"Rendezvous der Besten"

"Jazz1", die "NewGymTaKids1" und der Zauber des Neuen in Lüdenscheid

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Die Gallier mit Tina Wiek als Obelix an der Spitze beim Aufmarsch in einer Reihe.

Lüdenscheid – Auf der Tanzfläche in der Richard-Schirrmann-Realschule steht ein großer Kessel, daneben zwei kleine Zelte. Tanzen mit Requisiten – daran müssen sich erst einmal alle gewöhnen. Überhaupt ist dieses vielschichtige „Sich-Gewöhnen“ an das Neue die Herausforderung, der sich die Tänzerinnen der 40+-Formation „Jazz1“ des LTV 61 gemeinsam mit den jungen Gymnastinnen und Tänzerinnen der DJK Eintracht Lüdenscheid stellen.

Dafür arbeiten sie an diesem Samstag bereits seit dem Vormittag – und die Arbeit wird sich bis in den späten Nachmittag ziehen. „Eigentlich trainieren wir einmal die Woche eine Stunde zusammen“, sagt Tina Wiek. Die Trainerin der Formation „Jazz1“ ist gleichzeitig in den vergangenen Jahren der Motor der Gymnastik & Tanz-Abteilung bei der Eintracht gewesen. Trainerin, Choreographin, Motivatorin in einer Person. Und nun also liegt dieses Projekt vor Wiek – mit ihren „alten“ Tänzerinnen und den jungen Mädchen um Tochter Manou Marlene. 

„Das Mehrgenerationenprojekt ist für uns alle neu und mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig, da es von allen viel Einsicht erfordert. Es macht aber auch ungemein viel Spaß“, stellt Tina Wiek fest. Den Spaß sieht man jeder einzelnen Tänzerin an, wenn geübt wird. Wenn aus dem Geforderten und Geplanten mitunter auch etwas Neues entsteht. Wenn zum ersten Mal ein schwieriges Element klappt – auch wenn die Füße inzwischen wehtun und gerade die älteren Tänzerinnen ganz schön pusten müssen ob des Tempos, das da an den Tag gelegt wird. 

Die Formation „Jazz1“ kommt ebenso aus der DTB-Dance-Sparte des Deutschen Turner-Bundes wie die jungen DJK-Gruppen, die zum Teil auch noch die Kleingeräte zur Gymnastik dazunehmen in ihrem Alltag. Die neue Sportart aber nun firmiert unter dem Namen „Rendezvous der Besten“. Das bedeutet alles und nichts. Jedenfalls geht es darum, in der Großgruppe eine Darbietung auf die Bühne zu bringen, die die Zuschauer verzaubert. Mit Hilfe der Requisiten, mit Tanz, mit Turnen, oftmals mit viel Akrobatik. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Vortrag darf bis zu fünf Minuten lang sein, sonst gibt es kaum Grenzen: It’s showtime! 

Die Römer mit den Reifen, die nachher wie Schilder aussehen sollen...

„Wir müssen uns da erst einmal reinfinden“, sagt Wiek, „das dauert meistens zwei Jahre bis man richtig angekommen ist.“ In diesem Kontext wird 2020 ein Lehrjahr. Neue Sportart, neues Projekt. Und dann das Ganze noch als Premiere „dahoam“. Weil der ursprüngliche Ausrichter abgesagt hat, hat sich der LTV 61 nun beworben, am 17. Mai den WTB-Landesentscheid beim „Rendezvous der Besten“ ausrichten zu dürfen. Die BGL-Halle hat Stephan Gerhart vom WTB am Freitag bereits abgenommen. Der Eindruck war positiv. „Es ist noch nicht sicher, aber zu 95 Prozent eigentlich schon“, sagt Tina Wiek und hofft nun auf dieses besondere Weihnachtsgeschenk, denn das wäre es gewiss für die Tänzerinnen aus der Bergstadt. Am 16. und 17. Mai findet zwar auch das Lenne-Volme-Turnfest in Kierspe statt, doch der LVG-Dance-Cup soll dann einfach am Samstag über die Bühne gehen – und sonntags soll dann im BGL getanzt und geturnt werden. 

