Serie „Gute Seelen“

Georg Heimes: Nach 55 Jahren soll am Ende des Jahres Schluss sein

Portrait Georg Heimes
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Dauerbrenner: Georg Heimes.

Georg Heimes (TuS Stöcken-Dahlerbrück) war Fußballer, Schiedsrichter, Schiedsrichter-Obmann und schließlich Fußball-Obmann. Ein bewegtes Fußball-Leben...

Kreisgebiet – Fertig hat er zwar noch nicht, doch bereits jetzt ist sein Erfahrungsschatz im Amateurfußball immens: Ob als aktiver Kicker, Schiedsrichter oder Funktionär – auf mittlerweile 55 Jahre kann Georg Heimes zurückblicken.

Aktiver: Am 2. Oktober 1958 im Lennestädter Ortsteil Altenhundem geboren, nahm der kleine Georg seine fußballerischen Anfänge 1966 beim SSV Hofolpe. Und warum ausgerechnet Fußball?

„Es gab damals in unserem Dorf nichts anderes, also ging man in den nächstgelegenen Fußballverein. Ein mühseliger Hinweg zum Sportplatz rund einen Kilometer bergauf mit dem Fahrrad, dafür nach dem Training bergab – das passte schon.“

Georg Heimes: Nach 55 Jahren soll am Ende des Jahres Schluss sein

Dem Verein hielt er als Aktiver durchgehend die Treue bis 1987, „meine Position war immer hinten, zumeist als letzter Mann, wie es damals hieß. Nicht so laufintensiv, aber eine gute Übersicht war gefragt“, so Heimes augenzwickernd. Als C-Junior schaffte er gar den Sprung in die Kreisauwahl, erinnert sich noch gut an einen damaligen Lehrgang in Kaiserau. „Normalerweise wäre ich zu diesem Zeitpunkt mit meinen Eltern im Urlaub auf Norderney gewesen, aber ich wollte unbedingt zu diesem Lehrgang. So bin ich von Kaiserau allein mit dem Zug nach Welschen-Ennest zurückgefahren, wo meine Tante wohnte.“

Die große Karriere wurde es schließlich aber nicht, „obwohl ich eigentlich trainingsfleißig war“. Letztlich reichte es als Senior mit dem SSV bis zur Kreisliga A. Aber immerhin, und darauf ist Georg Heimes auch ein wenig stolz: „Ich habe nie eine Rote Karte gesehen, lediglich einmal eine Zehn-Minuten-Strafe erhalten.“

Schiedsrichter: Eine Zäsur folgte 1986 mit dem beruflich bedingten Umzug nach Schalksmühle. In diesem Jahre heiratete Heimes auch seine Freundin Ulrike, mit der er eine Tochter hat. Zwischenzeitlich hatte Heimes 1985 im zarten Alter von 16 Jahren schon seinen Schiedsrichterschein erworben, und die Tätigkeit als Referee sollte sich zu einer großen Leidenschaft entwickeln.

„Damals fing man als Jungschiri nicht mit Nachwuchsspielen an, sondern wurde direkt ins kalte Wasser bei den Senioren geschmissen. Ich weiß noch, dass ich mit einem Spiel in der 3. Kreisklasse angefangen habe.“

Marzipan in Aachen, Schnaps in Ostwestfalen

Und im Gegensatz zur aktiven Karriere ging es bei der Schiedsrichterei steil nach oben. Von 1985 bis 2003 pfiff Heimes, der nach seiner SSV-Zeit seit 1987 als Referee beim TuS Stöcken-Dahlerbrück gemeldet ist, Spiele bis zur Westfalenliga, von 1994 bis 1999 fungierte er zudem als Linienrichter in der damaligen Regionalliga West/Südwest.
„Das war schon eine sehr anstrengende und zeitaufwändige Phase“, denkt er dennoch gerne an Einsätze in unter anderem Elversberg, Kaiserslautern, Trier und Saarbrücken zurück.

