Die vorzeitige Erfüllung eines Traums

Tatsächlich aufgestiegen? Der Torschütze zum 2:0, Arthur Klyszcz, kann es noch gar nicht fassen. - Fotos: Machatzke

Lüdenscheid -  Die Fans hatten ein Gespür für das Alleinstellungsmerkmal. „Aufsteiger im Gründungsjahr“, skandierte der Anhang des Schlesischen Sportvereins Lüdenscheid am Sonntag in Böddinghausen. Mit dem 3:1-Erfolg bei der TuS-Drittvertretung wurde für den jungen Klub und seine Besatzung zu Pfingsten ein Traum wahr.

Von Thomas Machatzke

„Phoenix, Samsunspor, Polonia – die sind alle im ersten Jahr nicht aufgestiegen“, sagt Heiko Zankana stolz. Es war eine kurze Nacht gewesen für den 42-Jährigen. Von Plettenberg aus zog die schlesische Fußballgemeinde am Sonntag ins Vereinslokal Odysseus weiter, der harte Kern strandete irgendwann im Alibi. „Wenn die Polen feiern, dann wird’s gefährlich“, lachte der Coach, „laut und heftig war’s.“ Ein ausgelassener Abend, bei dem ob des Geräuschpegels auch die Polizei kurz vorbeischaute, aber nicht zum Gratulieren...

An den Aufstieg in die Kreisliga C hatten die Schlesier eigentlich schon lange gar nicht mehr gedacht. „Wir haben erst ganz spät gelesen, dass es in der D-Liga zwei Aufsteiger gibt“, sagt Zankana, „nach unseren Niederlagen hatten wir das eigentlich bereits abgeschrieben.“ Dann aber spitzte sich der Aufstiegskampf zu. Der SV Hellas II war wohl nicht mehr zu kassieren, aber der FC Lüdenscheid war in Reichweite. Drei Wochen vor dem Ende war klar: Drei Siege würden reichen. Zwei gelangen bis zu jenem Endspiel in Plettenberg. Und dann gaben jene Plettenberger Gas, waren gleichwertig bis in die zweite Hälfte hinein, ehe ein Eigentor des TuS die Schlesier doch noch auf Kurs brachte und dem Lennestadion wenig später eine Feier in Blau und Gelb bescherte. Das passte ganz gut, die Vereinsfarben von SSV und TuS sind dieselben, weshalb die SSV-Kicker ihr Aufstiegsfinale mit Leibchen bestreiten mussten.

Was bleibt, ist für Zankana eine Saison voller positiver Eindrücke. „Eine riesengroße Familie“ sei der SSV, sagt der Spielertrainer, der viel rumgekommen ist in seiner Laufbahn: „Da hilft jeder mit, als Trainer kannst du dich ganz aufs Sportliche konzentrieren. Den Rest machen Vorstand und Umfeld. Du musst dich um nichts kümmern. Das habe ich auch in der Bezirksliga noch nicht erlebt.“

Auch die Konsequenz des Vorstandes, als ein junger SSV-Kicker vor die Kammer musste, imponierte Zankana. „Da hat jedes Vorstandsmitglied sich den Jungen gepackt und gesagt: Einmal und nie wieder!“

Harry Jakubowski beendet Karriere

Zwei, drei Jahre hatte sich der SSV nach seiner Gründnung gegeben für diesen ersten Aufstieg. „Aber wir nehmen es auch gerne im ersten Jahr“, sagt Zankana, „wir hatten auch viele Tiefs in dieser Saison, aber die Mannschaft hat sich unheimlich entwickelt und verbessert. Hier haben Leute Fuß gefasst, die vorher bei Polonia nie eine Chance bekommen haben.“ Und der große Kader freut sich nun auf die C-Liga. Nur Torwart-Routinier Harry Jakubowski will aufhören. Der Rest aber ist fest eingeplant.

„Dazu vier, fünf Verstärkunen, und dann wollen wir uns die C-Liga mal anschauen“, sagt Zankana, der auch mit 42 noch heiß ist, weiter sein Scherflein auf dem Feld beizutragen. Bevor es soweit ist, wollen die Schlesier aber erst einmal ein gutes Finale des Altherrenpokals spielen am Samstag in Plettenberg. Und dann geht es abends wieder ins Vereinslokal Odysseus. Dort gibt’s dann erst das WM-Spiel der Griechen gegen Kolumbien als gemeinsames Fernseh-Erlebnis und anschließend die offizielle Aufstiegsfeier. „Aber die“, sagt Zankana, „wir sicher ruhiger werden als die Party am Sonntagabend...“

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