Fußballkreis Lüdenscheid

Spiele im Juni oder länger? Saisonabbruch? Alles ist denkbar für Scharf und Heimes

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Klaus Scharf: "Ich bin mir sicher, dass das nicht mehr lange dauern wird. In welche Richtung es dann gehen wird, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt aber absolut nicht zu sagen."

Kreisgebiet - Die Corona-Krise stellt auch den Fußball in der Region vor einer noch nicht gekannte Situation. Geht die Saison weiter? Wird sie abgebrochen? Welche Szenarien sind möglich. Sportredakteur Marc Kusche sprach mit Klaus Scharf und Georg Heimes darüber, wie es weitergehen könnte.

Am 13. März hatte das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) entschieden, den Spielbetrieb bis einschließlich zum Ende der Osterferien (19. April) einzustellen. Dies betrifft die in der Zuständigkeit des FLVW liegenden Begegnungen der Männer-, Frauen- und Jugend-Spielklassen inklusive aller Futsal-Ligen (Kreisligen bis Oberliga Westfalen) sowie Aktivitäten der Jugend-Talentsichtung und -förderung. 

Wie und ob der Ligabetrieb danach fortgesetzt werden kann, ist noch völlig offen. „Eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt wäre absolut unseriös“, sagt Manfred Schnieders. Bei dem für den Amateurfußball zuständigen Vizepräsidenten steht das Telefon seit der verordneten Fußballpause kaum still. Nachrichten und E-Mails häufen sich in den Postfächern der Verbandsfunktionäre. 

„Wir alle können absolut nachvollziehen, dass Vereine, Fans und Medien wissen wollen, wie mögliche Szenarien aussehen könnten. Was ich sagen kann: Wir denken in alle Richtungen. Was wir nicht sagen können, ist, wie sich die Coronavirus-Situation weiter entwickelt“, kann und will auch Reinhold Spohn, Vorsitzender des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA), keine Wasserstandsmeldungen abgeben. In der Warteschleife stehen dementsprechend auch die Funktionäre auf Kreisebene, Marc Kusche sprach mit Klaus Scharf, Vorsitzender des Fußballkreises Lüdenscheid, sowie Georg Heimes, dem Vorsitzenden des hiesigen Kreisfußball-Ausschusses, über den Herrenbereich. 

Zwölf Tage sind jetzt seit der Präsidiumsentscheidung vergangen, haben Sie seitdem irgendwas vom Verband gehört? 

Scharf: Ich haben drei Empfehlungen per Mail bekommen, allesamt mit einem finanziellen Hintergrund. Zum einen können sich Vereine, die vor Liquiditätsproblemen stehen, direkt an den Verband wenden. Dann sollen noch aufgelaufene Ordnungsgelder nach Ermessen behandelt werden. Für mich heißt das für unseren Kreis, dass die Frist, das Ordnungsgeld zu begleichen, verlängert wird. Da können sich Vereine direkt an uns wenden. Der dritte Aspekt ist das Schiedsrichtersoll für das 1. Quartal 2020, was nach Bedarf ausgesetzt werden soll. Ich plädiere diesbezüglich dafür, dass Vereine, die das Soll nicht erfüllen, das Ordnungsgeld erst entrichten müssen, wenn der Ball wieder rollen sollte. 

Gehen Sie davon aus, dass es bereits weit vor dem 19. April eine neue Entscheidung bezüglich des Spielbetriebs von Verbandsseite geben wird? 

Scharf: Ich bin mir sicher, dass das nicht mehr lange dauern wird. In welche Richtung es dann gehen wird, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt aber absolut nicht zu sagen. 

Heimes: Die können und werden das nicht bis zum 19. April aussitzen. Denn mit Sicherheit fällt ja auch schon vorher eine Entscheidung für den Spielbetrieb oberhalb der Oberliga, woran sich der Verband dann orientiert. Ich denke, spätestens in der ersten Aprilwoche gibt es etwas Neues. Da lassen wir uns mal überraschen. 

