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Gipfeltreffen SGSH gegen Krefeld: Hier die Engpässe, da der Überfluss

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Von: Thomas Machatzke

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Trainer Handball Auszeit
Mit Krefeld zurück an alter Wirkungsstätte: Maik Pallach (Mitte). © Thomas Machatzke

Die SGSH Dragons erwarten als Tabellenzweiter den Spitzenreiter HSG Krefeld. Ein Topspiel mit unterschiedlichen Voraussetzungen: Während der Gast auf allen Positionen doppelt gut besetzt ist, ist bei der SGSH weiter personell vieles auf Kante genäht.

Halver – Wenn der Spitzenreiter der 3. Liga D, die HSG Krefeld, am Samstag um 19.30 Uhr in der Sporthalle an der Halveraner Mühlenstraße seine Visitenkarte abgibt, dann ist es für Maik Pallach eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Der Trainer der HSG war bis zum Sommer 2008 Kreisläufer der SGSH, im Mai 2008 stieg er mit der SGSH im Abstiegskrimi gegen Gladbeck in dieser Halle aus der Regionalliga ab und verließ den Verein danach in Richtung TuS Ferndorf.

Lang, lang ist’s her: Pallach hat danach für Ferndorf und Leichlingen gespielt, hat Leichlingen als Spielertrainer geführt, dann die Nachwuchs-Akademien in Gummersbach und Großwallstadt mit seinem Fachwissen bereichert, war bei den Mainfranken Sportlicher Leiter. Er ist da, wo der Handball einmal ganz groß war, ein bisschen verspätet in Funktion gewesen.

Und nun hat er eine neue Mission: In diesem Jahr soll der diplomierte Sportwissenschaftler die HSG Krefeld im zweiten Anlauf zurückführen in die 2. Bundesliga. Das Team vom Niederrhein, es ist der Topfavorit der Staffel D und seit dem Sieg gegen Opladen am Wochenende und der parallelen SGSH-Niederlage in Longerich auch Spitzenreiter dieser Gruppe.

Gipfeltreffen SGSH gegen Krefeld: Hier die Engpässe, da der Überfluss

SGSH contra Krefeld: In der Saison 18/19 war es das Duell, das lange die Fans beider Lager elektrisierte und bei dem sich letztlich auch die Titelfrage entschied. Krefeld behielt nach lange engem Verlauf die Oberhand, wurde Meister und stieg in die 2. Bundesliga auf, um in der Saison 19/20 direkt wieder abzusteigen. Danach trafen sich die Westrivalen immer wieder zu Testspielen. Im Sommer 2019, im Sommer 2020, zuletzt im Frühjahr 2021 und auch im Sommer 2021, als die HSG 30:27 gewann.

Die HSG versuchte es im Frühjahr 2021 auch in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Maik Pallach war da gerade als Nachfolger von Felix Linden als Trainer vorgestellt worden. Doch Eintracht Hagen und Empor Rostock waren stärker, zumindest diese beiden, wahrscheinlich wohl auch noch andere. Krefeld blieb drittklassig. Und greift nun wieder an.

„Den ganz großen Favoriten“ nennt Mark Schmetz den samstäglichen Gast der SGSH. „Fast alle Position sind mit zweitligaerfahrenen Spielern besetzt, Merten Krings hat sogar in der 1. Liga gespielt, Sven Bartmann im Tor hat im Topspiel gegen Opladen überragend gehalten, war der Matchwinner“, sagt Schmetz, Gegner-Betrachtung ist an diesem Wochenende für den Niederländer eine Gelegenheit, ins Schwärmen zu geraten.

Das A und O ist die Disziplin im Angriff. Wir müssen geduldig spielen und Krefeld in den aufgebauten Angriff zwingen.

Mark Schmetz (Trainer SGSH Dragons)

Tatsächlich hat Maik Pallach am Niederrhein Möglichkeiten vorgefunden, die andere Trainer in der 3. Liga nicht haben. Bartmann, der Ur-Uerdinger, kam im Sommer zurück aus Dormagen, und wenn er keinen guten Tag hat, sitzt dahinter Lasse Hasenforther, der in Gummersbach zum erweiterten Bundesliga-Kader zählte. Das Spiel lenkt der Ex-Hammer und Ex-Emsdettener Merten Krings. Im rechten Rückraum bürgen Maik Schneider und Kevin-Christopher Brüren für Qualität, auf der rechten Außenbahn Steffen Hahn und Mike Schulz. Vier Linkshänder dieser Güte hat so mancher Zweitligist nicht.

