Die „guten Seelen“ im Sport

Gerhard Garske: Die Vielseitigkeit schon immer als Markenzeichen

Portrait Gerhard Garske
+
Gaukunstturnwart, Wettkampfleiter für den WTB, Trainer beim TuS Grünewald: Gerhard Garske ist beim Turnen auch im Alter von 79 Jahren noch vielseitig unterwegs.

Gerhard Garske trainiert die Turnerinnen des TuS Grünewald, plant im Lenne-Volme-Turngau die Wettkämpfe und die Gauliga und führt für den WTB den Landespokal und Landescup durch. Ohne den Lüdenscheider würde in der Turnregion vieles nicht so reibungslos funktionieren...

Lüdenscheid – Mit festen Terminen bekommt der Tag Struktur. Die Woche auch. Daran hat sich für Gerhard Garske im beruflichen Ruhestand nichts geändert. „Keine Lust zu haben, das zählt nicht“, sagt der Trainer, Wettkampfleiter und Gaukunstturnwart vom TuS Grünewald, „in der Halle fehle ich nicht gerne.“

Weil das so ist, wartet – wenn nicht wie im Moment gerade das Corona-Virus den Sportbetrieb auf Eis legt – montags, dienstags und donnerstags am Wermecker Grund das Training mit den Turnerinnen des TuS Grünewald. Freitags geht Garske selbst zum Sport, beim TuS Bierbaum.

Mittwochs kommt das Leichtathletik-Training für die Jahnkämpferinnen dazu, samstags das Schwimmen. Es ist ein anspruchsvolles Wochenprogramm, doch – wie gesagt – keine Lust zu haben, kommt nicht in Frage für ihn. Auch wenn Garske, der Berliner, der schon so lange in Lüdenscheid zu Hause ist, am 6. August seinen 80. Geburtstag feiert.

Gerhard Garske: Die Vielseitigkeit schon immer als Markenzeichen

1941 geboren, auf die Welt gekommen im Berlin des 2. Weltkriegs – bald ein junger Turner bei der Berliner Turnerschaft, der Garske bis heute angehört. „Damals hatte der Verein 4000 Mitglieder, heute sind es noch 3000 - ich bekomme noch regelmäßig das Mitteilungsblatt“, erzählt er, „auch wenn ich da heute niemanden mehr kenne.“ In seiner Jugend war das anders: Der Verein war Heimat für Garske. Turnen, Leichtathletik und Schwimmen – seine Vorliebe für den Jahnkampf mit seinen allgemeinen Anforderungen hat er von der Spree mitgebracht und beim TuS Grünewald an Generationen von Aktiven weitergegeben. Aber nicht nur das. „Beim Turnverein hat für mich immer auch das Soziale gezählt“, sagt der Turntrainer, „das Vereinswesen, es hat mich geprägt.“

Es sind Erfahrungen, die tiefe Wurzeln geschlagen haben. So etwas bleibt, auch wenn der Sport in den Hintergrund tritt, wenn andere Dinge wichtig werden. Gerhard Garske hat Mathematik studiert, hat in dieser Zeit auch andere Sportarten ausprobiert. Über Karlsruhe kam er nach Dortmund und 1975 zur Fern-Universität nach Hagen. Ein Lehrer für die Fernstudenten, mittlere Hochschul-Laufbahn. Garske entwickelte Studienmaterial für die Studenten, die irgendwo waren und nur zu den Klausuren und Prüfungen nach Hagen kamen. „Wie heute“, sagt Garske mit Blick auf die Entwicklungen in Pandemie-Zeiten, „Lernen auf Distanz…“

Dass der Weg nach Lüdenscheid führte, hatte für die Garskes – Vater, Mutter und drei Töchter – einen ganz einfachen Grund. „Wir sind an den Wochenenden aus Dortmund ohnehin immer ins Sauerland gefahren, um etwas zu unternehmen“, sagt Garske. So zogen die Garskes und eine befreundete Familie aus Dortmund zum Wittberge. „Andere müssen irgendwo hinfahren, um Spaziergänge zu machen. Ich habe das direkt vor der Haustür“, sagt der rüstige Ruheständler zufrieden, „und dazu einen wunderbaren Blick über das ganze Volmetal…“

