KSK verhängt Höchststrafe

Spruchkammer sperrt 22-jährigen Türkiyemspor-Kicker lebenslänglich

Türkiyemspor-Trainer Vahap Yildirim muss ab sofort auf einen Spieler seines bisherigen Kaders verzichten.

Lüdenscheid - Es war ein langer Montagabend in der Gaststätte Friedrichshof, der gegen 23.35 Uhr damit endete, dass die Kreisspruchkammer (KSK) den dritten Fall vorläufig unterbrach, voraussichtlich in drei Wochen fortsetzen wird.

Zuvor war indes ein drastisches Urteil gefällt worden, denn ein Spieler von B-Ligist Türkiyemspor Plettenberg wurde wegen tätlichen Angriffs auf einen Gegenspieler in einem besonders schweren Fall auf Dauer („lebenslänglich“) gesperrt. 

Es war der 29. November 2015: Gerade hatte Schiri Uli Schlieper die Partie zwischen Türkiyemspor und TuRa Eggenscheid abgepfiffen, die Plettenberger freuten sich über einen schwer erkämpften 3:2-Sieg. Unter anderem auch ein 22-Jähriger, der nach eigenem Bekunden zu seinem Bruder (Mitspieler) lief, der das Siegtor markiert hatte. „Dann bin ich von irgendeinem Eggenscheider bespuckt worden, ein anderer hat mich beleidigt und an beiden Armen festgehalten. Ich habe mich dann aus Schutz gewehrt, ihm einen leichten Kopfstoß versetzt und bin anschließend weggelaufen“, gab er zu Protokoll.

Zeugen bestätigen Kopfstoß

Das sahen sowohl der geschädigte TuRa-Spieler als auch ein neutraler Zeuge (ein aktiver Schiedsrichter, der als Zuschauer beim Spiel weilte) indes gänzlich anders, schilderten den Tathergang unabhängig voneinander identisch (Schlieper hingegen hatte den Vorfall nicht gesehen, da er in seinem Rücken passiert war). Danach hatte der Türkiyemspor-Akteur den Eggenscheider mit einer lautstarken Jubelgeste provoziert, war dann zu ihm hingelaufen, fixierte dessen Kopf mit beiden Händen und verpasste ihm mit voller Wucht einen Kopfstoß. „Es war eine unglaublich brutale Aktion, die mit voller Absicht ausgeführt worden ist“, schilderte der neutrale Zeuge, der die Situation genau verfolgt hatte. Beleg dafür: Der Eggenscheider musste nach dem Vorfall ins Krankenhaus, ein Cut über dem Auge wurde dort mit elf Stichen genäht. „Bleiben Sie bei ihrer Darstellung nach diesen Zeugenaussagen?“, wollte KSK-Vorsitzender Heiko Kölz dem Plettenberger noch eine „goldene Brücke“ bauen – vergeblich. Der 22-Jährige blieb bei seiner Version, schleuderte Kölz noch entgegen: „Sperrt mich doch auf Dauer, uns Türken wird hier doch eh nicht geglaubt.“

Kein Anlass zur Milde

So sah die Kammer auch nicht den geringsten Anlass, irgendwelche Milde walten zu lassen, sperrte den Türkiyem-Akteur auf Dauer. „Ihre Geschichte ist aus unserer Sicht eine unwahre Schutzbehauptung. Umso unverständlicher ist die Tat auch, weil ihre Mannschaft gewonnen hat. Selbst ihr Vereinsvertreter hat für sie eine Sperre von 18 Monaten beantragt“, führte Kölz in seiner Urteilsbegründung aus, stellte dem 22-Jährigen aber in Aussicht, dass er nach einigen Jahren ein Gnadengesuch stellen könne. Für den Verein Türkiyemspor nahm der Vorsitzende Mustafa Kayhan das Urteil an, der „Sünder“ hingegen hat sich noch Bedenkzeit ergeben.

Wesentlich glimpflicher ging die erste Sportrechtssache des Abends über die Bühne, in der die Vorfälle anlässlich des B-Liga-Spiels Karadeniz Werdohl gegen Türkiyemspor Plettenberg (1:1) vom 25. Oktober verhandelt wurden. Beschuldigt waren zwei Plettenberger Spieler und der damalige Trainer (inzwischen nicht mehr im Amt) wegen vermeintlich unsportlichen Verhaltens, sowie der Verein Türkiyemspor wegen des Verdachts des unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer. Hochgekocht war die Stimmung insbesondere, nachdem die Werdohler per Strafstoß in der 90. Minute ausgeglichen hatten. Der eine Plettenberger soll laut Sonderbericht von Referee Ünal Ücüncu besonders lautstark gemeckert haben und sein Karriereende aufgrund der Schirileistung angekündigt haben, den Mitspieler sowie Trainer nach Spielende Ücüncü bedroht bzw. beleidigt haben.

Konkrete Anhaltspunkte dafür ergaben sich nach der Zeugenbefragung für die Kammer allerdings nicht, sodass die Verfahren gegen alle drei eingestellt wurden. Gegen den ehemaligen Trainer, der ab Sommer für den TuS Plettenberg tätig sein wird, auch deshalb, weil er damals und auch zum jetzigen Zeitpunkt keinem Verein angehört. Gegen den Verein Türkiyemspor allerdings wurde wegen unsportlichen Verhaltens seiner Zuschauer noch ein Ordnungsgeld von 100 Euro ausgesprochen. Teile der Plettenberger Anhängerschaft hatten den Schiri schon während des Spiels mehrfach beschimpft und beleidigt, was sich auch nach Spielende an der Umkleidekabine und auf dem Parkplatz fortgesetzt hatte. - Ku

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare