SF Dünschede vs. TuS Plettenberg

Fußball-Freundschaft endet vor Spruchkammer

Kündigte den SF Dünschede die Freundschaft: Andreas Klippert.

KREISGEBIET - Es war nur ein Testspiel, eines zudem, bei dem der Sieger beim Spielstand von 6:0 in der 83. Minute feststand. Dann aber brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Damit war nicht nur das Freundschaftsspiel beendet.

„Wir hatten eine 40-jährige Freundschaft“, sagte Andreas Klippert und sprach für den TuS Plettenberg. „Dann ist diese jetzt wohl aufgekündigt“, entgegnete Dietmar Saure und sprach für die SF Dünschede. „Ja“, antwortete Klippert, „das ist wohl so.“

Die Dialog zwischen Klippert und Saure vor der Kreisspruchkammer darf vielleicht mit etwas Abstand als letztes großes Missverständnis in einer Reihe von Ereignissen gelten, die nicht recht nachvollziehbar sind. An jenem 7. August war der TuS Plettenberg II in Dünschede zu Gast, um die Form zu testen. Die war offensichtlich beim Gastgeber besser als beim Gast. 5:0 stand es, als der Plettenberger Marc Henneke in Minute 81 aufs Tor schoss statt auf den besser postierten Hüseyin Seyhan zu passen. Jedenfalls beschrieb Seyhan dies am Montag so. Dünschede konterte und schoss das 6:0. So weit, so gut.

Während der Konter lief, unterhielten sich Seyhan und Henneke. Es war keine freundliche Unterhaltung. Dass er ihm keinen Ball mehr zuspielen werde, soll der erboste Seyhan unter anderem gesagt haben. Bruce Schmidtke, linker Verteidiger der Dünscheder, berichtete als Zeuge, die Plettenberger hätten sich Kopf an Kopf gegenüber gestanden. Dann fiel Henneke auf den Boden. Nach Seyhans Aussage wegen eines Stoßes, nach Schmidtkes Aussage wegen eines Schlages von Seyhan.

Der „Opa“ schickt Spieler in die Kabine

Der Schiedsrichter Yanik Rickert (Lennestadt) sah das nicht, wohl aber der Plettenberger Trainer. „Der ‘Opa’ hat mich direkt in die Kabine geschickt, der duldet so etwas nicht“, erzählte Seyhan und war der Aufforderung von Klaus „Opa“ König („Verlass sofort den Platz!“) gefolgt. „Ich bin respektlos gewesen gegenüber einem älteren Spieler“, gestand Seyhan ein, wobei unklar blieb, ob ein solches Vorgehen gegenüber einem jüngeren Spieler akzeptabler gewesen wäre.

Der Fall war damit praktisch erledigt, doch in der nächsten Unterbrechungspause hatten Petros Kominos, Spielertrainer von Dünschede, und TuS-Kapitän Maik Wehrmann den Referee gebeten, die Partie abzubrechen. „Damit nichts Schlimmeres passiert“, sagte Rickert am Montag. Er hatte daraufhin abgebrochen. Was Schlimmeres hätte passieren können, wusste er nicht so recht zu sagen. Kominos und Wehrmann, die als Zeugen geladen waren, fehlten am Montag und konnten so auch kein Licht ins Dunkel bringen.

Rickert trug den Abbruch nicht einmal in den Spielbericht ein, fertigte aber einen Sonderbericht an. Auf dem Spielbericht stand zudem, dass in Minute 74 von der Dünscheder Bank eine Flasche aufs Feld geworfen worden sei, was im Sonderbericht keinerlei Erwähnung fand. Rickert sagte noch, es sei ein „handelsübliches Fußballspiel mit ein bisschen Meckern hier und da“ gewesen. Auf jeden Fall war es im Rückblick derer, die nicht dabei gewesen waren, ein reichlich seltsames Szenario.

Dazu passte, dass die Plettenberger den Dünschedern die Schuld dafür gaben, dass der Fall überhaupt vor die Kammer gekommen war, und die Freundschaft kündigten. Die Kammer unter dem Vorsitz von Heiko Kölz stand vor einer schwierigen Frage: Sollten man die fehlenden Zeugen an einem späteren Termin hören und versuchen, den Sachverhalt deutlicher hervorzuarbeiten? Oder sollte man eine schnellere Lösung finden. Die Kammer entschied sich für Letzteres.

Seyhan für sechs Monate auf Eis

Das Verfahren gegen den TuS Plettenberg stellte die Kammer ein – auch wenn es nicht mehr en detail herausgearbeitet wurde, war klar: Dieses Spiel hätte Rickert wohl niemals abbrechen dürfen. Die Tätlichkeit gegen einen Spieler ahndete die Kammer mit einer sechsmonatigen Sperre für Hüseyin Seyhan (bis 10. März 2014). Sie legte zugunsten Seyhans eine Tätlichkeit im „minderschweren Fall“ zu Grunde. Hätte sich bei einer Vertagung erhärtet, dass er geschlagen und nicht gestoßen hätte, was zu seinen Gunsten angenommen wurde – die Strafe hätte mindestens ein Jahr betragen.

Thomas Machatzke

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