Welche Szenarien sind für Sie denkbar, welche nicht? 

Scharf: Denkbar ist für mich eine Saisonverlängerung – wie lang auch immer. Der ursprüngliche Termin 24. Mai als gemeinsamer Abschluss von Oberliga bis runter zu den Bezirksligen wird nicht zu halten sein. Ein sofortiger Abbruch ist ebenfalls vorstellbar. Undenkbar wäre für mich aber der Fall, dass es dann keine Auf- und Absteiger geben würde, und eine Saison 2021/2022 dann mit der gleichen Besetzung der Spielklassen beginnen würde. Ich denke eher, dass der Verband bei einem Abbruch dazu tendieren wird, an der getroffenen Auf- und Abstiegsregelung festzuhalten, was allerdings böses Blut geben könnte. Denn zum Beispiel ein TuS Plettenberg in der Bezirksliga 5 hat bei noch neun ausstehenden Spielen nur vier Punkte Rückstand auf einen Nichtanstiegsplatz, was realistisch betrachtet ja noch aufzuholen wäre. Eine Wildcard-Regelung wie im Basketball, wo derartige Härtefälle in Sachen Auf- oder Abstieg am ‘grünen Tisch’ quasi noch eine Chance bekommen, halte ich beim FLVW aber für undenkbar. 

Heimes: Möglich ist auf jeden eine Saisonverlängerung. Warum soll bei den Amateuren nicht noch im Juni gespielt werden können oder eventuell gar noch länger, wenn entsprechende Grundlagen, auch rechtlicher Natur, geschaffen werden. Eine Sommerpause muss auch nicht unbedingt zweieinhalb Monate dauern, ehe es wieder losgeht. Ein sofortiger Abbruch mit den aktuellen Tabellen als Abschlusstabellen ist natürlich ebenfalls eine Option. Man sollte dann auf jeden Fall dazu kommen, die Erstplatzierten aufsteigen zu lassen, und das sage ich nicht deshalb, weil wir im Kreis Lüdenscheid mit dem RSV Meinerzhagen in der Oberliga und Rot-Weiß Lüdenscheid in der Bezirksliga 6 zwei Tabellenführer stellen. In Sachen Abstieg gibt es sicherlich einige Konstellationen, die Wildcard-Regelung im Basketball, die dort für Härtefälle bei Auf- und Abstieg getroffen worden ist, wäre ebenfalls eine denkbare Option. Keine Alternative, und da schließe ich mich Klaus Scharf an, wäre es, eine neue Saison mit der gleichen Besetzung wie die aktuelle zu beginnen. 

Abschließend: Wenn Sie etwas zu sagen hätten, käme es zu welcher Entscheidung? 

Scharf: Ich wäre für eine Saisonfortsetzung, die natürlich mit einer Saisonverlängerung verbunden sein muss – egal wie lang. Denn es gibt Oberligisten, die noch bis zu 16 Spiele zu bestreiten haben, in Klassen darunter haben Mannschaften nur noch eine einstellige Anzahl von Begegungen vor der Brust. 

Heimes: Ich würde für einen sofortigen Saisonabbruch plädieren. Die Tabellenführer beziehungsweise aufstiegsberechtigten Mannschaften sollen dann aufsteigen, Absteiger gäbe es nicht. Dieses Modell würde ich auch für den Kreis Lüdenscheid favorisieren, was auch den in meinen Augen schönen Nebeneffekt hätte, dass unsere ausgedünnten Kreisligen wieder aufgestockt würden. Nur als Beispiel: Gäbe es keinen heimischen Bezirksliga-Absteiger, würden laut unsere Auf- und Abstiegsregelung gleich die ersten Drei aus der B-Liga in die Kreisliga A aufsteigen und wir hätten in der neuen Saison immerhin wieder 15 Mannschaften im Kreisliga-Oberhaus. 

Klaus Scharf und Georg Heimes, herzlichen Dank für das Gespräch.

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