Fußball

Grummeln im Wartestand: Oberligisten haben Redebedarf

Fußballer im Zweikampf
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Ob und wann es für die Sportfreunde Siegen und den RSV Meinerzhagen (links im Bild: Julian Jakobs) in der Fußball-Oberliga weitergeht, ist weiterhin offen. RSV-Coach Mutlu Demir stellt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs grundsätzlich in Frage.

In der Fußball-Oberliga wartet nicht nur der RSV Meinerzhagen darauf, wie und wann es weitergehen könnte. Trainer Mutlu Demir stellt die Sinnhaftigkeit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs grundsätzlich in Frage.

Meinerzhagen – Individualtraining, hier und da vielleicht eine virtuelle Fußballeinheit an der Spielkonsole – mehr ist für die Oberliga-Kicker des RSV Meinerzhagen momentan nicht drin. Die Amateurfußballer stecken in der Warteschleife, ein Ende der Pandemie-Zwangspause ist nicht abzusehen. Gleichwohl haben zumindest die Vereins- und Mannschaftsverantwortlichen Redebedarf.

So schalteten sich die Vertreter von zwölf der 21 im westfälischen Fußballoberhaus vertretenen Klubs in der vergangenen Woche zu einer Videokonferenz zusammen. Denn: „Die Vereine wollen sich gerade in der schwierigen momentanen Zeit miteinander austauschen“, betont Mutlu Demir. Der Trainer des heimischen RSV Meinerzhagen war einer der Initiatoren der Online-Zusammenkunft, die als eines der Themen den Vorlauf bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs hatte.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) plant laut seinem Vizepräsidenten Manfred Schnieders „im Moment“ mit zwei Wochen Vorbereitungszeit.

Grummeln im Wartestand: Oberligisten haben Redebedarf

„Das ist angesichts der langen Pause sehr wenig, dessen sind wir uns bewusst. Ich gehe aber davon aus, dass die Trainer ihren Spielern zumindest in den überkreislichen Ligen Trainingspläne für ein individuelles Training mitgegeben haben, sodass die persönliche Fitness halbwegs gewährleistet ist“, hatte Schnieders vor Wochenfrist ausgeführt (wir berichteten). Die deutliche Mehrheit der Oberliga-Übungsleiter sehe das jedoch anders, berichtet Demir, und wünscht sich unter anderem angesichts der befürchteten Häufung von Muskelverletzungen mehr Zeit vor dem Re-Start.

Klar ist natürlich: Die Zeit drängt – gerade in der Oberliga, die 21 Mannschaften stark und westfalenweit die Spielklasse mit den meisten Partien ist. Grundsätzlich gilt: Damit in einer FLVW-Liga die Saison gewertet und nicht annulliert wird, muss bis zum 30. Juni 2021 mindestens die Hälfte der angesetzten Partien absolviert worden sein. So sagt es die Spielordnung, die überdies eine Saisonverlängerung klar ausschließt. So weit, so gut bzw. schlecht. Denn obwohl diese Gemengelage nicht neu ist, ist sie für viele Klubfunktionäre offenbar nicht zufriedenstellend.

„Es war doch schon im September zu befürchten, dass es im Winter zu einer längeren Unterbrechung kommt. Da kann man sich doch frühzeitig austauschen und einen Plan erstellen, wie es weitergehen kann. Man bricht sich doch keinen Zacken aus der Krone, wenn man da mal bei den Vereinen nachfragt und gemeinsam Lösungen entwickelt“, gibt Andreas Kersting, Sportlicher Leiter des SV Westfalia Rhynern, zu Protokoll. Beim FLVW wiederum heißt es dazu: Wenn der Termin für den Neubeginn absehbar sei, werde man wieder auf die Vereine zugehen.

„Es könnten bewusst Spielausfälle herbeigeführt werden“

Was Mutlu Demir betrifft, so stellt er grundsätzlich die Sinnhaftigkeit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Frage. Dass die Oberliga-Saison nicht komplett zu Ende gespielt werden kann, steht für den RSV-Coach außer Frage. Da für die Wertung – vorausgesetzt, mindestens 50 Prozent aller Partien haben stattgefunden – dann die durchschnittliche Punktzahl herangezogen wird, sieht Demir einen sportlich fairen Wettbewerb gefährdet. Seine Befürchtung: „Es könnten bewusst Spielausfälle herbeigeführt werden.“ Im Klartext: Wer seinen Quotienten nicht verschlechtern will, schiebt einen Corona-Verdachtsfall vor, um um das Spiel und vor allem die drohende Niederlage gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner herumzukommen...

Demir ist nicht der Erste, der solche Bedenken hat. Ob man diese auch beim FLVW teilt, sei dahingestellt. Als sicher anzunehmen ist aber, dass es erst zu einem Abbruch der Saison kommen wird, wenn die 50-Prozent-Quote nicht mehr erreicht werden kann. Verbandsseitige Befürchtung: Zieht der FLVW zu früh einen Schlussstrich, könnten Vereine, die aussichtsreich im Aufstiegsrennen lagen, den Rechtsweg beschreiten – mit womöglich gar nicht einmal so schlechten Aussichten.

Nicht übertragbar auf Westfalen bzw. den gesamten Westdeutschen Fußball-Verband ist das Beispiel des Hamburger Fußball-Verbandes. Dieser hat angekündigt, die Saison 2020/21 zu annullieren, wenn nicht schon am letzten Februar-Wochenende wieder gespielt wird. Doch die anderslautende Amateurfußball-Spielordnung im Westen der Republik lässt einen solchen Schritt schlichtweg nicht zu.

RSV im Winter: Keine Zugänge, keine Abgänge

Beim RSV Meinerzhagen sind nach momentanem Stand der Dinge im Winter-Transferfenster keine personellen Veränderungen zu erwarten. „Neuverpflichtungen planen wir nicht, verlassen möchte uns auch niemand“, sagt Trainer Mutlu Demir. Angesichts der Ungewissheit darüber, wann es weitergehen wird, sind Vereinswechsel in der Pandemie-Saison 2020/21 für ihn ohnehin kaum sinnvoll: „Es sei denn, man wechselt als Amateur in den Profibereich, wo der Spielbetrieb ja nach wie vor läuft.“  

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