Fleißiges Nachkarten im sozialen Netzwerk

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Lüdenscheider Hallenstadtmeister 2014: Die U23-Mannschaft von Rot-Weiß Lüdenscheid aus der Kreisliga B holte sich am Samstag gar nicht unverdient den Siegerpokal.

LÜDENSCHEID - Eine schönere Pointe des Tages hätte es am Samstag gar nicht geben können. Die Hallenstadtmeisterschaft, bei der Rot-Weiß Lüdenscheid über viele Jahre so oft als Favorit angetreten und gar nicht selten an einem Underdog gescheitert war – diese Hallenstadtmeisterschaft sah nun in Abwesenheit der RWL-Bezirksliga-Kicker die U23-Reserve des Vereins vom Nattenberg als neuen Meister.

Von Thomas Machatzke

Das brachte denn auch Thomas Gabel, Turnierorganisator süffisant und nicht einmal säuerlich ob der Finalniederlage seines favorisierten LTV 61 auf den Punkt: „Was die Erste von RWL nicht schafft, das schafft die Zweite. Glückwunsch vom LTV 61“, sagte Gabel in der Halle. Später postete er genau dies auch noch bei Facebook. Das macht man heute so.

Die Titelkämpfe waren natürlich ein gefundenes Fressen fürs soziale Netzwerk. Wenn der Tabellenachte der Kreisliga B Stadtmeister in einer Stadt wie Lüdenscheid wird – dann ist das zuallererst einmal eine ziemlich tolle Sache für den Tabellenachten der Kreisliga B. Es ist aber eben auch kein Kompliment fürs Niveau des Turniers. Von den zwei Bezirksligisten und vier A-Ligisten war nur der LTV 61 dabei. Was den LTV 61 betrifft, so konnte dieser auch schlecht fehlen – er war ja der Ausrichter...

Bei Facebook benutzte Dominik Zborowski, Macher des B-Liga-Spitzenreiters Polonia Lüdenscheid, gar das Wort Skandal. Es war vielleicht gar nicht so böse gemeint wie es klingen mag, aber es befeuerte die Diskussion. Einigkeit herrscht unter den Fußballern in einem Punkt: Stadtmeisterschaften, die in einer Besetzung stattfinden wie jene am Samstag, sind Mist. Martin Dolezych, Kicker des Bezirksligisten SC Lüdenscheid, forderte bei Facebook, dass alle Vereine ihre stärksten Teams schicken müssten. Thomas Gabel trug Polonia die Ausrichtung an („Bis zum 31. Januar könnt ihr euch bewerben. Vielleicht einmal eine Tyskie-Stadtmeisterschaft?“). Und Timo Flieger, Ex-Trainer von TuRa Brügge und LTV 61, bemerkte auch mit einer gewissen Süffisanz in Richtung der Kritiker: „Wie wäre es dann mal mit ‘selber’ teilnehmen?“ Immerhin fehlte Polonia komplett, der SCL hatte seine Reserve geschickt.

Neidvoll geht der Blick jedenfalls nach Iserlohn. In der Waldstadt gelingt seit Jahren das, was in Lüdenscheid so schwierig zu sein scheint. Dort zieren sich auch klassenhöhere Teams als sie der Lüdenscheider Fußball zu bieten hat nicht, in der Halle zu spielen und tragen keinen großen Schaden davon. Gutklassiger Sport, spannende Spiele, Zuschauer, die gerne kommen, ein Bier trinken und für Stimmung sorgen – am Hemberg ist das selbstverständlich, in anderen Kommunen auch. In Lüdenscheid nicht. In Lüdenscheid muss man sich stattdessen mit der Freude über eine kleine Pointe zufrieden geben.

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