Über Manfred Hagedorn zum TuS Grünewald

Sportlich hatten Garske und seine Frau schon in Dortmund nach Möglichkeiten gesucht, die Töchter „organisiert zu bewegen“ und waren beim Turnen gelandet. „Meine Tochter Gunna hatte damals in Dortmund Manfred Hagedorn als Trainer“, sagt Garske. Hagedorn ist heute Präsident des Westfälischen Turnerbundes – damals hatte der Dortmunder einen guten Tipp für die Familie. „Geht zum TuS Grünewald, zu Klaus Lüsebrink“, gab er den Garskes mit auf den Weg ins Sauerland. Dessen Tochter Ilka war eine der westfälischen Topturnerinnen in dieser Zeit. So kamen Gunna, Mailin und Tini Garske zum Verein im Wermecker Grund und mit ihnen auch der Vater.

„Ich war immer dabei gewesen, ohne Trainerschein“, sagt Gerhard Garske. Als Klaus Lüsebrink als Trainer bei den Leistungsturnerinnen aufhörte, fragte der TuS Gerhard Garske, ob er das Training übernehmen würde. 1988 war das, seit 33 Jahren bildet Garske den Turn-Nachwuchs nun am Wermecker Grund aus – wenn auch mit anderen Schwerpunkten, hin zur Vielseitigkeit in den Jahnkämpfen. „Wir bilden ja keine Olympia-Teilnehmer aus“, sagt er, „aber es gibt so viele Sachen im Sport, die schön sind. Es lohnt sich allemal.“

Über die Mehrkämpfe sollte der Kontakt zum WTB und Dieter Meyer zu Stande gekommen. Als ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht wurden, fand Meyer Garske. Es war ein besonders glückliches Händchen, denn einen akribischeren Wettkampfleiter als den Mathematiker aus Lüdenscheid hätte Meyer wohl nicht finden können. Von der Ausschreibung über die Hallenabnahme, die Wettkampf- und Riegenplanung bis hin zur Oberaufsicht an den Wettkampftagen bei Landesturnfesten, Landeskinderturnfesten und Deutschen Turnfesten hat Garske die Dinge in seiner Hand. Unaufgeregt und routiniert. „Wir sind da ein wunderbar eingespieltes Team. Das macht einfach Spaß“, sagt er, „und man ist auch zeitlich nicht überlastet.“

Wettkampforganisator bei den Lüdenscheider Turn-Stadtmeisterschaften: Gerhard Garske im Gespräch mit Petra Rosenbach.

Als im heimischen Turngau dann vor drei, vier Jahren die Stelle des Gaukunstturnwartes vakant wurde, da fand der Turngau auch eine gute Lösung: Gerhard Garske. Seitdem plant der Grünewalder die Wettkampftermine, die Gauliga. „Das funktioniert auch deshalb so gut, weil wir so gute Vereine haben“, sagt der Lüdenscheider, „das einzige Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, sind die Kampfrichter. Das Werten ist hochkomplex, 100 Elemente, das ist anspruchsvoll, dafür lassen sich nicht viele begeistern. Die Regeln werden auch noch immer wieder geändert. Alle zwei Jahre. Der Fußball braucht Jahrzehnte, bis mal eine Regel verändert wird. Der Fußball ist da klüger als das Turnen…“

Im Moment sind die fehlenden Kampfrichter indes nicht das Hauptproblem. Im Moment hat die Pandemie die Turner ausgebremst. Geduld ist gefragt, auch bei einem wie Garske, der rechtzeitig den Re-Start planen muss. „Im letzten Jahr hat man alle 14 Tage neu gedacht, was gehen könnte, und dann ist doch alles abgesagt worden“, sagt Garske, „eine Schulung, mehr war nicht möglich.“

