Südwestfalens Fußball trauert

„Mollo“ Schumacher vom Krebs besiegt

Verstorben: Werner Schumacher.

LÜDENSCHEID - Südwestfalens Fußball trauert um einen seiner ganz großen Trainer: Am Dienstag verlor der 77-jährige Fußballlehrer Werner „Mollo“ Schumacher im Hospiz in Attendorn nach schwerer Krebserkrankung seinen letzten Kampf.

Schumacher war zu Glanzzeiten Trainer des heimischen Fußball-Zweitligisten Rot-Weiß Lüdenscheid in der Spielzeit 1979/80, saß aber auch beim VfB Altena (Verbandsliga-Aufstieg 1974) und der FSV Werdohl (von 1981 – 1985, inklusive Verbandsliga-Aufstiegs) oder beim Südwestfalen-Spitzenklub Sportfreunde Siegen auf der Bank.

Die meiste Zeit seiner mehr als 40-jährigen Trainerlaufbahn coachte der Gymnasiallehrer aus Olpe freilich Klubs aus „seinem“ Kreis wie den SV Ottfingen –insgesamt 13 Jahre – und dessen Gemeindenachbarn FSV Gerlingen und VSV Wenden. Und dort endete auf dem Sportplatz Schönau im März 2008 auch seine Trainerkarriere im Alter von 72 Jahren. Ausgerechnet nach der 2:4-Niederlage im Landesliga-Duell mit Rot-Weiß Lüdenscheid. Jenen Klub, mit dem „Mollo“, der mit TuRa Altenhundem als aktiver Fußballer erster Nachkriegs-Kreismeister in Olpe geworden war, den größten sportlichen Erfolg gefeiert hatte. „Mollo“ nämlich war in die Bergstadt gekommen, als Rot-Weiß sportlich 1979 aus der Zweiten Bundesliga Nord abgestiegen war. Erst als Armina Hannover freiwillig die Lizenz zurückgab, beim potenziellen Nachrücker Westfalia Herne Großsponsor Goldbach („Goldin-Tankstellen“) Konkurs anmelden musste, bekam RWL die zweite Chance, die es mit Schumacher auf der Bank zum überraschenden Ligaverbleib nutzte. Schon zuvor hatte er als Coach den VfL Klafeld-Geisweid 1971/72 in die Regionalliga West geführt.

Kritischer Blick auf die neue Generation

Beim Abschied von seiner Trainerkarriere hatte der im besten Sinn knorrige, mitunter mürrisch wirkende, vor allem aber warmherzige und hintergründig sehr humorvolle Westfale mit der „neuen“ Generation von Fußballern, bei der er vermehrt finanzielle Ansprüche denn sportliche Leistungsbereitschaft konstatierte, gründlich abgeschlossen: „Ich bin jetzt ein freier Mann und werde es auch bleiben.“ Sprach’s und widmete sich verstärkt seinem zweiten Hobby, dem Wandern, bei dem er seinen Begleitern – wie stets in seinem Leben – hohe sportliche Leistungen abverlangte.

Auf den heimischen Fußballplätzen ließ sich Werner Schumacher nur noch selten blicken. Zuletzt war er „vor der Haustür“ am 7. Oktober beim Gastspiel seines Ex-Klubs Rot-Weiß auf dem Gerlinger Bieberg zu Gast und schüttelte ob der dargebotenen Fußball-„Kunst“ den Kopf: „Was du dir heute angucken musst, das tut mir leid für dich.“ Nur wenige Wochen später erhielt „Mollo“ den gesundheitlichen Tiefschlag, als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Es begann der letzte lange Kampf Werner Schumachers, den er, der große Kämpfer, freilich nicht mehr gewinnen konnte.

Jörg Hellwig

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