Fußball-Kreisliga A

Die Rückkehr des SV Hellas: Aufsteiger ohne Aufstiegsplatz

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Spätestens mit dem 2:1-Erfolg beim damaligen Primus TuS Linscheid unterstrich der SV Hellas im November, dass trotz seines Fehlstarts noch mit ihm zu rechnen ist.

Lüdenscheid – Gemeinsam waren der TuS Versetal und SV Hellas Lüdenscheid in der Saison 2018/19 aus der Kreisliga A abgestiegen, gemeinsam machten sie auch den direkten Wiederaufstieg perfekt.

Doch damit hört es mit den Parallelen auf, denn während die Versetaler aufgrund eines großen personellen Aderlasses ihren Aufstiegsverzicht erklärten, nehmen die Hellenen die Herausforderung mit großer Vorfreude an. Die Freude bei den Honsel-Kickern ist auch deshalb so groß, weil es ein ganz besonderer Aufstieg ist. Denn: Nimmt man die Empfehlungen des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA) zur Wertung der abgebrochenen Saison zum Maßstab, dann hätte Hellas gar nicht aufsteigen dürfen, zudem stand die Mannschaft von Trainer Ioannis Mavroudis im Laufe ihrer 16 Spiele bis Mitte März nicht einmal auf einem Aufstiegsplatz. 

Für den Aufstieg aus der B-Liga vorgesehen waren die ersten Drei der Tabelle nach der Hinrunde bzw. die ersten Drei zum Zeitpunkt des Abbruchs. Zur Saison-Halbzeit aber lagen die Hellenen auf Rang fünf, Mitte März dann auf Platz vier. Zwar bei gleicher Anzahl von Spielen punktgleich mit dem Tabellendritten RW Lüdenscheid II, doch für diesen Fall hatte der VFA empfohlen, als weiteres Kriterium die Tordifferenz heranzuziehen. 

Und diesbezüglich war RWL II deutlich besser. Kurzum: Der SV Hellas hätte nicht aufsteigen können. Ins Spiel kam dann aber die Auf- und Abstiegsregelung für den Kreis Lüdenscheid. Und die sah vor, dass bei punktgleichen Teams im Kampf um Auf- oder Abstieg Tordifferenz bzw. direkter Vergleich keine Rolle spielen, stattdessen ein Entscheidungsspiel angesetzt wird. Das aber war aufgrund der Pandemie nicht möglich, und so plädierte Georg Heimes als Vorsitzender des Kreis-Fußball-Ausschusses (KFA) schon früh dafür, auch die Hellenen aufsteigen zu lassen. Seine KFA-Kollegen sahen das letztlich ebenso, und so wurden neben dem TuS Linscheid, TSV Lüdenscheid II, RW Lüdenscheid II und TuS Versetal auch die Griechen als fünfter Aufsteiger durchgewunken. 

Mavroudis: "Wir sind ein verdienter Aufsteiger"

Letztlich bleiben nach dem Versetaler Verzicht noch vier übrig, sodass die Kreisliga A in der Spielzeit 20/21 16 Mannschaften umfassen wird. „Ich möchte mich noch einmal herzlich beim KFA bedanken, dass er uns die Chance ermöglicht hat. Letztlich finde ich aber, das wir auch ein verdienter Aufsteiger sind“, blickt Mavroudis noch einmal auf die Anfänge seiner Amtszeit zurück. 

Der 50-Jährige hatte Ende Juni 2019 seinen Abschied beim VfB Altena eingereicht, wollte eigentlich eine Pause einlegen. Doch während seines Urlaubs in Griechenland kontaktierte ihn der neue 2. Hellas-Vorsitzende Vassilios Apostolopoulos, der ebenfalls in Griechenland weilte, ob er sich ein Engagement beim SV Hellas vorstellen könne. Mavroudis sagte schließlich zu („Es ist ein Freundschaftsdienst“), fand nach dem Abgang von zahlreichen Leistungsträgern einen ausgedünnten Kader vor, dem es zudem an Fitness mangelte. „Ich bin sehr anspruchsvoll, egal in welcher Spielklasse. Von daher war das zu Beginn sehr schwierig, zumal wir auch schlecht gestart sind“, gelang erst am 5. Spieltag der erste sportliche Sieg. Fortan folgte bis zum Abbruch nur noch eine Niederlage, weil die Mannschaft immer fitter, immer homogener und selbstbewusster wurde. 

Kaderplanung ist auf einem sehr guten Weg

So war es kein Wunder, dass Mavroudis, der von Dimitrios Papadopoulos als spielendem Co-Trainer unterstützt wurde und auch weiter unterstützt wird, schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie eine Verlängerung seines Vertrags in Aussicht stellte. Allerdings nur für den Fall des Aufstiegs, der vor knapp drei Wochen schließlich Realität geworden ist. Das Training ist schon wieder angelaufen. „Wir haben mit zwei Einheiten begonnen, seit knapp zwei Wochen sind es drei pro Woche, was wir bis Anfang Juli noch durchziehen werden. Die Einheiten sind Pflicht, von Freiwilligkeit halte ich nichts“, hat Mavroudis von seinem Ehrgeiz nichts verloren. 

Und auch bezüglich der Kaderplanung sieht sich der SV Hellas bereits auf einem guten Weg. Einziger Abgang ist Cem Karaca (RW Lüdenscheid II), derweil in einem ansonsten recht jungen Team neben gestandenen Spielern wie Giovanni Inchingoli, Toni Liakopoulos und Dino Minacapilli sehr zur Freude des Trainers auch Angreifer Stefanos Kafetzis nach zwischenzeitlichen gesundheitlichen Problemen verlängert hat. Neuzugänge gibt es aktuell bereits fünf: für die Offensive Rückkehrer Nikolaos Orfanos, während Christos Pappas (SC Lüdenscheid II), Kosta Apostolopoulos (RW Lüdenscheid A-Jugend), Michalis Tsakiris (TuRa Eggenscheid) und Iraklis Klazoglou (Hellas Wuppertal) allesamt für den Defensivbereich eingeplant sind. 

Letztgenannter griechischer Ex-Profi ist zweifellos der „Königstransfer“, denn der 31-Jährige hinterließ u.a. bis zu seinem Abschied Ende 2019 beim Landesligisten FSV Werdohl einen exzellenten Eindruck als Innenverteidiger. „Wenn ich jetzt noch einen zweiten Torhüter und weiteren Stürmer bekomme, hätte ich einen 22er-Kader beisammen, mit dem sich was bewegen lässt, wenn die Jungs fit sind. Und dafür werde ich schon sorgen“, kündigt Mavroudis eine knüppelharte, mindestens sechswöchige Vorbereitung an. Aber erst einmal wird am Samstag kräftig gefeiert...

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