Die U23-Regel und ihre legitimierten Auswüchse

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Beim aufgerüsteten VfL Gummersbach II musste die SGSH zwar eine 24:32-Niederlage hinnehmen, dennoch hielt sich bei Julian Mayer, Daniel Buff, Dominik Formella und Marc Oberste (von links) die Enttäuschung in Grenzen.

Schalksmühle - Axel Meyrich, Co-Trainer der SGSH, blieb nur ein Schulterzucken. „Die Regel gibt’s halt her“, konstatierte der Halveraner, als er vor dem Anpfiff des Gastspiels beim VfL Gummersbach II den Profis Andreas Schröder, Julius Kühn und Alexander Becker beim Aufwärmen zuschaute.

Von Thomas Busch

„Die Regel“, das ist die in der Spielordnung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) verankerte U23-Klausel. Und diese besagt, dass sich Spieler „bis zum Ende des Spieljahres, in dem sie ihr 23. Lebensjahr vollenden, in Mannschaften der Bundesligen und Dritten Ligen nicht festspielen können. Ihr Einsatz ist jedoch nur ab der fünfthöchsten Spielklasse zulässig“.

Gedacht zur Talentförderung

Im Klartext bedeutet das: Akteure, die unter 23 Jahre alt sind und in einem Team in den höchsten drei Ligen spielen, können ohne Einschränkungen auch für untere Mannschaften bis zur Verbandsliga auflaufen. Um für das untere Team ihres Klubs spielberechtigt zu sein, müssen sich diese U23er nicht eigens durch Verzicht auf Einsätze in der höheren Mannschaft „freisitzen“. Dienen soll das Ganze der Talentförderung: Junge Spieler, die im oberen Leistungsbereich noch nicht auf viel Einsatzzeit kommen, sollen „unten“ Spielpraxis sammeln. Für Youngster, die im Aufgebot eines Bundesliga-Teams vielleicht an zwölfter, 13. oder 14. Stelle stehen, ist das sicherlich sinnvoll. Im konkreten Fall aber könnte man ketzerisch fragen, was Andreas Schröder und Julius Kühn ihr Einsatz im Drittligaspiel des VfL Gummersbach II gegen die SG Schalksmühle-Halver wohl für ihre sportliche Entwicklung gebracht haben mag. Über mangelnde Spielzeit im Bundesliga-Team der Oberbergischen kann sich das Duo, das in der internen Torschützenliste des VfL I die Plätze drei und fünf einnimmt, nämlich nicht beklagen...

Geholfen hat der Einsatz der Profis, bei denen auch Alexander Becker eine feste Größe ist, aber natürlich dem VfL Gummersbach II, der am Samstag dank der Verstärkungen einen deutlichen 32:24-Heimsieg einfuhr und jetzt drei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz der 3. Liga West hat.

Einfluss im Titelkampf?

Damit, dass da der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung laut wird, muss die sportliche Leitung des VfL leben. Und der Grat, den sie beschreitet, ist schmal – wie groß dürfte erst das mediale Echo ausfallen, wenn die Gummersbacher womöglich auch noch Einfluss auf den Titelkampf nehmen? Sollte das Sviridenko-Team im April im Heimspiel gegen den VfL Eintracht Hagen erneut derart „aufgerüstet“ antreten, wäre das quasi doppelt fragwürdig. Denn im Duell gegen den anderen Aufstiegsanwärter TuS Ferndorf vor anderthalb Wochen hatte man auf keinen Schröder, Kühn oder Becker zurückgegriffen. Aber: Die Regel gibt es eben her...

Was die SG Schalksmühle-Halver angeht, so brach diese nach der Niederlage in der Schwalbe-Arena nicht in Tränen aus. „Ich bin stolz auf die Jungs“, erklärte Trainer Mathias Grasediek nach dem ungleichen Duell vielmehr und registrierte später erfreut, dass sein Team auch weiterhin neun Zähler „über dem Strich“ steht, weil auch keine der drei auf den Abstiegsrängen liegenden Mannschaften punktete.

Generell kommt der SGSH das spielfreie nächste Wochenende sehr gelegen. Durchatmen und Verletzungen auskurieren – so lautet nun erst einmal das Motto dieser Woche, in der nur an zwei Tagen Mannschaftstraining auf der Agenda steht. Wieder aufs Drittliga-Parkett geht es erst am Samstag, 21. Februar, wenn die SGSH bei der SG Ratingen zu Gast ist.

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