Fußball, Kreisspruchkammer

Eine Kopfnuss - aber von wem?

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Pikanterie am Rande: Guiseppe Semeraro vom RSV Meinerzhagen verhandelte am Montagabend mit der KSK den Fall, in dem sein Bruder Franco als Vereinsvertreter den KSC vertrat.

Lüdenscheid - Es ist nicht die Regel, dass sich Fälle vor der Spruchkammer ganz anders entwickeln als sie zunächst anmuten. Eine Ausnahme gab es am Montag in der Verhandlung gegen einen Kicker des FC Phoenix Halver II, der wegen eines vermeintlichen Kopfstoßes gegen einen Gegenspieler vom Kiersper SC II angeklagt war.

Im Freundschaftsspiel zwischen Phoenix II und der KSC-Reserve, das bis zuletzt sehr fair verlaufen war, war der beschuldigte Phoenix-Spieler mit dem KSC-Siegtorschützen aneinandergeraten. Kopf an Kopf hatten sich beide gegenübergestanden, der Kiersper war dann zu Boden gegangen und hatte einen Nasenbeinbruch und eine Platzwunde davongetragen. Zwei Wochen war er arbeitsunfähig. Zudem gab er an, dass er seitdem schnarche. 

Der Halveraner wiederum hatte eine dicke Beule an der Stirn, die knapp zwei Monate nach dem Spiel noch immer gut sichtbar war. Warum es zur tätlichen Auseinandersetzung gekommen war und was dann genau passiert war, darüber gab es widersprüchliche Aussagen: Der Halveraner schilderte, der KSC-Kicker habe ihn beschimpft und beleidigt – und als man sich gegenüber gestanden sei, habe der Kiersper zum Kopfstoß ausgeholt. Er habe den Kopf im Affekt zum Schutz nach unten genommen, daraufhin habe ihn der KSC-Kicker mit Wucht an der Stirn getroffen. 

Die Version des KSC-Kickers war eine ganz andere. Er erklärte, dass ihn sein Ersatzkeeper nach dem 3:2 geneckt habe, er solle sich auf dieses Tor nichts einbilden. Er habe erwidert: „Stimmt, gegen so eine Truppe muss ich eigentlich zehn machen...“ Daraufhin sei er mit dem Halveraner aneinandergeraten, es sei zum Kopfstoß gekommen. Der Kiersper legte zur Verletzung einen Arztbericht vor. Noch vor zwei Wochen hatte die KSK einen Plettenberger wegen eines Kopfstoßes lebenslänglich gesperrt. So nahm sie sich fast zwei Stunden Zeit für die Beweisaufnahme.

Schiedsrichter und Augenzeuge haben nichts gesehen

Der Referee hatte nichts gesehen. Ein Phoenix-Zeuge untermauerte die Version des Phoenix-Akteurs. Der Ersatzkeeper des KSC, der bestens postiert gewesen war, stützte die Kiersper Variante der Geschichte. Ein anderer Kiersper indes, der auch im zivilgerichtlichen Verfahren bei der Polizei ausgesagt hatte, gab zwar an, direkt neben dem Ersatzkeeper gestanden, aber trotzdem von der eigentlichen Tat nichts gesehen zu haben. Das kam Heiko Kölz und seinen Mitstreitern spanisch vor. „Warum melden sie sich dann als Zeuge?“, fragte Udo Klüter nach, Kölz drohte ihm gar ein sportgerichtliches Verfahren an. „Wir glauben ihnen das nicht“, sagte er, „sie haben selbst gesagt, sie haben am meisten gesehen und dann kommt so eine Aussage – das ist erbärmlich.“

Es waren der Widersprüche zu viele. Der Sachverhalt ließ sich letztlich nicht zweifelsfrei klären: „Im Zweifel für den Angeklagten“, sagte Torsten Franke als Vertreter des Kreises Lüdenscheid und beantragte einen Freispruch für den Halveraner. Dem Antrag folgte die Kammer sehr zum Missfallen des Kiersper Kickers. Die Verfahrenskosten trägt der Kreis.

Zwölf Wochen Sperre für eine Spuckattacke

Einen Kicker des B-Kreisligisten RSV Meinerzhagen II sperrte die KSK derweil wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Gegenspieler für weitere zehn Spiele (höchstens zehn Wochen). Der Kicker hatte in der letzten Minute des Testspiel beim FC Schreibershof die Nerven verloren und seinen Gegenspieler, der ihn vorher hart gefoult hatte, angespuckt. Getroffen hatte er ihn am Oberarm. Das gab der Beschuldigte im Lüdenscheider Friedrichshof zu und entschuldigte sich bei seinem Gegenspieler und den Vereinsvertretern aus dem Kreis Olpe. 

Die Kammer rechnete ihm seinen „hervorragenden Eindruck“, den er vor der KSK hinterlassen hatte positiv an. Allerdings hatte der Spieler auch versucht, dem Referee nach dem Spiel einen Eintrag im Spielbericht auszureden. Das kam weniger gut an. Unterm Strich blieb die Kammer gleichwohl mit den insgesamt zwölf Wochen (zwei Wochen sind bereits als Pflichtsperre nach der Roten Karte verbüßt) unter der Maximalsperre. Im Hochsauerlandkreis war für ein ähnliches Vergehen zuletzt eine Sechs-Monate-Sperre verhängt worden. Der RSV Meinerzhagen und der Spieler nahmen das Urteil der KSK klaglos an.

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