten kommen können, der immer wieder einen Mangel an Mut und Zutrauen in eigene Stärken beklagt hatte. 

Die SGSH muss dabei dieser Tage mit einer gewissen Süffisanz der Kritiker leben. Ein Internet-Blogger behauptete noch am Samstagabend, dass die SGSH mit Grasediek und Meyrich bereits drei Punkte mehr gesammelt hätte. Ein anderer stellte fest, dass der Vergleich nun 2:0 für das alte Trainerduo stehe, mit dem die SGSH gegen Ratingen und Neuss in der Hinrunde zwei Siege eingefahren hatte. Solcherlei ist ein wenig unfair gegenüber Markovic. Die SGSH-Führung muss und wird es aushalten. Sie hat zu solchen Reaktionen ihren Teil beigetragen. 

Sorgen machen müssen der SGSH eher andere Dinge. Der Offensiv-Auftritt in Neuss in der zweiten Hälfte zum Beispiel. Nur noch neun Tore nach dem Wechsel waren Ergebnis einer unerhörten Plan- und Strukturlosigkeit, die beileibe nicht Markovic anzulasten ist. Gegen Leichlingen Anfang Januar hatte es ähnlich ausgesehen, in Lemgo im Dezember auch. Wenn die Kräfte bei den Leistungsträgern schwinden, wäre für die SGSH so dringend Spiellenkung nötig. Eine Struktur gebende Kraft, die richtige Entscheidungen trifft und Kopf-durch-die-Wand-Handball verhindert. Ein intelligenter Diener des Spiels, der die starken Werfer, die die SGSH ohne Zweifel hat, in Position bringt und zum Nutzen der Mannschaft glänzen lässt. Die SGSH merkt erst jetzt, was sie am im Umfeld oft gescholtenen Christian Feldmann hatte. 

Die SGSH jedenfalls hat noch keine Lösung für das durch die Feldmann-Verletzung in der Rückraum-Mitte entstandene Vakuum gefunden. In Neuss, wo die SGSH in den vergangenen Spielzeiten vor allem deshalb gepunktet hat, weil sie mithin das schlauere Team stellte und mehr aus den eigenen Möglichkeiten machte, wurde dies frappierend deutlich. Als es eng wurde, stellten Neuss und vor allem Felix Handschke die SGSH vor nicht lösbare Probleme. Die SGSH war dagegen nicht mehr in der Lage, den Gastgebern neue Aufgaben zu stellen. 

Hoffen auf Rückkehr von Florian Diehl

Der Blick geht nach vorne: Mit Florian Diehl könnte bald eine vielleicht entscheidende Verstärkung in den Rückraum zurückkehren. Andererseits bleibt abzuwarten, ob Natko Merhar, der am Samstag in der Schlussviertelstunde wieder starke Schmerzen hatte, weiter dabei sein wird. Am Samstagabend jedenfalls gegen den TSV GWD Minden II, den Tabellenvierten, wartet eine anspruchsvolle Aufgabe. Sowohl gegen Minden als auch danach in Soest dürfte es die SGSH mit offensiven Abwehrreihen zu tun bekommen, gegen die kluge Spiellenkung noch mehr Gewicht haben dürfte. 

Der Druck vor diesen Spielen ist immens. Sollte die SGSH gegen Minden nicht punkten und Soest die Aufgabe beim Schlusslicht Habenhausen lösen, wären es drei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Keine schöne Vorstellung, aber auch keine, die schlaflose Nächte bereiten muss. Es bleiben neun Spiele. Mit Gegnern, die weniger Schlagkraft haben als Neuss. Markovic bleibt Optimist. „Mit dem Druck muss man leben“, sagt Markovic, „ich gehe jedes Spiel optimistisch an. Ich bin ja nicht gekommen, um zu verlieren.“ Also der Fokus auf Minden: Videostudium, Vorbereitung und dann wieder alle Hoffnung auf den Befreiungsschlag. „Die gesamte Liga hat viel Qualität, aber wir auch“, sagt Markovic. Bangemachen gilt auch vor dem Vergleich mit den Ostwestfalen nicht.

Klaus Gebauer neuer 2. Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH

In der vergangenen Woche hat die Gesellschafter-Versammlung der Spielbetriebs-GmbH der SG Schalksmühle-Halver stattgefunden. Das Team der Geschäftsführer ist damit wieder komplett. Zu Mark Wallmann, der in den vergangenen Monaten die Geschäfte nach dem Rückzug des 2. Geschäftsführers Markus Turck hatte alleine führen müssen, ist als 2. Geschäftsführer nun Klaus Gebauer dazu gestoßen. Gebauer ist gleichzeitig der „Leiter Finanzen“ der SG Schalksmühle-Halver und sitzt damit nun sowohl im Vorstand der SGSH als auch in der GmbH-Führung. Der diskutierte Gedanke, noch einen weiteren dritten Geschäftsführer in der GmbH zu installieren, wurde im Rahmen der Gesellschafter-Versammlung wieder verworfen.

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