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„Grand ohne Vier“: SGHS gewinnt auch dritten Vergleich gegen die HSG Krefeld

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Von: Thomas Machatzke

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Handball ballt die Faust
Spielmacher-Entdeckung beim Saisonfinale in Krefeld: Brian Gipperich. © Thomas Machatzke

Die „Besten im Westen“ kommen im Drittliga-Handball aus Halver und Schalksmühle. Die SGSH gewann das letzte Saisonspiel bei der HSG Krefeld 30:26 (15:13) und schließt die Aufstiegsrunde auf Rang vier ab.

Krefeld – Es war zwar nicht mehr die Art von hochemotionalem, dramatischem Topspiel, als das das Kräftemessen zwischen der HSG Krefeld und den SGSH Dragons zweimal in der normalen Meisterschaftsrunde dahergekommen war. Der Sieg aber schmeckte für die SGSH gleichwohl süß. 30:26 (15:13) entschied das Schmetz-Team auch den dritten Vergleich mit dem Rivalen von Niederrhein für sich. Und damit stand nicht nur Rang vier in der Gruppe 2 der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga zu Buche. Damit war vor allem klar: Die Besten im Westen in der 3. Liga der Handballer kommen aus Halver und Schalksmühle. Das gestand nach der Partie dann auch Maik Pallach kleinlaut ein, dem zum dritten Mal kein nachhaltiges Rezept eingefallen war, seinen Ex-Verein zu besiegen.

Spiele am Saisonende können mitunter bizarr wirken. Mehr als 900 Zuschauer sorgten in der Glockenspitzhalle für einen würdigen Rahmen, die Referees kamen für die Partie eigens aus Magdeburg und Irxleben. Dabei war das Spiel ja eigentlich nicht mehr als ein Abschiedsspiel, und Abschiedsspiele sind mitunter bessere Freundschaftsspiele. Bei der HSG fehlten die verletzten Außen Schulz und Braun ebenso wie Stammkeeper Sven Bartmann, den ausgerechnet zu seinem Geburtstag eine Corona-Infektion aus dem Spiel genommen hatte.

Die personelle Lage beim Gast war aber keineswegs besser, im Gegenteil: Florian Diehl und David Bleckmann mussten weiter passen, Linus Michel war vom TuS Ferndorf angefordert worden, um die TuS-Reserve in der Oberliga zu halten. Jan König war zwar dabei, aber angeschlagen und mithin nur für Kurzeinsätze brauchbar. Stattdessen stand ein halbes Youngster-Team in Reserve – neben Börner und Dragunski auch Jannack, Schnepper und Lüsebrink aus der Zweitvertretung.

„Grand ohne Vier“: SGHS gewinnt auch dritten Vergleich gegen die HSG Krefeld

Aus der Not eine Tugend machend, baute Mark Schmetz aus dem vorhandenen Personal eine erste Sieben, die den Krefeldern überhaupt nicht schmeckte. Bei der SGSH ist in der Regel mit vielem zu rechnen, aber mit einem Linkshänder auf der Spielmacherposition eigentlich nicht. Brian Gipperich aber machte seine Sache in dieser neuen Rolle ganz ausgezeichnet, nervte den Innenblock des Pallach-Teams mit seinen beherzten 1:1-Aktionen. Daneben deckte der Topathlet in der 5:1-Abwehr auf der Spitze – mit der klaren Aufgabe, die Kreise von Merten Krings einzuengen. „Bei Krefeld läuft alles über Merten Krings“, stellte Schmetz später zufrieden fest, „uns war klar, dass viel gewonnen ist, wenn er nicht so ins Spiel kommt.“

All das klappte ordentlich, doch was der vielleicht entscheidende Vorteil an diesem Abend war, war die Torwartleistung. Es war nicht einmal so, dass Lasse Hasenforther keine gute Leistung zeigte. Im Gegenteil. Der Ex-Gummersbacher zählte im letzten Saisonspiel zu den besten Krefeldern. Doch an die Leistung von Ante Vukas kam Hasenforther nicht heran. Lange Zeit lag der Kroate im SGSH-Tor bei einer Quote über 50 Prozent gehaltener Bälle. Er hielt zwei Siebenmeter und unzählige freie Bälle. Maik Pallach sprach nach der Partie anerkennend von „20 Hundertprozentigen“. Vor allem die Krefelder Außen brachte Vukas wie schon zweimal in der normalen Meisterschaftsrunde zur Verzweiflung.

Vukas und Gipperich standen so irgendwie stellvertretend für den Spielertyp, der gerade beim Saisonfinale den Unterschied machen kann, weil die Selbstmotivation eine grundsätzlich hohe ist. Dass Krefelds Coach Maik Pallach später darüber klagte, dass sich sein Team vor dem Spiel in der Kabine lieber über die Relegation in der Fußball-Bundesliga unterhalten habe als sich aufs Spiel vorzubereiten – es könnte Indiz dafür sein, dass es da Unterschiede im mentalen Bereich gegeben hat.

Sei's drum: Die SGSH zog nach dem 15:13 zur Pause sogar bis auf 20:15 (37.) davon. Danach wurde das Spiel fehlerhafter. „Wir haben gehofft, dass es mit diesem Kader am Ende mit der Kraft reicht“, erklärte Mark Schmetz später. Es sollte reichen, aber auch deshalb, weil die Krefelder in den Situationen, in denen sie durchaus noch die Möglichkeit gehabt hatten, die Spannung zurückzubringen in diese Partie, mit großer Zuverlässigkeit Fehlwürfe oder technische Fehler eingestreut hatten. Der SGSH durfte das egal sein. Auch die acht Tore vom im ersten Durchgang noch torlosen Merten Krings störten sie nicht mehr.

Endspiele: Potsdam gegen Pforzheim, Konstanz gegen Wilhelmshaven

„Ich kann der Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen, wie sie den Ausfall von gleich vier Rückraumspielern weggesteckt hat“, freute sich Mark Schmetz, „sie hat auch heute wieder gezeigt, dass sie ein richtiges Team ist, in dem jeder für den anderen kämpft. Wir haben eine überragende Saison gespielt. Das hat richtig Spaß gemacht.“

Und während diese Saison nun also für Krefeld und die SGSH beendet ist, stehen die Endspielpaarungen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga fest. Die HSG Konstanz zitterte sich zum 34:33-Sieg gegen den Nachbarn Pfullingen und hat damit die Südgruppe gewonnen. Durch den SGSH-Sieg in Krefeld zieht die SG Pforzheim/Eutingen (und nicht der VfL Pfullingen) als zweites Südteam in die Endspiele ein. Im Norden zeigte sich der Wilhelmshavener HV vom Debakel in Hildesheim gut erholt und nutzte seinen Matchball gegen den TuS Spenge (37:32), um Rang zwei abzusichern. Die Finalpaarungen lauten damit: VfL Potsdam – SG Pforzheim/Eutingen und HSG Konstanz – Wilhelmshavener HV. Wer sich hier in Hin- und Rückspiel durchsetzt, darf in der neuen Saison in der 2. Bundesliga auf Tore- und Punktejagd gehen.

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