Die SGSH und die rot-weiße Reisewelle

+
Tolles Debüt in der SGSH-Abwehr: Alex Trimpop.

Gummersbach - Der Hallensprecher in der Schwalbe-Arena bemühte am Sonntagnachmittag den Derby-Begriff, natürlich. Gummersbach/Derschlag contra Schalksmühle-Halver. Mehr Derby gibt es für die SGSH nur, wenn es gegen den TuS Volmetal geht.

Die Derby-Bilanz liest sich also nun sehr gut für das Grasediek-Team: 4:0-Punkte aus den Spielen gegen die Nachbarn machen gute Laune. Gute Laune nach vier Siegen in Folge ist eigentlich ja nichts Besonderes. Schlechte Laune allerdings können die Verantwortlichen mit Blick aufs SGSH-Lazarett bekommen. „Ich weiß langsam auch nicht mehr, wie wir’s auffangen sollen“, schüttelte Mathias Grasediek ob des neuerlichen Ausfalls von Florian Diehl nach der unsanften Landung auf der lädierten Hüfte nach weniger als 15 Minuten den Kopf.

Diehl war der sechste Komplett-Ausfall nach Ruskov, Feldmann, Bücher, Merhar und Kapitän Dmytruszynski, dessen Bänderverletzung sich als Bänderriss herausgestellt hat. Umso erstaunlicher sind die jüngsten 8:0-Zähler für das SGSH-Ensemble seit dem Volmetal-Derby und den besonderen Ereignissen im Nachgang dieses besonderen Spiels. Der SGSH-Anhang jedenfalls steht zum Team – trotz durchwachsenen Saisonstarts und der Querelen ums Trainerduo. Heute sogar gefühlt mehr noch als vorher. Wie in Köln-Chorweiler schon war die rot-weiße Reisewelle, diesmal bei Schneetreiben ins Oberbergische, imposant.

Ein Fan postete im sozialen Netzwerk, er sei nun beim Auswärtsspiel in Gummersbach, und genau das war er nicht. Ein Heimspiel war das Derby, denn die SGSH-Fans waren in der Überzahl – und auch viel lautstärker. Drittliga-Handball in Gummersbach – das ist weiter Ausbildungshandball im Schatten des großen VfL. Die neue Drittliga-Mannschaft ist letztlich ein aufgewerteter TuS Derschlag – auch im Eigenverständnis, denn die Verantwortlichen sprechen gerne vom „HSG Derschlag“, wobei der Begriff HSG hier nicht für „Handball-Spiel-Gemeinschaft“, sondern für „Handball-Sport Gummersbach“ steht. Der TuS ist umgezogen in eine schmucke Sportstätte, deren Fan man werden kann. Allerdings vor allem, wenn hier Bundesliga-Handball zelebriert wird. Drittliga-Handball vor dem Trennvorhang und bei kaum eigenen Fans wirkt dann doch eher ein wenig seelenlos und verloren.

Selbst die SGSH zog nicht viele Oberberger an. Dabei gibt es für den HSGD gar kein anderes Derby, und zudem keinen Gegner mit mehr Gummersbacher Vergangenheit. Mit Nicholas Plessers, Malte Müller und Julian Mayer hatte die SGSH ja immerhin drei Ex-Aktive des Gegners mitgebracht. Dass alle drei wertvolle Steinchen im Mosaik des SGSH-Sieges waren – es passte ganz zu diesem Nachmittag. So wunderten sich die Fachleute aus der Handballstadt nicht darüber, dass ein Plessers halten und ein Mayer werfen kann.

Malte Müller auf den Spuren von Carsten Lueg

Was aber aus Malte Müller in Schalksmühle geworden ist, darüber wunderten sie sich dann vielleicht doch ein bisschen. Aus dem so talentierten Kreisläufer macht die SGSH ja derzeit einen Spielmacher, weil die anderen geplanten Spielmacher verletzt oder nicht mehr im Kader sind. Müller bewegt sich auf gar nicht so ungewöhnlichen Pfaden. Als die Schalksmühler Handballer in den 90er-Jahren in der Regionalliga gegen einen ostwestfälischen Hauptrivalen aus Versmold spielten, führte dort Diethard von Boenigk im Rückraum Regie, am Kreis bei der SpVg aber spielte seinerzeit ein junger Mann, der gerade in Münster Medizin studierte: Carsten Lueg. Aus dem Kreisläufer und Studenten wurde später ein Spielmacher bei der SGSH und danach der Mannschaftsarzt des Teams.

Ein Mannschaftsarzt, der aktuell weiter viel Arbeit hat mit seiner SGSH. Seit dem Sonntag noch ein bisschen mehr, denn wenn auch die Verletzung von Florian Diehl diesmal Alex Trimpop ein so imposantes Drittliga-Debüt im Zentrum der SGSH-Abwehr bescherte, so bleiben doch Zweifel, ob Kampf und Wille des Sonntags auch am Samstag ausreichen werden. Ein bisschen mehr personelle Alternativen wären willkommen.

Am Samstag nämlich kommt der TV Korschenbroich nach Halver. Der TVK ist aktuell punktgleich mit der SGSH. Mit einem Sieg könnte die SGSH am Team vom Niederrhein vorbeiziehen und wäre dann – mindestens – Sechster, also genau auf jenem Rang, der das minimale Saisonziel ist. Ein schöner Anreiz für den Vorabend des 1. Advents.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare