Fussball: Kreissportgericht

Auf geht’s in die vierte Runde

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„Ich glaube, dass sich der Vorstand mit so einem Verhalten keinen Gefallen tut. Das ist nicht mehr lustig, das ist schräg, ganz schräg“, kommentierte Sportrichter Heiko Kölz das Verhalten des SSV-Vorstandes.

Lüdenscheid - Drei Verhandlungen und noch kein Ende: Der Spielabbruch des Meisterschaftsspiels der Kreisliga D vom 21. Mai zwischen den beiden Dickenberg-Platzrivalen TuRa Eggenscheid II und Schlesischer SV Lüdenscheid II wird auch noch einen vierten Termin vor dem Kreissportgericht (KSG)nach sich ziehen.

Das KSG des Kreises Lüdenscheid unter Vorsitz von Sportrichter Heiko Kölz trennte am Montag nach einer guten Stunde Verhandlung im Festzentrum an der Hohen Steinert das Verfahren gegen den Schlesischen SV ab. Was war geschehen? 

Bei den Verhandlungsterminen vor den Sommerferien und am 6. November war zweifelsfrei ermittelt worden, dass der Abbruch auf eine tätliche Auseinandersetzung eines Eggenscheider Kickers und eines SSV-Zuschauers, der sich lange an der SSV-Bank aufgehalten hatte, verschuldet worden war. 

Der SSV-Vorstand hatte in der ersten Verhandlung vorgegeben, den SSV-Zuschauer (vom Schiedsrichter als „Co-Trainer“ ausgemacht) nicht zu kennen. Doch dann war die Person, die wie sein Bruder für die Schlesier am Ball gewesen war, ermittelt worden und hatte im November dem KSG sogar eine E-Mail vorgelegt vom 28. Mai. Mit dieser E-Mail hatte der SSV-Vorstand dem Kicker „wegen der Vorkommnisse vom 21. Mai“ fristlos die Mitgliedschaft gekündigt. 

Die Geschichte spricht dafür, dass Heiko Kölz und das Sportgericht sich nicht zu Unrecht von der SSV-Führung an der Nase herumgeführt gefühlt hatte. Das KSG bestellte so für Montagabend den kompletten SSV-Vorstand ein. Doch es kam nur Sebastian Potempa. Potempa ist erst seit dem 1. November Beisitzer im SSV-Vorstand. 

Er berichtete, dass ihn der Vorsitzende Christof Brachman um 15 Uhr gebeten habe, den Termin unbedingt wahrzunehmen. Potempa war direkt von der Arbeit im Blaumann erschienen. Und der Rest des Vorstandes? Brachman und der 2. Vorsitzende Christoph Bless beruflich verhindert, Geschäftsführer Waldemar Milischewski krank (mit vorgelegter Krankmeldung), Kassierer Sebastian Kerner beruflich im Ausland. Und Potempa wusste nichts zur Aufklärung beizutragen. 

Klaus Scharf, der den Fußballkreis vertrat, sollte ihn später ein „Bauernopfer“ nennen. Heiko Kölz berichtete zwar vom SSV-Wunsch, den Verhandlungstermin zu verlegen, hatte unterm Strich aber überhaupt kein Verständnis für das Verhalten der Schlesier. 

„In der Mail von Freitag schreibt mir Herr Brachman, dass er nicht weiß, für welche Verstöße sein Verein geladen worden ist. Statt in Sack und Asche zu gehen, fragt er so etwas“, erklärte Kölz und schüttelte den Kopf, „ich glaube, dass sich der Vorstand mit so einem Verhalten keinen Gefallen tut. Das ist nicht mehr lustig, das ist schräg, ganz schräg.“

Mit Hartnäckigkeit des KSG muss der SSV weiter rechnen. „Wir haben nun dreimal getagt, wir tagen aber auch gerne vier- oder fünfmal“, sagte Kölz, „wir haben es mit gutem Willen versucht, wir können es aber auch auf die förmliche Tour machen.“ Im Klartext heißt dies: Von allen Vorstandsmitgliedern des SSV werden nun schriftliche Stellungnahmen verlangt. 

Außerdem müssen sie eine Liste mit möglichen Terminen für eine Verhandlung vorlegen. Knackpunkt wird sein, wer die E-Mail an den gekündigten SSV-Kicker geschrieben hat und mithin sein Wissen um den Täter der Kammer verschwiegen hat. Es ist noch nicht vorbei. 

Abgeschlossen ist das Verfahren gegen TuRa Eggenscheid. Zwar wusste der Verein den damals in der Aktive verantwortlichen Trainer der Reserve nicht beizubringen (Vereinsvertreter Kara: „Er hat mir gesagt, dass er auf so was hier keinen Bock hat...“). Kara, der selbst nicht zugegen gewesen war, räumte aber ein, dass der Spieler (Kara: „Sein Spitzname ist Cem, der volle Name ist mir unbekannt…“) auf falschem Pass gespielt hatte.

So verurteilte das KSG TuRa wegen unsportlichen Verhaltens zu einer Geldstrafe von 100 Euro sowie zur Übernahme der anteiligen Verfahrenskosten. Das Schlusswort zum Fall sprach ausnahmsweise mal nicht der Sportrichter, sondern Kara selbst: „Man hat Vertrauen zu einem Trainer, ist ja froh, dass man jemanden gefunden hat, der bereit ist, eine Mannschaft in der D-Liga zu trainieren. Manchmal wird dieses Vertrauen missbraucht…“

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