Urteil zum D-Liga-Abbruchspiel

„Lebenslang“ für Kicker des RSV Meinerzhagen

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Nach den Vorkommnissen rund ums D-Liga-Spiel zwischen dem TuS Ennepe II und dem RSV Meinerzhagen III – mit Einsatz von Polizei- und Rettungswagen – wurde ein RSV-Kicker lebenslang gesperrt.

Lüdenscheid - Die Urteile bezüglich des D-Liga-Abbruchspiels TuS Ennepe II gegen RSV Meinerzhagen III sind am Montagabend gefällt worden – und sie gehören zweifellos zu den härtesten in der Historie der heimischen Kreisspruchkammer.

So wurde ein RSV-Kicker dauerhaft gesperrt, ein weiterer Mitspieler für 16 Monate bis zum 2. März 2017, ein Ennepe-Akteur für drei Monate bis zum 2. Februar 2016, beide Vereine wegen verschuldeten Spielabbruchs mit einer Geldstrafe von je 350 Euro belegt, die Partie zudem für beide Klubs als verloren gewertet.

Nachdem die drei Beschuldigten sowie sieben Zeugen bereits eine Woche zuvor gehört worden waren, die Verhandlung dann aber vertagt wurde, weil sich noch kein klares Bild ergeben hatte (wir berichteten), erhoffte sich die Kammer am Montag durch die Aussagen zweier Schiedsrichter mehr Durchblick. Halil Kurtal hatte die Partie seinerzeit am 27. September geleitet, sein Hagener Kollege Reiner Gillitzer, der das darauffolgende Spiele pfiff, stellte sich als Zeuge zur Verfügung. Indes: Klarheit gab es nur insofern, als dass die Angelegenheit noch unklarer wurde.

Unstrittig blieb, dass die Eskalation nach dem Enneper Anschlusstor zum 1:4 ab Minute 68 begann. Ein TuS-Akteur wollte von einem RSV-Spieler den Ball, den dieser aber nicht herausrückte. Sowohl Kurtal als auch diverse weitere Zeugen wollen dann einen Würgegriff des Ennepers zum Hals des RSVers gesehen haben, der Enneper selbst sprach hingegen nur von einem „Wischer an seinen Hinterkopf“. Variante Nummer drei steuerte Gillitzer bei, der lediglich ein leichtes Schubsen des Ennepers gesehen hatte: „Ich hatte klare Sicht auf den Vorfall, habe das nicht als Tätlichkeit wahrgenommen und hätte dieses Vergehen im Spiel mit einer gelben Karte geahndet.“ Dieser Sicht folgte die Kammer unter Vorsitz von Heiko Kölz letztlich, sperrte den TuS-Akteur wegen grober Unsportlichkeit für drei Monate.

Kurtal hat keinen einzigen Tritt gesehen

Was diesem Schubser folgte, war derweil weit gravierender. Der RSV-Akteur soll den TuSler zu Boden geschlagen haben, ihm dann noch mindestens zwei Tritte verpasst und später noch einen weiteren am Boden liegenden Enneper getreten haben. Das alles hatte Kurtal nicht beobachtet, aber zumindest in Teilen sein Schiedsrichter-Kollege sowie ebenfalls in Teilbereichen weitere Zeugen. Konsequenz: Wegen tätlichen Angriffs sperrte die Kammer den 26-jährigen RSVer auf Dauer (früher „lebenslänglich“). Frühestens nach 18 Monaten besteht für den Sünder aber die Möglichkeit, ein Gnadengesuch zu beantragen.

Getreten haben soll zudem ein weiterer RSV-Spieler. Auch das konnte Kurtal nicht bestätigen, sprach vielmehr davon, dass dieser mit hohem Tempo an ihm vorbeigerauscht sei, zunächst schlichten wollte, dann aber zugeschlagen habe. Vielleicht als Reaktion darauf, dass er vorher einen Schlag abbekommen hätte. Doch auch dieses Mal folgte die Kammer Kurtals Aussagen nicht. „Andere Zeugen haben von Tritten gesprochen, dazu ausgesagt, dass die Nummern 4 und 10 des RSV regelrecht gewütet hätten und durch nichts aufzuhalten gewesen seien“, erschienen diese Darstellungen Kölz und seinen Beisitzern schlüssiger. So wurde der 25-jährige RSVer wegen tätlichen Angriffs für 16 Monate gesperrt.

Fader Beigeschmack bleibt

Zu den individuellen Strafen gesellten sich anfangs genannte für die Vereine. Denn zumindest das war unstrittig: Nach dem ersten Scharmützel hatte sich in Windeseile eine wüste Massenschlägerei entwickelt, in die Spieler und Zuschauer von beiden Klubs involviert waren.

Dennoch blieben Fragen: Warum zum Beispiel hatte Schiedsrichter Kurtal nicht einen einzigen Tritt gesehen? Auf der anderen Seite hatte er ebenso wie andere Zeugen anfangs deutlich einen Würgegriff des Enneper Spielers gesehen, was beim Urteil gänzlich unberücksichtigt blieb – irgendwie blieb am Montagabend ein fader Beigeschmack. Vielleicht auch deshalb erbaten sich die Vereinsvertreter von TuS und RSV noch Bedenkzeit, das Urteil anzunehmen.

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