Jecksties sauer: „Das Fass ist übergelaufen“

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Fährt schwere Geschütze auf: Hardy Jecksties.

Kreisgebiet - Hardy Jecksties ist zornig. Zornig auf die Kreisjugendspruchkammer (KJSK) im Allgemeinen, auf den Vorsitzenden Michael Arndt (TuS Plettenberg) im Speziellen. Denn der hat seiner Meinung zuletzt so schlecht, weil nachlässig gearbeitet, dass es für Jecksties nur eine Konsequenz geben kann: Michael Arndt müsse von seinem Amt zurücktreten oder „zurückgetreten werden“.

Von Marc Kusche

Für eine qualifizierte Beurteilung fühlt sich der 77-jährige Jugendleiter von TuRa Brügge unter anderem auch deshalb berufen, weil er im Verlauf seiner langen Funktionskarriere rund 14 Jahre selbst als KJSK-Vorsitzender tätig war: „Von daher weiß ich genau, was getan werden kann und muss.“

Was Jecksties derart „auf die Palme“ brachte, war eine Kammer-Sitzung vom 12. Juli. Verhandelt wurden die Vorfälle bei einem F-Jugend-Turnier des TuS Herscheid vom 14. Juni. Im Halbfinale zwischen dem TSV Oestertal und TuRa Brügge II war der Vater eines Oestertaler Spielers aufs Feld gelaufen und hatte den als Schiedsrichter fungierenden Mustafa Gebebs (gleichzeitig Trainer der F I von TuRa Brügge) mit Schlägen gegen Brust und Hals traktiert. Gebes war kurzzeitig gar bewusstlos, musste mit einer Gehirnerschütterung und Schwellungen am Kehlkopf ins Krankenhaus. Das Turnier wurde abgebrochen.

Verhandlung und Urteil bezeichnet Jecksties noch heute als „schlechten Witz“. „Da wurde krampfhaft nach einem Motiv gesucht, warum der Vater so reagiert hat, Herrn Gebes gar indirekt unterstellt, dass er ihn zuvor beleidigt habe und damit der Auslöser gewesen sei. Letztlich konnte gegen den Vater noch nicht einmal verhandelt werden, da er vermeintlich kein Mitglied eines Sportvereins ist“, waren verhängte 150 Euro für den TSV Oestertal wegen verschuldeten Spielabbruchs für ihn eine Farce. Auch das durch die Stadt Plettenberg verhängte Stadionverbot für den Spielervater ging Jecksties nicht weit genug, „kann er doch zumindest weiter Auswärtsspiele des TSV besuchen“.

So legte er fristgerecht mit Datum 15. Juli Berufung ein und stellte eigene Recherchen an. Und die förderten sehr schnell Erstaunliches zu Tage, denn der „Sünder“ war sehr wohl Mitglied eines Sportvereins. Zwar nicht beim TSV Oestertal, sondern dem TuS Plettenberg. Dem Verein, dem auch Arndt angehört. „Ich will Herrn Arndt gar nicht unterstellen, dass er das wusste. Denn dann hätte er die Sitzung wegen Befangenheit gar nicht leiten dürfen. Aber wenn ich im Eiltempo herausbekomme, dass der Spielervater noch Vereinsmitglied ist, dann hätte das auch die KJSK angesichts der Schwere des Vergehens im Vorfeld der Sitzung recherchieren können, ja müssen“, äußert Jecksties deutlich sein Unverständnis.

Doch damit nicht genug. Mittlerweile hat der Fall für den 77-Jährigen eine Dimension angenommen, „die für mich das Fass zum Überlaufen gebracht hat.“ Denn bei seiner weiteren Recherche stellte sich heraus, dass der Spielervater am 14. Juli, also zwei Tage nach der KJSK-Verhandlung, vom TuS Plettenberg im Online-Verfahren als Mitglied abgemeldet wurde. „Da hat beim TuS wohl doch jemand gewusst, dass der Vater Vereinsmitglied ist und kalte Füße bekommen“, ist Jecksties nunmehr sehr gespannt, wie es mit seiner Berufung weiterhen wird.

„Arndt ist nicht mehr tragbar“

Zuständiges Rechtsorgan ist die Bezirksjugendspruchkammer (BJSK) 4, deren Vorsitzender Andreas Klippert ist – seines Zeichens Mitglied beim TuS Plettenberg. Von daher kann Klippert selbst wegen Befangenheit ohnehin nicht verhandeln, zuständig wird sein Stellvertreter Albert-Claus Meisterjahn aus Sundern sein. Nichtsdestotrotz beschreibt Klippert das anstehende Prozedere: „TuRa Brügge hat am vergangenen Donerstag die BJSK dazu ermächtigt, im schriftlichen Verfahren zu entscheiden. Herr Meisterjahn wird sich spätestens Anfang übernächster Woche mit zwei Kollegen aus anderen Kreisen zusammensetzen – und dann wird ein Ergebnis herauskommen.“

Wie das aussehen könnte, ist völlig offen. Nicht auszuschließen ist aber, dass nach den Recherche-Ergebnissen von Jecksties der Fall an die hiesige KJSK zurückgegeben oder an eine andere KJSK übergeben wird. Klar ist derweil die Erwartungshaltung von Jecksties: „Es muss ein Verfahren gegen den Spielervater eingeleitet werden – mit einem entsprechenden Urteil. Und ich erwarte auch Konsequenzen für Michael Arndt, der für mich als KJSK-Vorsitzender nicht mehr tragbar ist.“

Schwere Geschütze, doch mit seiner Kritik steht Jecksties inzwischen nicht mehr allein. Bereits im Rahmen der Jugendleiter-Arbeitstagung am 10. Juli war sowohl von Vereinsvertretern als auch insbesondere Jugend-Schiedsrichterobmann Martin Stanczyk harsche Kritik an Arndt laut geworden. „Es herrscht eine unglaubliche Arroganz der Spruchkammer gegenüber den Schiedsrichtern. Es kann nicht sein, dass mich junge Referees heulend nach einer KJSK-Sitzung anrufen“, äußerte sich Stanczyk damals.

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