NRW-Landesturnfest

Die Festtage können beginnen

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Die Formation „Jazz1“ (hier beim Turnfest in Siegen) muss in Hamm passen

Nach 19 Jahren kehren die Turner zurück in die Stadt, in der sie ja irgendwie zu Hause sind in ihrem Domizil, dem alten Wasserschloss Oberwerries an der Lippe, das schon so lange eine Landesturnschule ist: In Hamm also findet vom 19.6. bis zum 23.6. das 4. NRW-Landesturnfest statt.

Im Jahr 2000 beim letzten Besuch in Hamm war es noch ein Westfälisches Landesturnfest. Die Dimension ist eine ähnliche. 6000 Aktive aus den Turnvereinen, dazu weitere Sportler bei den Special Olympics NRW, Helfer, Akademieteilnehmer. Rund 10000 Gäste erwartet die Stadt Hamm, die zum sechsten Mal seit 1910 ein Turnfest ausrichtet und sich dafür natürlich herausgeputzt hat – so wie im Jahr 2000, als die Stadt ihre Gäste mit einem neuen Leitsystem mit vielen Hinweisschildern in der Stadt überraschte. Noch heute gibt es diese Schilder, die Hamm optisch von anderen Städten durchaus unterscheiden.

Guildo Horn Hauptact der Eröffnungsfeier 

Zu den Gästen in Hamm zählen natürlich die Aktiven aus dem Lenne-Volme-Turngau, die sich am Mittwoch auf die A45 gen Norden stellen werden, auch um am Abend Guildo Horn auf der Turnfestbühne zu sehen. Horn ist der Hauptact der Eröffnungsfeier auf dem Marktplatz mit seinen „Orthopädischen Strümpfen“. Vor Horn steht um 19 Uhr ein Fahnenumzug. Der gehört beim Turnfest dazu, und beim LVG gehört dazu, dass Karl-Heinz Macher vom LTV 61 die Fahne des LVG tragen wird. Erst die Fahnen, dann die Eide, die offizielle Eröffnung, dann viel Stimmung. Gut gelaunte Turner, und aufgeregte Tänzerinnen der DJK Eintracht Lüdenscheid, die die „Reise ins Glück“ bei der Auftaktveranstaltung auf der Bühne darbieten dürfen. Dass am Donnerstagmorgen die ersten Wettkämpfe, die Masters in der Sparte DTB-Dance, warten – nicht so schlimm… Überhaupt Gymnastik & Tanz: Der LVG ist in dieser Sparte gut aufgestellt.

Die DJK Eintracht bringt drei Formationen an den Start („NewGymTaKids1“, „NewGymTaKids2“ und „Neuzeit“), der TuS Meinerzhagen ist rund um sein Vorzeigeteam „Between“ mit acht Starts noch sehr viel breiter aufgestellt und vor allem eines: aussichtsreich. Die Titelvergabe in WTB und auf NRW-Ebene läuft inzwischen über die erfolgreichen Tänzerinnen von Trainerin Sinja Lipsewers und ihren vielen Helferinnen. Im oberen Volmetal ist eine der größten Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre im LVG geschrieben worden. Mit 87 Teilnehmern ist auch das Meldeergebnis der fleißigen Turnfest-Fahrer aus Meinerzhagen rekordverdächtig. Der TuS kann nicht nur Gymnastik & Tanz, er kann seit jeher auch Prellball. Turnfeste sind auch immer Festtage für die Ballspieler unter dem Dach des Deutschen Turnerbundes. Ein paar Kilometer weiter von Meinerzhagen aus rüstet sich auch der TSV Kierspe für Hamm. 38 Turnfestfahrer hat der TSV in diesem Jahr, und die stehen exemplarisch für Vielfalt im traditionellen Sinn: Turnen ist das Kerngeschäft des TSV. Oberliga-Turner wie Konrad Brandts, Kevin Meisel oder André Bienlein turnen in Hamm den Pokal-Wettkampf. Andere Turnerinnen und Turner des TSV sind in den Wahlwettkämpfen aktiv. Auch Mehrkämpfe will der TSV diesmal versuchen: Evelyn Fott, Jana Rempel, Emily Stange und Leni Wiemer aus der Gauliga-Turnriege haben für den Deutschen Sechskampf bei den NRW-Mehrkampfmeisterschaften gemeldet. Ein spannender Versuch. Und weil der TSV so gut als Beispielverein herhalten soll, darf nicht unerwähnt bleiben, dass er auch vier Übungsleiterinnen zur Turnfest-Akademie schickt und für die Turn-Wettkämpfe vier Kampfrichter stellt. Gut für den Verein, gut fürs Turnfest und die Organisation. Auch die Tänzerinnen des LTV 61 haben aus der Not eine Tugend gemacht und werden in Hamm zwar nicht tanzen, aber helfen: Weil sich mit Imke Druschel eine Tänzerin zwei Wochen vor dem Fest einen Muskelfaserriss zugezogen hat, hat „Jazz1“ seinen Start abgesagt. Beim Wettkampftag Gymnastik & Tanz am Samstag aber werden Druschel und Eva Päckert als Moderatoren einspringen, Tina Wiek und Maike Aßmann womöglich ebenfalls. Es hatte hier nach dem Rückzug eines Vereins aus Hamm einen Engpass gegeben, der LTV 61 hilft gerne.

