Vereinsleben

Geisterspieltickets und Co.: So helfen sich die Sportvereine

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So wünscht es sich jeder Verein: Eine volle Tribüne, wie hier vor knapp drei Jahren im Lennestadion beim Spiel der Alten Herren des TuS Plettenberg gegen die Traditionself des FC Schalke 04. Die Einnahmen aus Ticket- und sonstigen Verkäufen fehlen aber zurzeit in den Kassen.

Kreisgebiet - Corona macht auch vor dem Fußball nicht halt und die Liga spielt dabei keine Rolle.

Egal, ob Bundesliga oder Kreisliga: Vom größten bis zum kleinsten Verein sind alle betroffen. Covid-19 heißt der neue Gegner auf dem Spielfeld. Schon vor dem offiziellen und deutschlandweiten Kontaktverbot gab die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Unterbrechung der Bundesliga bekannt, denn auch unter den Spielern häuften sich Infizierungen und damit einhergehende Quarantänen ganzer Clubs. 

Was zunächst mit Spielen ohne Fans und damit verbundenen leeren Tribünen anfing, endete in der Einstellung jeglichen Spielbetriebes. Von Menschentrauben gefüllte Tribünen und Reihen – das ist in einer von Covid-19 regierten Welt absolut nicht denkbar. Der Fußball liegt sich platt, die Spieler bleiben zuhause – 1:0 für das Corona-Virus. Ein extrem befremdlicher, aber lebensrettender Verhaltenskodex, der sein muss – da sind sich alle einig. Und so herrscht nicht nur in den Stadien statt inbrünstiger Hymnen und Parolen gähnende Stille, sondern auch auf den Vereinskonten eine bedrückende Leere. 

Ein leer gefegtes Spielfeld bedeutet ausbleibende Einnahmen und das ist angesichts laufender Kosten eine Herausforderung sondergleichen – gerade auch für einen Kreisligisten wie Türkiyemspor Plettenberg. Der Sportliche Leiter Murat Akca bringt es auf den Punkt: „Das ist nie dagewesen. Das ganze Vereinsleben ist zum Erliegen gekommen.” Die aktuelle Situation erfordert nicht nur ein Umdenken hinsichtlich vorübergehender Umstrukturierungen und entsprechender Maßnahmen für Einsparungen, sondern vor allem die Hilfe von außen. Akca macht klar, was das Corona-Virus auch für Türkiyemspor Plettenberg bedeutet: „Der Ausfall von Spielen verursacht auch in unserer Kasse ein großes Loch.“ Um das Loch auffangen zu können, verkauft der Club nun im Internet Eintrittskarten für Geisterspiele und virtuelle Verpflegung. 

Kostenloses Anmelden und direktes Mitmachen – das gibt in Zeiten von Corona einen Lichtblick und beeindruckt auch Murat Akca: „Ich bin begeistert von so viel Engagement und Zusammenhalt. Die Seite ist in der jetzigen Krisensituation eine wahre Heldentat!” 

Wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf, ist unklar. Es wird sicherlich eine Zeit nach dem Virus geben, aber bis sich alles wieder normalisiert hat, wird noch eine Weile ins Land ziehen. Das weiß auch Türkiyemspor Plettenberg und bittet daher um tatkräftige Unterstützung durch den Kauf von virtuellen Tickets. 

Weitere heimische Fußball-Vereine sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen und bieten Geisterspieltickets an. Die FSV Werdohl ist ebenso dabei wie der TuS Langenholthausen, Rot-Weiß Lüdenscheid, der TuS Plettenberg, der SV Affeln, SuS Beckum und Rot-Weiß Mellen. 

Auch die Handballer der SGSH Dragons bitten um Spenden – allerdings bestellt man das virtuelle Bier oder die Frikadelle mit Prosecco hier über den eigenen dragonsshop.

Information:

Seinen Verein findet man auf geisterspieltickets.de unter dem Menüpunkt „Alle Teilnehmer“. Diese sind nach der ersten Ziffer der Postleitzahl sortiert, die heimischen Clubs also unter der 5.

Von der Schnuckeltüte bis zum Mettbrötchen: Das gibt‘s bei den Clubs

Das virtuelle Angebot ist bei den Fußballvereinen vielfältig und abwechslungsreich. So bietet die FSV Werdohl ein All Inclusive-Ticket mit Eintrittskarte, Bier, Würstchen und einer Kiste Pils für die Mannschaft für 25 Euro an. 

Das Corona-Kombiticket des TuS Plettenberg ist dagegen schon für einen Zehner zu haben: Enthalten sind der Eintritt, eine Bratwurst, ein Bier und – ganz wichtig – drei Punkte. 

Bei Türkiyemspor Plettenberg gibt es kein Bier, stattdessen Limonade oder Cay, den türkischen Tee. Die Wurst wird ersetzt durch ein Sucuk-Brötchen. Im Hilfspaket für zehn Euro ist überdies die VIP-Teilnahme an der Pressekonferenz nach dem Spiel enthalten. 

Auch die Biersorten variieren: So kann man beim SV Affeln die Hopfen-Kaltschale aus dem nicht allzu fernen Grevenstein für die Stummel-Kicker im klassischen Modell „Maurervase“ erwerben. 

Rot-Weiß Lüdenscheid schenkt virtuell hingegen in der Sportlerkombi mit Ticket und Wurst „das einzig Wahre“ aus Warstein aus. 

Bei SuS Beckum ist der zum anstehenden 100-jährigen Jubiläum destillierte „Hinsel-Tropfen“ im Angebot, sowohl in der Geschmacksrichtung Lakritz als auch als Sahnelikör. 

Interessant auch, was der VfR Lasbeck-Stenglingsen aus dem Nordkreis so feilbietet: polnisches Bier, Whisky Cola und eine Schnuckeltüte für 30 Cent mit Schnullern und Colafläschchen. Das Bier aus Polen im roten Kasten gibt es kurioserweise auch bei SuS Grevenstein – was ist da bloß schief gelaufen? Mag man dort das eigene Pils etwa nicht? 

Sonderbar auch, dass es beim TuS Langenholthausen kein süßes Gebäck aus einer ortsansässigen Bäckerei gibt. Zumindest die Stadionwurst dürfte aber in einem virtuellen „Grötchen“ gelagert sein. 

Anhänger des TuS Sundern können ihrem Verein stattdessen eine virtuelle Waffel für 50 Cent spendieren. 

Wie einige andere Vereine auch offeriert der FC Iserlohn übrigens jenes mexikanische Bier, das den gleichen Namen wie das Virus trägt. 

Nachbar Borussia Dröschede hat neben Kratzeis für die Kleinen auch „Angelikas Frikadelle“ im Angebot, offenbar ein Klassiker auf der Emst. 

Die Darter des TuS Iserlohn überraschen hingegen akustisch: mit einem Dartgeräusch per WhatsApp für vier Euro. 

Gastronomisch top aufgestellt ist der SC Berchum/Garenfeld, großer Aufstiegskonkurrent vorn RW Lüdenscheid in der Bezirksliga 6: Currywurst-Pommes-Majo und Hähnchen-Nuggets lassen für den virtuellen Sportplatzbesucher kaum Wünsche offen. Beim Hasper SV gibt es neben der Wurst auch den Stadionburger. 

Erst bei den Handballern der TG Rote Erde Schwelm wird indes der Fan des Mettbrötchens fündig: Virtuell mit reichlich Zwiebeln belegt ist es für 1,50 Euro zu haben.

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