Goalie Lange freut sich auf die Roosters

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Möchte auch in der DEL angreifen: Mathias Lange.

ISERLOHN -  Seine Stimmfarbe ist eindeutig. Die Gedanken nicht ganz. Auf Nachfrage braucht Mathias Lange den Bruchteil einer Sekunde zu lang, um jeden Zweifel von sich zu weisen. „Spielt eigentlich keine Rolle, aber wenn ich es darauf ankommen lassen müsste, wäre ich mehr Österreicher als Deutscher“, sagt der 28-Jährige.

Dass er auch das nicht ist, beweist er im Gespräch. Offen berichtet der Back-Up-Goalie der Iserlohn Roosters über sein Leben.

Weil sein Großvater aus Hamburg stammt, nutzte Vater Lange vor mehr als 20 Jahren, kurz vor Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, die Chance, gemeinsam mit seinen Söhnen zur deutschen Botschaft nach Wien zu fahren und beide neben dem österreichischen auch mit einem deutschen Pass auszustatten. Ohne dieses Stück Papier wäre Lange die Chance versperrt geblieben, vor vier Jahren sein erstes Engagement bei der DEG anzutreten. Zwar war es hinter Superstar Aubin im Kasten des ehemaligen Topclubs nicht mehr als ein Lehrjahr mit gerade fünf Einsätzen, dennoch war es Erfahrung und Bewerbungsgrundlage zugleich. „Weil ich nicht viel gespielt habe, brauchte es bis Januar, bis ich einen neuen Vertrag bekommen habe, dann bekam ich die Chance zum Try-Out in Ravensburg und dass der Rest dann mit dem Gewinn der Meisterschaft so aufging, das hätte niemand gedacht.“ Unkonventionell blieb die Karriere dennoch. Auf den Titel folgte die Rückkehr in die College-Heimat Amerika, Hochzeit und das Bemühen um eine Green-Card – die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in den USA. Im Sommer fand Lange in den Staaten einen gut dotierten Job im Marketing und heuerte wieder erst im Winter bei den Steelers aus Bietigheim an. „Im Januar bin ich angefangen, wieder nur als Aushilfe und plötzlich war ich zum zweiten Mal Zweitliga-Meister mit den meisten Spielanteilen im Team. Glück gehört dazu und die Fähigkeit zur richtigen Zeit seine Leistungen abrufen zu können.“ Als Belohnung folgte auch noch der Anruf des österreichischen Nationaltrainers, der ihn, den zweifachen Zweitligameister als dritten Torhüter und Nachrücker ins WM-Team nach Helsinki berief.

Auch deshalb entwickelte sich der Wunsch des gebürtigen Klagenfurters noch einmal in der DEL anzugreifen. Da kam das Angebot der Roosters gerade Recht... Das gilt auch deshalb, weil Lange hofft, auch beim nächsten weltweiten Eishockey-Highlight für Österreich dabei zu haben – die Olympischen Spiele im Februar im russischen Sotchi. Dafür muss er am Seilersee Spielpraxis sammeln, und die will ihm Cheftrainer Mason geben: „Wir haben Mathias genommen, damit er Eishockey spielt. Wir können Sébastien so einen freien Tag gönnen. Wir vertrauen Mathias voll und ganz.“ Eine Garantie hat Lange nie verlangt, Hoffnung aber hegt er. Und wenn es so läuft wie immer, dann wird der deutsche Österreicher auch am Seilersee eine besondere Rolle spielen. Nur ob der dritte Titel in vier Jahren folgt, das scheint dann doch fraglich. - MiHei

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