Gleich drei potenzielle Shooter im linken Rückraum der HSG

Auf der linken Angriffsseite wirbelt auf der Außenbahn der Ex-Dormagener Pascal Noll, im linken Rückraum tummeln sich der Ex-Mindener Jonas Molz und die Balkan-Shoother Matija Mircic und Andrej Obradovic um Spielanteile, am Kreis Lars Jagieniak und Antonio Juric. „Auf allen Positionen doppelt gut besetzt“, analysiert Mark Schmetz – und damit ist man beim größten Unterschied zur SGSH angekommen. Dort, wo in Krefeld die Belastung auf mehrere Schultern verteilt werden kann, muss bei der SGSH ein Akteur die ganze große Verantwortung mehr oder minder alleine tragen.

Ob David Bleckmann und Florian Diehl zurückkehren werden in den Kader, ist vor dem Topspiel nämlich weiter sehr fraglich. Diehl hat nicht trainiert, Bleckmann nicht komplett. Überhaupt hat Schmetz am Montag nur sieben Feldspieler beim Training gehabt, am Dienstag gar nur sechs. Auch deshalb, weil Arvid Dragunski aus dem Longerich-Spiel eine Knie-Verletzung davongetragen hat und am Samstag ausfallen wird.

Immerhin: Am Donnerstag wird Ante Vukas aus Kroatien – nach dem Tod seines Vaters und der Trauerfeier – zurückerwartet. Ob die Leiste von Vukas noch Probleme macht? Ob er vom Kopf her nach diesem Schicksalsschlag wieder frei sein wird? Schmetz weiß es noch nicht. Zumindest das mit der Leiste wird sich wohl am Freitagabend zeigen.

Handballer beim Wurf
Auf Leistungsträger in Topform kommt es an: Christopher Klasmann wurde in dieser Woche 31 Jahre alt. Am Samstag gegen Krefeld will der Routinier Vollgas geben. © Thomas Machatzke

Aber selbst dann, wenn Vukas wieder fit sein sollte: Dort, wo die HSG nach Belieben durchwechseln kann, wird die SGSH wieder darauf setzen müssen, dass sich die Leistungsträger durchbeißen. In Longerich ist dieser Ansatz an seine nicht unbedingt überraschenden Grenzen gestoßen. „40 Minuten war das ein gutes Spiel von uns“, sagt Schmetz, „aber am Ende haben wir abreißen lassen müssen. Aber damit kann ich leben, wir haben gegen einen an diesem Tag besseren Gegner verloren.“

Für die Gastgeber ist es ein „einfaches Spiel“

Am Samstagabend würde Schmetz natürlich neben guten Minuten seiner Mannschaft auch gerne Ertrag einfahren. Dass dies auch gegen Topfavoriten nicht unmöglich ist, davon ist der Niederländer überzeugt. „Wir müssen unseren Matchplan umsetzen, dann werden wir auch unsere Chancen bekommen“, sagt Schmetz, „A und O ist die Disziplin im Angriff. Wir müssen geduldig spielen, dürfen Krefeld keine zweite Welle erlauben, müssen sie in den aufgebauten Angriff zwingen.“

Der Plan, er steht, nun geht es um die Umsetzung. Schmetz ist voller Vorfreude ob des besonderen Spiels gegen einen besonderen Gegner. „Für uns“, sagt er, „ist das ein einfaches Spiel. Wir spielen gegen den hohen Favoriten. Und ich bin mir sicher, dass wir ein gutes Spiel machen werden.“ Was das fürs Ergebnis bedeutet? Der Samstag wird es zeigen.

SGSH: Vukas, Döscher, Gorlas, Hablowetz – Schetters, Klasmann, Michel, König, Hecker, Gipperich, Frenzel, Dommermuth, Perey, Börner, Bleckmann, Diehl

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