Fußball-Kreisspruchkammer

Ein Spiel mit zwei Verlierern

KSK-Vorsitzender Heiko Kölz wertete das Spiel zwischen dem TuS Linscheid/Heedfeld und Türkiyemspor Plettenberg II  für beide Mannschaften als verloren.

Lüdenscheid - Das am 6. Dezember von Schiedsrichter Joannis Simeonidis vorzeitig beendete D-Liga-Meisterschaftsspiel zwischen dem TuS Linscheid/Heedfeld und Türkiyemspor Plettenberg II kommt die beiden Vereine teuer zu stehen: sportlich, finanziell und auch personell.

Denn nach zweiter Verhandlungsrunde fällte die Kreisspruchkammer (KSK) unter Vorsitz von Heiko Kölz am Montagabend folgendes Urteil: Die Partie wird für beide Teams verloren gewertet, wegen verschuldeten Spielabbruchs müssen beide Vereine jeweils 250 Euro berappen, ein 27-jähriger TuS-Akteur wird wegen tätlichen Angriffs auf einen Gegenspieler unter Anrechnung seiner bisherigen Sperre (vier Wochen) noch bis zum 11. Juli diesen Jahres „auf Eis gelegt“, dazu ein 24-jähriger TSP-Spieler wegen grob unsportlichen Verhaltens für sechs Wochen.

Freispruch für Spieler und Linienrichter

Freigesprochen mangels Beweisen wurden hingegen ein weiterer Plettenberger Spieler und Linienrichter, die des tätlichen Angriffs auf den Schiri bzw. unsportlichen Verhaltens verdächtigt worden waren. Sportlich schien die Begegnung an jenem Sonntag früh entschieden zu sein, führten die Gastgeber kurz nach der Pause doch bereits mit 4:1. Ab Minute 55 wurde es am Kuhlenhagen jedoch unsportlich. Zwei Spieler gerieten anein-ander, standen sich Kopf an Kopf gegenüber. Der Plettenberg fasste seinem Gegenspieler dann ins Gesicht, der Linscheider revanchierte sich mit einem Schlag in dessen Gesicht.

Diese Delikte waren für die KSK nach zwei Verhandlungsrunden unstrittig, dementsprechend sprachen sie anfangs genannte Strafen aus. Doch dabei war es am 6. Dezember nicht geblieben. Der Referee wurde anschließend von hinten zu Boden gestoßen, es wurde nach diversen Aussagen geschlagen und getreten, der Kammer Atteste präsentiert, nach denen ein ein Plettenberger eine Schläfenprellung und ein Linscheider eine dicke Beule am Kopf sowie eine leichte Gehirnerschütterung erlitten hatten. Allerdings: Wer dafür verantwortlich war, blieb im Dunkeln, zu individualisieren waren keine weiteren Täter. Es gab zwar Rudelbildungen und Tumulte, was Simeonidis schließlich dazu bewog, das Spiel abzubrechen.

Sünder nicht wiedererkannt

Auch der Aussage des Schiris laut Sonderbericht, dass ihn die Nummer 10 von Türkiyemspor (Kapitän) zu Boden gestoßen habe, schenkte die Kammer letztlich keinen Glauben, erkannte Simeonidis den vermeintlichen „Sünder“ beim ersten Verhandlungstermin doch nicht wieder. Und dann war da noch jenes vertonte Handyvideo aus der Schirikabine, das Türkiyemspor beim ersten Termin am 21. März der Kammer urplötzlich präsentiert hatte. Drei Wochen hatte die KSK Zeit, das rund 30-minütige Material zu sichten und anzuhören, Passagen daraus ließ Kölz vorgestern abspielen. Danach saßen der Schiri, der Plettenberger Kapitän und Linscheids Spielertrainer zusammen, diskutierten „in lockerer Atmosphäre“, was denn so in den Spielbericht einzutragen sei. Deutlich vernehmbar sprach Simeonidis vom großem Chaos, Rudelbildung und Tumulten, kam zu dem Schluss, dass beide Seiten für den Spielabbruch verantwortlich seien. Widerspruch erntete er von den beiden Spielern nicht, und so ergaben sich die ersten beide Punkte des Kammer-Urteils nahezu zwangsläufig. Pikanterie am Rande: Beide Mannschaften, die sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg in die C-Liga machen dürfen, sehen sich am vorletzten Spieltag am 26. Mai in Plettenberg beim Rückspiel wieder.

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