Mit 600 bis 900 Gästen rechnet der WTB beim „Rendezvous der Besten“, das sportlicher Wettkampf und eine große Show in Einem ist. Eine Großveranstaltung der besonderen Art, für die der LTV 61 viele mit ins Boot nehmen will. 

Leistungskontrolle direkt vor Ort via iPad: Tina Wiek, Maike Aßmann, Imke Druschel und Yvonne Benedikt schauen sich die Tanzdarbietung an.

Die neuen American-Footballer zum Beispiel, denn wenn die Großgruppen mit ihren Requisiten anrücken, dann muss auch viel geschleppt werden. Für das Lüdenscheider Mehrgenerationen- und Mehrvereine-Projekt hat Tina Wiek eine 40 Seiten lange Choreographie geschrieben. Das Thema ist kein Geheimnis mehr. Ein altes Asterix-Thema wird neu aufgelegt. Es hat nicht mehr viel mit dem zu tun, was „Jazz1“ und später auch die „NewGymTaKids1“ in ihren Meisterschaften vertanzt haben. 

Vieles ist neu. Natürlich. 17 Tänzerinnen sollen die Fläche für das Lüdenscheider Team bevölkern. Die Jüngste, Annika Nauke, als einzige Tänzerin der Neuzeit-Kids wird gerade 14, die älteste Tänzerin wird im Mai 57 Jahre alt sein. Zehn Soldaten aus der römischen Legion in entsprechenden Kostümen, sechs Gallier um Eva Päckert als Asterix, Tina Wiek als Obelix und Imke Druschel als gebrechlicher Methusalix. Es geht hoch her. Die junge Melina Thier gibt den Idefix in der neuen Choreographie, in der aus Reifen nach entsprechender Verarbeitung Schilder werden sollen. 

Römer, Gallier und Requisiten: Die Formationen „Jazz1“ des LTV 61 und „NewGymTaKids1“ der DJK Eintracht Lüdenscheid sowie Annika Nauke von den „Neuzeit-Kids“ beim gemeinsamen Trainingstag in der Halle der Richard-Schirrmann-Realschule.

Es geht um jedes Detail. Es geht um Kreativität, um Witz, Mimik und Show. „Die Jungen müssen da manchmal noch lernen, dass man bestimmte Dinge besonders hervorheben und verstärken muss“, sagt Tina Wiek, die während der Proben Yvonne Benedikt als „Mädchen für alles“ an ihrer Seite weiß. Benedikt filmt, korrigiert, urteilt. Maike Aßmann, die gemeinsam mit Anja Brandts von den Älteren die römischen Truppen führen soll, hat die Ausbildung dieses Teils der Mannschaft übernommen. „Eigentlich sind wir zwei Teams, aber wir müssen zu einem verschmelzen“, sagt Tina Wiek. Der Weg ist beschritten. Und so geht es bis zum Abend weiter, Schritt für Schritt. 

„Wir hatten ein anstrengendes Trainingslager. Es war nicht immer leicht, 17 Tänzerinnen fließend in Formation zu bringen“, stellt die Trainerin nach getaner Arbeit zufrieden fest, „Würfe und Hebungen konnten problemlos integriert und durchgeführt werden. Zwei Passagen müssen noch einmal überarbeitet werden, neue lustige Ideen kommen noch hinzu.“ Wiek ist für den Moment zufrieden, auch wenn noch viel Arbeit bleibt. Für die Formationen, aber nicht nur für sie. Auch die Schneiderin Aida Waliani aus Schalksmühle, die zu den Kostümen auch noch Requisiten erstellen wird, ist für das Projekt voll eingespannt. „Ohne Aida wäre dieses Projekt so nicht durchführbar“, sagt Tina Wiek. Sie freut sich auf die nächsten Wochen und Monate, weil dem Neuen ein besonderer Zauber innewohnt. Mindestens bis zum Mai wird sich dieses Gefühl konservieren lassen.

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