Affenlaute frei erfunden? Ouhbi: "Eine Frechheit"

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Findet deutliche Worte: Neuenrades Trainer Abi Ouhbi.

Neuenrade/Marsberg - Eine Woche nach dem Rassismus-Skandal in der Partie des VfB Marsberg gegen den TuS Neuenrade in der Fußball-Bezirksliga 4 (wir berichteten mehrfach) setzte eine dem Vernehmen nach junge Marsberger Fangruppe beim VfB-Auswärtsspiel bei den SF Hüingsen am Sonntag ein Zeichen und präsentierte ein großes Spruchband. „Emotionen JA! – Rassismus NEIN!!!“, lautete die unmissverständliche Botschaft der Marsberger Anhänger auf dem Plakat.

Auch der Vorstand des VfB Marsberg bezog zu den Ereignissen im abgebrochenen Punktspiel gegen den TuS Neuenrade noch einmal Stellung und veröffentlichte am Montag auf der Facebook-Seite des VfB eine Pressemitteilung. Darin heißt es: „Beim Heimspiel am 01.03.2020 unserer 1. Seniorenmannschaft in der Bezirksliga Staffel 4 hat ein Zuschauer einen Spieler des TuS Neuenrade in der 78. Spielminute mit den Worten: ‘Du musst mehr Schweinefleisch essen, dann fällst Du auch nicht so schnell um!’ beleidigt. Als Verein sind wir über diese Äußerung entsetzt. Rassismus, der sich in erschreckender Weise in der gesamten Gesellschaft verbreitet, hat beim VfB Marsberg nichts zu suchen. Beim betroffenen Spieler sowie dem TuS Neuenrade können wir nur um Entschuldigung bitten.

Der VfB Marsberg ist ein weltoffener und multikultureller Verein mit Spielern, Mitgliedern und Fans unterschiedlichster Herkunft. Rassismus hat in unserem Verein keinen Platz. Wir haben zwischenzeitlich den Zuschauer, der die Beleidigung geäußert hat, ermittelt und mit ihm gesprochen. Er bedauert seine Äußerung zutiefst und entschuldigt sich in aller Form beim Spieler des TuS Neuenrade. Die Äußerung entspricht nicht seiner Gesinnung. Als Zeichen für die Haltung des Zuschauers sowie des Vereins haben wir uns entschlossen, dass sowohl der Zuschauer als auch wir jeweils 250 Euro an die Egidius-Braun-Stiftung des DFB spenden werden, die Projekte zur sozialen Integration in die Gesellschaft und den Fußballsport fördert. Der Zuschauer wird sich darüber hinaus als ehrenamtlicher Helfer für Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Stadt Marsberg engagieren und Familien und Einzelpersonen beispielsweise in die örtlichen Gegebenheiten einweisen oder diese bei der Suche nach Bildungsmöglichkeiten und bei der Berufswahl unterstützen.“

Zudem schreibt der Vorstand des VfB Marsberg in seiner Mitteilung, dass der Verein nach der Beleidigung des Neuenrader Spielers den Drei-Stufen-Plan des Deutschen Fußball-Bundes umgesetzt habe. Nachdem Schiedsrichter Iwersen (FC Overberge) die Beleidigung angezeigt hatte, sei die Situation laut Marsberger Vorstand in Höhe der Eckfahne eskaliert.