Serie: Die „guten Seelen“ im Sport

Der Spiel-, Turnier- und Wettkampfbetrieb pausiert. Damit er nach dem Lockdown wieder reibungslos anlaufen kann, machen sich die Spiel- und Wettkampfplaner in allen Sportarten aber auch jetzt viele Gedanken. Es sind diejenigen, die die Kärrnerarbeit des Sports verrichten – ehrenamtlich, engagiert, zuverlässig und kreativ. In einer Serie stellt die Lokalzeitung diese „guten Seelen“ des Sports vor. Im vierten Teil den Gaukunstturnwart des Lenne-Volme-Turngaus, Gerhard Garske vom TuS Grünewald Lüdenscheid. Die bisherige Serie in der Übersicht:
Teil 1: Detlev Dräger aus Valbert (Jugendfußball)
Teil 2: Roland Janson aus Altena (Handball)
Teil 3: Markus Born aus Halver (Tischtennis)
Teil 4: Gerhard Garske aus Lüdenscheid (Turnen)

Auch jetzt schaut er ständig, was gehen könnte. Den Landescup, der im Frühjahr im WTB immer unter seiner Regie stattfindet, hat er gedanklich abgehakt, auch wenn er für den Fall des Falles in den Startlöchern steht. Das Problem: Beim Landescup sollten sich die Aktiven für die Veranstaltung „Turnen 21“, die an Stelle des Deutschen Turnfestes für Mai in Leipzig geplant ist, qualifizieren können. „Westfalen hat zwei Teilnehmer pro Wettkampfklasse beim Deutschland-Cup“, sagt Garske, „wenn es keinen Landescup gibt, müssen die Bewerber ihre Unterlagen mit den Ergebnissen der letzten zwei Jahre bei uns einreichen – dann müssen wir entscheiden, wer fahren darf. Wenn es überhaupt stattfindet.“

Die Skepsis bleibt, was die nächsten Wochen angeht. Vernünftig ins Training zu finden, ist das erste Ziel. Aufzutrainieren. „Dass der Landespokal für die Mannschaften im Herbst in Rheda stattfinden kann, damit rechne ich schon“, sagt Garske. Aber vorher? Auch im Turngau ist noch kein einziger Termin festgelegt worden. Wofür auch? „Erst brauchen wir die Perspektiven, regelmäßig trainieren zu können“, sagt Garske, dem die Halle fehlt, natürlich, „ich glaube, dass die nächsten beiden Monate noch schwer kalkulierbar werden, aber ab Sommer mit den Impfungen wird vieles wieder normaler werden. Im Moment sollte noch alles mit Augenmaß geschehen.“

Fotografieren, lesen und reisen als weitere Interessen

Garske macht sich dabei durchaus Sorgen, dass nach der langen Wettkampfpause - praktisch ein Jahr - Aktive abwandern könnten. „Ein Jahr ist in der Pubertät eine lange Zeit“, sagt er, „man orientiert sich neu.“ Garske wird indes dabei bleiben. Natürlich. Er freut sich auf den Neustart nach der langen Pause.

Der 79-Jährige, der in seiner Freizeit auch gerne fotografiert und liest („Am liebsten Geschichtsbücher, die habe ich in der Schule nie verstanden…“), gehört zur Gruppe 2 bei den Impfungen, wird bald dran sein. Was ihm fehlt in Zeiten der Pandemie, das ist neben dem Sport das Reisen. Mit dem Wohnmobil oder auch auf dem Rad („Das ist die schönste Reisegeschwindigkeit…“). Und natürlich zum Skifahren.

„Am liebsten dreimal im Jahr“, sagt er und schmunzelt. Einmal hat es geklappt, und die komplette Familie war zum Skifahren beisammen. Die Töchter, Schwiegersöhne und Enkel leben weit verteilt in Trier, Rastede und Reading bei London. „Mit 14 Personen waren wir zum Skifahren“, erzählt Gerhard Garske und es klingt durch, wie viel Freude ihm das bereitet hat. Der nächste Winter, er kommt bestimmt, und mit ihm vielleicht wieder ein normaleres Leben ohne das Virus. Auf der Skipiste, und auch in der Turnhalle. Gerhard Garske freut sich drauf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare