Heiko Kölz: "Inhaltlich fulminante" Fälle

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Geht in seine 16. Spielzeit als Vorsitzender der Kreisspruchkammer Lüdenscheid: Heiko Kölz (RWL).

Lüdenscheid - Die Fußballsaison läuft seit Mitte August, für die Spruchkammer des Fußballkreises Lüdenscheid beginnt sie indes am Montagabend: Ab 18 Uhr verhandelt die KSK drei Fälle sehr unterschiedlicher Natur.

Ein später Auftakt der sportgerichtlichen Verhandlungen ist eigentlich ein gutes Zeichen. „Von der Quantität her ist es noch gar nicht so viel in dieser Saison – vier offene Sachen“, sagt Heiko Kölz, „inhaltlich nach Aktenlage und vorläufiger Einschätzung allerdings starten wir durchaus fulminant.“ Mit anderen Worten: Es sind keine Kavaliersdelikte, die da an den nächsten beiden Montagen im Lüdenscheider Friedrichshof verhandelt werden.

Der Lüdenscheider Heiko Kölz – Stammverein RWL – ist seit Mai 1999 Vorsitzender der Kreisspruchkammer Lüdenscheid. Es ist damit seine 16. Spielzeit in dieser Funktion, nach Dienstzeit in der Kammer hat nur der Neuenrader Clemens Wurm mehr Jahre auf dem Buckel. Guiseppe Semeraro vom RSV Meinerzhagen kam kurz nach Kölz dazu, der frühere Kreisvorsitzende Udo Klüter aus Werdohl, der inzwischen stellvertretender Vorsitzender ist, noch später. Thomas Herrmann vom SC Lüdenscheid und Lothar Winkler vom TuS Ennepe sind nun im zweiten Jahr mit von der Partie.  Sechs Kammer-Mitglieder –das ist das Minimum. Zwei mehr dürften es sein. Heiko Kölz indes sieht das nicht als Problem, im Gegenteil. „Ich halte das für mehr als ausreichend“, sagt er, „mehr Kammermitglieder würden ja auch mehr Kosten für die Vereine bedeuten.“

Nur ein Dutzend Fälle in der Vorsaison

Zufrieden war Kölz eigentlich auch mit der allgemeinen Entwicklung, was Sportrechtsfälle im Fußballkreis Lüdenscheid anging. „Am Anfang waren es 35 bis 40 Fälle pro Jahr“, erinnert er sich an die Zeit um die Jahrtausendwende, „im Laufe der Jahre ist es deutlich weniger geworden.“ Auf 20 Fälle pro Saison hatte sich das Geschehen eingependelt, in der Spielzeit 2013/14 waren es dann nur 15, in der vergangenen Saison gar nur genau ein Dutzend. „Absoluter Minusrekord“, sagt Heiko Kölz.

Was Kölz noch nicht erlebt hat, ist ein Fall wie einer der drei am Montagabend: Beim B-Liga-Spiel zwischen dem TuS Stöcken-Dahlerbrück und dem TSKV Altena hatten die Gäste das Feld verlassen, weil sie sich vom Schiedsrichter rassistisch beleidigt fühlten. Die TSKV-Stellungnahme liegt der Kammer vor. Richtig erhellend ist sie nicht. „Ihr protestiert Deutschland, ihr protestiert Schalksmühle, ihr protestiert Dahlerbrück. Das geht nicht.“ So beschreibt der TSKV die Vorwürfe an den Referee. „Wir müssen nun erst einmal verstehen, wie sie da zu einem rassistischen Schluss kommen“, sagt Kölz und fügt kopfschüttelnd an: „Dass eine Mannschaft das Feld verlässt, weil ihr ein Schiedsrichter nicht passt, das ist mir in 16 Jahren noch nicht vorgekommen.“

Inhaltlich fulminant – das sind indes vor allem zwei andere Fälle: In Lüdenscheid hat ein Kicker einem am Boden liegenden Gegner mit dem Schuh vor den Kopf getreten. Rohe Gewalt, die abschreckt und über die die Kammer unter anderem am Montagabend zu befinden hat. Eine Woche später, am 26. Oktober ab 18 Uhr, wartet ein Fall, der Abend füllend werden könnte. Jedenfalls, was das Interesse an der Öffentlichkeit angeht.

Ein Würgegriff und eine folgende "heftige Schlägerei"

Das D-Liga-Spiel zwischen dem TuS Ennepe II und dem RSV Meinerzhagen III war bekanntlich in eine Massenschlägerei gemündet. Großer Polizei-Einsatz in Schwenke, Krankenwagen, Verletzte – zur KSK-Sitzung will eventuell sogar der WDR kommen. Auch das wäre eine neue Facette in 16 Jahren KSK unter Kölz-Führung. Das Fernsehen als Gast. Es sind die Fälle, mit denen der Fußball traurige Berühmtheit erlangt. Ein Würgegriff und eine heftige Schlägerei 68 Minuten waren laut Sonderbericht des Referees gespielt, als der TuS Ennepe II den Treffer zum 1:4 erzielte. Es war eine Situation, in der die Partie zumindest auf den ersten Blick klar schien für den Gast.

Eine Szenerie wie in einem ganz schlechten Film

Drei Spieler sind inzwischen bis zur KSK-Verhandlung gesperrt worden, einer vom TuS Ennepe, der seinen Meinerzhagener Gegenspieler gewürgt haben soll. Der Gewürgte soll laut Sonderbericht mit einem Schlag ins Gesicht des Würgers reagiert haben. Auch er wurde gesperrt, dazu ein weiterer Meinerzhagener, den der Referee klar identifiziert hat und der ebenfalls auf den Würger eingeschlagen haben soll. Was danach folgte, ist laut Sonderbericht, der klar strukturiert die Geschehnisse aufzeigt und den Referee im Eigenbild als in der Tat unbeteiligten, also auch nicht angegriffenen Zuschauer darstellt, eine „heftige Schlägerei“ gewesen, an der sich neben weiteren Spielern auch „Auswechselspieler in Trainingsanzügen und Zuschauer“ – wohlgemerkt beider Seiten – beteiligt haben sollen.

Eine Szenerie wie aus einem ganz schlechten Film, die nun Thema eines KSK-Abends wird, der wie schon manch früherer in den vergangenen Jahren hohen Unterhaltungswert haben könnte.

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