Sein Ding war es nicht, regelmäßig Spiele zu archivieren oder Zeitungsausschnitte zu sammeln, aber natürlich gibt es besondere Erinnerungen. „Allein drei Jahre nacheinander war ich an Ostermontag am Aachener Tivoli im Einsatz. Dort gab es nach dem Spiel – unabhängig von unserer Leistung – auch immer Marzipan als Geschenk für uns, in Ostwestfalen – ich weiß aber nicht mehr genau wo – auch Schnaps.“

Als Höhepunkt bezeichnet Heimes ein DFB-Pokalspiel 1992, bei dem er als Linienrichter im Einsatz war. Vor 17 000 Zuschauern im Siegener Leimbachstadion unterlagen die SF Siegen dem Bundesligisten VfB Stuttgart, für den der 90er-Weltmeister Guido Buchwald als Kapitän auflief, mit 0:6. Auch wenn er es zeitlich nicht mehr einordnen kann, ist ihm auch noch ein Verbandsliga-Match mit Beteiligung des SV Langendreer in „bester Erinnerung“: „Ich habe damals vier Rote Karten gezückt, allesamt gegen Langendreer.“

Und auch an die Aufwandsentschädigungen, die es zu dieser Zeit neben dem Spritgeld gab, erinnert er sich noch gut: „150 Mark als Assistent in der Regionalliga, 24 Mark als Schiri in der Verbandsliga.“ Bis 2003 pfiff der Schalksmühler Partien bis zur Verbandsliga, dann aber war mit dem überkreislichen Einsätzen Schluss. „Ich habe schon die Jahre davor immer wieder Probleme mit den Knie gehabt, auch eine Meniskus-Operation hat dann nicht den gewünschten Erfolg gebracht“, so Heimes, der fortan nur noch auf Kreisebene pfiff.

Ganz zuletzt ein Spielabbruch im Jugendspiel

Ob es an seinem resoluten Auftreten oder auch unverwechselbar lauter Stimme lag – „Skandalspiele“ mit Beteiligung von Heimes gab es nie. „Natürlich ist man mal beleidigt worden, aber körperlich attackiert wurde ich nie, musste auch kein Spiel wegen einer Schlägerei, Zuschauerausschreitungen oder Ähnlichem abbrechen.“
Im März 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, pfiff Heimes dann aber doch ein Spiel, das abgebrochen werden musste. „Es war nach gesundheitlich bedingt langer Pause mein erster Einsatz, für den ich mir extra neue Fußballschuhe gekauft hatte. Dann musste ich ein B-Jugend-Spiel zwischen dem SC Lüdenscheid und LTV 61 vorzeitig beenden, weil der LTV verletzungsbedingt nicht mehr genügend Spieler hatte“, kam Heimes doch noch zum ersten Abbruchspiel seiner Schiedsrichter-Karriere.

Kreis-Schiedsrichter-Obmann: Neben der Schiedsrichterei kam für Georg Heimes 2004 erstmals eine Funktionärstätigkeit dazu: Er wurde zum Kreis-Schiedrichter-Obmann (KSO) – heute Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Aussschusses – gewählt.

„Der damalige Lehrwart Horst Metag hat mich angesprochen, ob ich mir das vorstellen könnte. Es waren unruhige Zeiten, Amtsinhaber Detlef Schiweck stand in der Kritik, weil gleich mehrere Referees aus unserem Kreis ihre Prüfungen nicht bestanden hatten. So kam es schließlich zu einer Kampfabstimmung zwischen Detlef und mir, dadamals wählten noch die Schiris im Rahmen eines Schiedsrichter-Tages. 100 von 120 Schiedsrichtern waren da, zehn haben sich enthalten, Detlef erhielt 30 und ich 60 Stimmen“, erinnert sich Heimes noch genau.

In der Zeit als KSO stand das Telefon nicht still

Bis 2018 blieb er im Amt, zog dann aus gesundheitlichen Gründen die Notbremse. „Es ist mit sehr, sehr schwer gefallen, aber ich musste mich damals entscheiden, ob ich als KSA- oder KFA-Vorsitzender weitermache. Die Tätigkeit als KSA war für mich zwar die schönere, aber auch wesentlich zeitintensiver. Jeden Tag in der Woche stand das Telefon nicht still, mal Schiedsrichter, mal Vereinsvertreter. Ich weiß nicht, wie oft ich am Sonntag angefangen habe, den Tatort zu schauen, aber nur selten bis zum Ende. Irgendwas ist am Samstag oder im Verlauf des Sonntags immer auf den Sportplätzen passiert, sodass Leute Redebedarf hatten.“

Krei-Fußball-Obmann: 2010 kam auf Betreiben des damaligen Kreisvorsitzenden Peter Wolf der Job als Kreis-Fußball-Obmann (KFO) – heute Vorsitzender des Kreis-Fußball-Ausschusses – dazu. „Zu der Zeit war es so, dass ein KSO nicht dem Kreisvorstand angehörte, als KFO aber sehr wohl. Und das hatte natürlich seinen Reiz“, so Heimes. Bis heute ist er im Amt, die Arbeit, so gibt er unumwunden zu, ist überschaubar: „Vereinfacht ausgedrückt, erledigen die Staffelleiter den Großteil.“

Ausblick: Unabhängig von der Entwicklung in Sachen Corona-Pandemie plant der 62-Jährige, verbeamtet bei der Deutschen Bundesbahn, im Oktober nächsten Jahres in den beruflichen Ruhestand zu gehen. „Meine Frau hat lange genug zurückgesteckt und Rücksicht auf mich genommen, dazu möchte ich meiner Lieblingsinsel Norderney auch wieder öfter Besuche abstatten.“

Schwerer tut er sich mit dem Abschied von seiner Funktionärstätigkeit. „Ich möchte auf jeden Fall noch als Schiedsrichter weitermachen und mich um Jungschiedsrichter kümmern. Aktuell ist der Plan, dass ich 2022 hingegen als KFA-Vorsitzender aufhöre.“ Doch wer genau hinhört, kommt zu dem Schluss, dass darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Und selbst wenn es so kommen sollte, aus der Welt wird Georg Heimes sicherlich nicht sein. Ob auf dem Kuhlenhagen bei Heimspielen seines TSD oder anderen Spielen im Kreisgebiet, egal in welcher Altersklasse oder Spielklasse – als Zaungast wird der Schalksmühler wie bisher auf den heimischen Sportplätzen zu finden sein. Wenn es denn wieder geht.

Einen Blick zurück verbietet er sich hingegen noch fast gänzlich. „Ich bin keiner von denen, die sagen, dass früher alles besser war. Fakt aber ist, dass der Respekt, ob bei Zuschauern, Spielern unterein-ander oder gegenüber dem Schiedsrichter, nicht mehr so vorhanden ist, wie es nötig wäre. Und diesbezüglich können sich die Fußballer meiner Meinung nach zum Beispiel eine Menge beim Handball abschauen.“

Serie „Gute Seelen“

Der Spiel-, Turnier- und Wettkampfbetrieb pausiert. Damit er nach dem Lockdown wieder reibungslos anlaufen kann, machen sich die Spiel- und Wettkampfplaner in allen Sportarten aber auch jetzt viele Gedanken. Es sind diejenigen, die die Kärrnerarbeit des Sports verrichten – ehrenamtlich, engagiert, zuverlässig und kreativ. In einer Serie stellt die Lokalzeitung diese „guten Seelen“ des Sports vor. Im fünften Teil den Vorsitzenden des Kreis-Fußball-Ausschusses, Georg Heimes vom TuS Stöcken-Dahlerbrück.
– Die bisherige Serie in der Übersicht:
Teil 1: Detlev Dräger aus Valbert (Jugendfußball)
Teil 2: Roland Janson aus Altena (Handball)
Teil 3: Markus Born aus Halver (Tischtennis)
Teil 4: Gerhard Garske aus Lüdenscheid (Turnen)
Teil 5: Georg Heimes aus Schalksmühle (Fußball)

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