Gegensätzliche Aussagen vor der Spruchkammer

„Plötzlich ist der Schiri umgefallen“: Das Verfahren gegen Tim Hoffmann (vorne links) wurde erneut vertagt.

KREISGEBIET ▪ Mit gleich zwei abgetrennten Verfahren, die sich aus vorangegangenen Verhandlungen ergeben hatten, beschäftigte sich die Spruchkammer des Fußballkreises Lüdenscheid am Montag.

Im Eiltempo konnte dabei die Sache „Adem Tekir“ erledigt werden. Das Vorstandsmitglied des TSV Herscheid war im Spiel bei Türkiyemspor Plettenberg als Linienrichter tätig gewesen, hatte aus Frust über eine Entscheidung von Schiedsrichter Güven Gencel die Fahne hingeworfen und war daraufhin vom Referee von der Linie weggeschickt worden. Tekir war voll geständig, hatte sich nach dem Spiel auch bereits bei Gencel entschuldigt. Wegen unsportlichen Verhaltens wurde letztlich ein Ordnungsgeld von 25 Euro gegen ihn verhängt.

In eine weitere Runde geht hingegen die Sportrechtssache in Bezug auf Tim Hoffmann und Alpay Kilinc, Torhüter und 1. Vorsitzender des TSV Lüdenscheid, wegen ihrer vermeintlichen Verfehlungen im abgebrochenen Spiel beim TuS Grünenbaum. Mehr als 90 Minuten verhörte die Kammer vorgestern Beschuldigte und Zeugen, sah sich danach aber nicht in der Lage, ein Urteil zu fällen. Daher wurde der Fall vertagt, wird voraussichtlich in 14 Tagen mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Die Verdachtsmomente gegen beide TSVer hatten sich im Verlauf der ersten Verhandlung am 3. Juni ergeben. Damals hatte Schiedsrichter Jörg Hornung-Schmidt zweifelsfrei Kilinc als denjenigen identifiziert, der ihn kurz vor dem Abbruch von hinten an beiden Armen festgehalten und geklammert hätte. Bei dieser Aussage blieb der Schiri auch am Montag, Kilinc indes sah das völlig anders. „Ich habe dem Schiedsrichter nur aufhelfen wollen, als er auf den Knien saß. Mir wird hier etwas vorgeworfen, was ich nicht gemacht habe, das ist schlimm. Von daher habe ich schon einen Rechtsanwalt eingeschaltet wegen einer eventuellen Zivilklage“, empörte er sich. Unterstützt wurde er von zwei Zeugen aus dem TSV-Umfeld, aber nichtsdestotrotz blieb Hornung-Schmidt bei seiner Darstellung: „Ich bin alleine aufgestanden, mir hat keiner geholfen. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher.“

Ergebnisoffen blieb auch die Sache „Tim Hoffmann“. Der war am 3. Juni vom Zeugen Eckhard Kuhrt (Zuschauer der Partie) beschuldigt worden, derjenige gewesen zu sein, der den Schiri von hinten umgestoßen hatte, so dass dieser zu Fall kam. Vorgestern indes war dieser Zeuge verhindert, und Hoffmann selbst schilderte den Vorfall gänzlich anders: „Ich bin Richtung Schiedsrichter getrabt, der von einigen meiner Mitspieler umringt war. Diese wollte ich nur besänftigen. Plötzlich ist der Schiri einfach umgefallen. Warum, weiß ich nicht. Hinter ihm hat auf jeden Fall keiner gestanden.“

Auch alle weiteren TSV-Zeugen konnten sich den Grund für den Sturz des Referees nicht erklären, der aber dabei blieb, von wem auch immer von hinten umgestoßen worden zu sein.

So kommt es – wohl in 14 Tagen – zu einer weiteren Verhandlungsrunde. Der TuS Grünenbaum kündigte bereits an, neben Kuhrt dann einen weiteren Zeugen zu stellen, der TSV-Keeper Hoffmann als „Übeltäter“ identifizieren könne. ▪ Marc Kusche

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