Unwürdiger Komödienstadel

Unwürdiger Komödienstadel

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Diskussionen über einen Spielabbruch, eine Art Nicht-Angriffspakt und 21 Tore: Die Partie zwischen dem FC Azzurri und dem TuS Plettenberg war eine der ungewöhnlichsten der vergangenen Jahre.

Brügge - Unwürdig. Bisweilen komisch. In der Summe aber erbärmlich. Was am Sonntagvormittag in Brügge-Winkhausen passierte, wird in die Geschichtsbücher der Fußball-Kreisliga A eingehen. Am Ende eines denkwürdigen „Fußballspiels“ stand ein 19:2-Sieg von Tabellenführer TuS Plettenberg bei Schlusslicht FC Azzurri Schalksmühle und jede Menge Imageverlust für die höchste Spielklasse im Fußballkreis Lüdenscheid.

Was war passiert? – Nach einer standesgemäßen Plettenberger 5:0-Führung zur Pause war Gastgeber FC Azzurri nur noch mit acht Feldspielern aus der Kabine zurückgekehrt. Ouhday El Attar und Mounir Zerriq hätten sich Verletzungen zugezogen, hieß es. Diese doppelte Überzahl nutzte der Spitzenreiter in den folgenden 20 Minuten, um bei einem Azzurri-Gegentreffer von Burgazi auf 14:1 davonzuziehen. So weit, so gut.

Doch dann wurde es skurril in Winkhausen. Und wie. Mit Milan Uzelac und Hüseyin Zorlu hatten inzwischen zwei weitere Azzurri-Spieler verletzt das Feld verlassen. Auf den jungen Halveraner Referee Murrone prasselten nunmehr die Azzurri-Forderungen ein, die Partie abzubrechen. Der verbliebene Azzurri-Kader schickte sich an, das Feld zu verlassen. Der Unparteiische, sportlich immerhin in der Landesliga zu Hause – komplett ratlos. Nachfragen bei Pressevertretern (!) und einem Schiedsrichterkollegen folgten, wie bitteschön denn nun zu verfahren sei.

Eine Art Nicht-Angriffspakt

Und auch die Gäste mischten sich ein in die Diskussion um einen möglichen Abbruch. Man möge doch bitte weiterspielen, hieß es in Richtung der azurblauen „Resterampe“. Durchaus verständlich aus TuS-Sicht: Ein vorzeitiges Ende – das im übrigen nur auf ausdrücklichen Wunsch des Azzurri-Spielführers an den Schiedsrichter, aber nie vom Referee selbst ausgehend hätte erfolgen können – hätte dem TuS nur die drei Punkte, nicht aber die sich anbahnende imponierende Torstatistik gebracht. Azzurri ließ sich überreden, blieb auf dem Feld.

Und so wurde noch 20 Minuten weitergespielt. Was man an diesem Sonntag denn „spielen“ nennen durfte. Wie 1982 Deutschland und Östereich in Gijón schoben sich alle Beteiligten fortan den Ball zu. Irgendwie sollte die Partie zu Ende gebracht werden. Hier und da gönnte man sich sogar noch ein Tor ohne jegliche Gegenwehr beidseitig. Wie das von Azzurris Jounes Kssama, der sich den Ball in Ruhe für einen Fallrückzieher zurechtlegte und technisch sauber traf. Man ließ ihn. Ein Nicht-Angriffspakt eben.

Nach exakt 90 Minuten pfiff Alessio Murrone ein Spiel ab, für das zum Glück kein Eintritt erhoben worden war. Das nämlich wäre dann vollends Betrug an den auch so gänzlich perplexen Zuschauer gewesen...

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