In der Mitteilung heißt es: „Ein Spieler des TuS Neuenrade hat aus kurzer Entfernung den Spielball in die Zuschauermenge geschleudert und damit einen Zuschauer am Kopf getroffen, der daraufhin zu Boden gefallen ist. Wir haben daher in Absprache mit dem Schiedsrichter entschieden, die Partie zu unterbrechen. Beide Mannschaften sind in die Kabine gegangen. Der Schiedsrichter hat in Absprache mit uns angekündigt, dass das Spiel nach einer Unterbrechung von zehn Minuten fortgesetzt wird. Die hinter der Eckfahne befindlichen Zuschauer sollten des Platzes verwiesen werden, und unser Stadionsprecher sollte nach Rückkehr der Mannschaften auf den Platz eine Durchsage machen. Der TuS Neuenrade hat jedoch eine Fortsetzung des Spiels beim Stand von 3:1 verweigert. Unserseits wurde weitergehend das Angebot unterbreitet, dass sämtliche Zuschauer den Platz verlassen und für die verbleibenden zwölf Minuten ein Geisterspiel durchgeführt wird. Auch dies hat der TuS Neuenrade verweigert. Der TuS Neuenrade hat daher trotz unseres sofortigen Einschreitens eine Fortsetzung des Spiels entgegen dem Willen des Schiedsrichters und unserer Mannschaft unterbunden. Enttäuscht sind wir als Verein über die Äußerung des Spielertrainers des TuS Neuenrade, dass es in der zweiten Halbzeit vor der Beleidigung in der 78. Spielminute seitens unserer Zuschauer Affenlaute gegeben hätte. Das ist unzutreffend und vom Spielertrainer des TuS Neuenrade frei erfunden.“

Abi Ouhbi, Cheftrainer des TuS Neuenrade, bezeichnete am Dienstag gegenüber unserer Zeitung die auf den Weg gebrachte Spende des VfB Marsberg an die Egidius-Braun-Stiftung, vor allem aber das angekündigte Engagement für Flüchtlinge und Asylbewerber als „vorbildlich“. Das ihm aber nun unterstellt werde, die Affenlaute frei erfunden zu haben, bezeichnete der Lüdenscheider als „Frechheit“. Ouhbi: „Circa in der 60. Minute hat einer unserer Spieler den Ball aus dem Seitenaus geholt, sich in Richtung der Zuschauer gedreht und sich über etwas beschwert – und hat den Schiedsrichter angesprochen. Als ich dazukam, hatte ich mitbekommen, dass er ihm gesagt hatte, dass Affenlaute von den Zuschauern in seine Richtung gemacht wurden. Daraufhin hat der Schiedsrichter den Innenraum geräumt und einen Ordnungsdienst eingefordert. Das dürfte jeder, der da war, auch so wahrgenommen haben. Ich hatte den Schiedsrichter gefragt, ob er die Laute gehört hatte, und er hatte es verneint, mein Spieler hat es mir jedoch bestätigt. Warum sollte ich so etwas erfinden? Vielleicht vorsorglich, um den späteren Abbruch vorzubereiten? Da ich wusste, dass es zu der späteren Beleidigung kommt?“

Nach der Unterbrechung durch den Schiedsrichter in der 78. Minute seien Spieler des TuS Neuenrade auf dem Weg in die Kabine von Zuschauern „weiter rassistisch beleidigt“ worden. In der Kabine habe sich laut Ouhbi dann die Mehrheit seiner Mannschaft dazu entschieden, „aufgrund der Summe der Beleidigungen und der doch aufgeheizten Atmosphäre nicht mehr auf das Spielfeld“ zurückzukehren. Diese Entscheidung habe Ouhbi dann zusammen mit Kapitän Ömer Sönmez im Beisein des VfB-Kapitäns, einem weiteren Marsberger Spieler und auch im Beisein von zwei VfB-Vorstandsmitglieder dem Schiedsrichter mitgeteilt. Außerdem erklärte Ouhbi, dass er, nachdem er von Marsberger Seite darauf hingewiesen worden sei, zusammen mit einem seiner Spieler, der einen Zuschauer mit dem Ball am Kopf getroffen hatte, zum Platz zurückgekehrt sei. Sein Spieler habe sich bei diesem Zuschauer entschuldigt. „Und ich habe mich ebenfalls bei ihm für das Fehlverhalten meines Spielers entschuldigt“, so Ouhbi, der zudem betonte, dass er auch bei einer Führung (der TuS lag mit 1:3 zurück) mit seiner Mannschaft vom Platz gegangen wäre. „Denn unser Lieblingssport, Punkte und Tore waren in diesem Moment das Unwichtigste“, so der TuS-Trainer.

Er habe versucht, „fair und so objektiv wie möglich mit der Gesamtsituation umzugehen“ und habe „das Fehlverhalten einiger weniger Zuschauer nicht auf alle bezogen. Da auch das gezeigt hat, dass es zum Glück mehr tolerante als intolerante Menschen gibt“, so Ouhbi.

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