Fußball-Kreisliga-A-Abbruch

Punkte für Phoenix am grünen Tisch

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Führte den Begriff der "überholenden Kausalität" in die KSK-Abende ein: Heiko Kölz.

Lüdenscheid - Jetzt kommt doch noch einmal ein bisschen Spannung in den Titelkampf der Fußball-Kreisliga A: Am Montagabend sprach die Kreisspruchkammer dem FC Phoenix Halver die drei Punkte aus dem Abbruch-Verfolgerduell gegen den VfB Altena vom 8. November zu. Der Phoenix-Rückstand auf den SC Lüdenscheid beträgt bei einem weniger ausgetragenen Spiel nurmehr acht Punkte.

Die Fortsetzung der Verhandlung, die die KSK bereits vor drei Wochen ausführlich begonnen hatte, sah am Montagabend den Referee Kacper Koziorz aus Lüdenscheid in der Hauptrolle. Ohne seine Aussage hatte die KSK angesichts der teilweise widersprüchlichen Darstellung beider Parteien, was den Aspekt des Spielabbruchs anbetraf, kein Urteil fällen wollen. Koziorz verkaufte sich vor der Kammer sehr gut, erinnerte sich im Detail und bilanzierte für sich durchaus differenziert. 

Was aus der Verhandlung von vor drei Wochen unstrittig gewesen war, war Folgendes: Ein Zuschauer – ein Spieler aus der Phoenix-Reserve – war nach dem Platzverweis gegen den Altenaer Crummenerl mit diesem im Innenraum auf der Tartanbahn aneinandergeraten. Dort hatte der Zuschauer nichts verloren, genauso wie ein zweiter, der nach eigener Aussage den ersten nur hatte zurückhalten wollen. Aus dieser Situation entstanden war eine Rudelbildung ohne schlimme Tätlichkeiten. So weit, so gut. 

Aber hatte Koziorz das Spiel hier in der 90. Minute beim Stande von 2:1 für Phoenix bereits abgebrochen oder nur unterbrochen? Was hatte er mit den Spielführern beider Teams so lange besprochen? Und: Waren die Rudelbildungen Auslöser des Abbruchs oder die Aussage von VfB-Kapitän Julian Kroll, der VfB sei aufgrund der Gefahrenlage nicht mehr bereit, die Partie fortzusetzen? Der Referee sagte aus, die Unterredung mit den Kapitänen habe so lange gedauert, weil es im Rudel immer „neu hochgekocht sei“. 

Ein Fall von "überholender Kausalität"

„Wenn die Zuschauer den Innenraum geräumt hätten und Ordner für die letzten Minuten da gewesen wären, hätte ich das Spiel fortgesetzt“, sagte er aus, aber auch: „Wenn ich es Revue passieren lasse, habe ich sehr lange gewartet. Ich hätte den Spielabbruch wohl kurz darauf angeordnet.“ Allerdings gab Koziorz auch zu Protokoll, dass sein Entschluss noch nicht festgestanden hatte, als ihm Kroll die Entscheidung mit der Aussage „Wir lassen uns hier nicht schlagen, wir gehen jetzt vom Platz“ quasi abgenommen hatte. Der KSK-Vorsitzende Heiko Kölz führte hierfür den Begriff der „überholenden Kausalität“ in den Abend ein. Koziorz gab zu: „Die Tendenz ging klar eher zum Abbruch, aber meine Entscheidung hatte ich noch nicht getroffen.“ Erst nach Krolls Aussage blies der Referee dreimal in die Pfeife und erklärte die Partie vorzeitig für beendet. 

VfB-Vertreter Roland Voigt sah im Verhalten seines Kapitäns „Zivilcourage“, die honoriert werden sollte und forderte die drei Punkte. Etwas unglücklich war in diesem Zusammenhang gewiss seine Einlassung, dass die KSK den Eindruck mache, sie wolle „Spielfortsetzungen um jeden Preis...“ Während Phoenix die drei Punkte auch für sich beantragte, sah Kreisvertreter Torsten Franke beide Vereine am Abbruch beteiligt – Phoenix aufgrund des Fehlverhaltens der Zuschauer, den VfB aufgrund seiner Eigenmächtigkeit beim Abbruch. Er beantragte, das Spiel für beide als verloren zu werten. 

Hohe Geldstrafen und eine sechswöchige Sperre

Dem folgte die Kammer in ihrem Urteil nicht: „Das ist keine gute Idee des Spielführers gewesen“, sagte Heiko Kölz bei der Urteilsbegründung und verwies noch einmal darauf, dass ein Abbruch im Ermessen des Referees, keinesfalls aber im Ermessen einer Mannschaft liege. „Es ist einer der seltenen Fälle, in dem der Schuldige zu individualisieren ist, nämlich hier beim Spielführer“, führte Kölz weiter aus. Die KSK verhängte gegen Kroll wegen unsportlichen Verhaltens eine Geldstrafe von 250 Euro. Phoenix muss auch eine Geldstrafe von 250 Euro für das Verhalten von Zuschauern und Spielern (Kölz: „Sie alle haben auf der Tartanbahn nichts verloren...“) berappen, der VfB für seine Spieler im Rudel zusätzlich ebenfalls 125 Euro. 

Außerdem sprach die KSK gegen den Phoenix-Zuschauer, der zuerst die Tartanbahn betreten hatte und auch am Montagabend eher einen zweifelhaften Eindruck hinterließ, eine sechswöchige Sperre wegen unsportlichen Verhaltens aus, die dieser nun nach seinem Winterpausen-Wechsel zu Türkgücü Lüdenscheid für den neuen Verein absitzen darf. Der zweite Zuschauer, ebenfalls ein Spieler aus der Phoenix-Reserve wurde freigesprochen. Die gewiss nicht geringen Verfahrenskosten teilen sich der VfB (70 Prozent) und Phoenix (30 Prozent). Die Burgstädter nahmen das Urteil am Montagabend noch nicht an, erbaten sich Bedenkzeit.

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