Wiebke Fritsch kämpft um DM-Qualifikation

So gibt es die, die ohne Wettkampf drei Tage Turnfestluft atmen wollen. Und die, die zwar einen Wettkampf haben, aber nur dafür anreisen. Die drei Mehrkämpferinnen des Schalksmühler TV zum Beispiel: Jamie Prange, Nele Middendorf und Merisa Zornic aus der Verbandsliga-Riege absolvieren am Fronleichnamtag einen Deutschen Sechskampf. Dreimal Leichtathletik, dreimal Turnen. Ergebnisoffen. Der Spaß steht beim Turnfest im Vordergrund. Noch vielseitiger sind seit jeher die Aktiven des TuS Grünewald und des TV Jahn Plettenberg: Ihre Mehrkämpfer sind Jahnmehrkämpfer. Jahnmehrkämpfer müssen turnen, laufen, springen, werfen – und schwimmen und ins Wasser springen. Seinen ersten Jahnmehrkampf wird Jannis Föste in Hamm bestreiten. Der junge Turner aus der Vier-Täler-Stadt gilt als Riesentalent, dominierte die Gaupokalliga zuletzt in seiner Altersklasse nach Belieben. Sean Robinson, Carl Heßmer und Julian Stremel sind an Föstes Seite – nur Jan Grewe fehlt diesmal. Der Verbandsliga-Turner soll seine Knieverletzung in Ruhe auskurieren. Keine Experimente. Bei den Mädchen startet Pia Stemski im Jahn-Neunkampf der 18- und 19-Jährigen. Nadine Waimann vom TuS Grünewald ist eine von zwei Konkurrentinnen in dieser Altersklasse. Die anspruchsvollen Mehrkämpfe kämpfen in Hamm auch um Teilnehmer.

Wiebke Fritsch vom TuS Grünewald steht in der 30+-Klasse bereits als NRW-Meisterin fest. Hier gibt es keine Konkurrenz. Sie kämpft um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften, für die es keinen NRW-Titel, wohl aber eine Mindestpunktzahl braucht. Auch Sofie Waimann kämpft darum in der Frauen-Hauptklasse. Ihre jüngsten Schwestern Julia und Yvonne sind im Sechskampf der 16- und 17-Jährigen dabei. Der TuS Grünewald und die Familie Waimann führen eine lange Tradition weiter. Jahnkämpfer kommen verstärkt aus Bonn, aus Ochtrup, aus Köln-Ehrenfeld, Dortmund oder Essen. Oder eben auch aus Plettenberg oder Lüdenscheid. Jahnmehrkämpfer, so scheint es, wird man nicht zufällig, man muss schon in einem Verein zu Hause sein, der dieses enorme Anforderungsprofil mag, das in so viele Richtungen organisierte Training und einen langen Wettkampftag mit dem Tingeln von Standort zu Standort zu Standort. Auch das gehört zur Bestandsaufnahme im Turnfestjahr 2019. Und dann wird geturnt, gelaufen, geworfen, gesprungen und geschwommen. Turnvater Friedrich Ludwig Jahn hätte seine Freude daran.

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