Thomas Dregger schwärmt: „Männer, das ist Fußball“

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Da war der SC noch auf Kurs: Artur Krämer schiebt die Kugel abgezockt an RW-Keeper Munzur Sahin vorbei nach fünf Minuten zur 1:0-Führung der Gäste ins Netz.

Lüdenscheid - Nach dem Abpfiff ging’s genauso sportlich fair weiter wie auf dem Platz: Die Kontrahenten gaben sich ordentlich die Hände wie es sich gehört. Gratulationen und tröstende Worte wechselten die Seiten. Dabei war das Bezirksliga-Stadtderby zwischen Rot-Weiß und Sport-Club Lüdenscheid doch keineswegs Ligaalltag, sondern hatte höhere Bedeutung: Nach der 1:7-Schlappe am Nattenberg muss der SC absteigen.

Letztlich hatte der Gast zwar um seine rechnerisch letzte kleine Chance gekämpft, aber richtig dran geglaubt an den noch ein Fünkchen Hoffnung verheißenden Sieg hatte niemand mehr: Neun Ausfälle (Wolf, Dér, Kolodziej, Schmidt, König, Michael Dolezych, Jeworutzki, Liakopoulos und Daniel Schwenck) waren letztlich eine zu hohe Bürde. Nur gut eine Viertelstunde lang konnte das Team von Michael Dolezych und Jörg Schreyer die Rot-Weißen von Thomas Dregger mit dem frühen Führungstor von Artur Krämer aus der Bahn werfen, dann immerhin noch bis zum Seitenwechsel (1:2) halbwegs dranbleiben. Doch mit dem dritten Treffer von Marcel Schönrath brachen beim SC direkt nach Wiederbeginn alle Dämme.

Nichts, aber auch gar nichts hatte die Gästedefensive dem Tempowirbel des RWL-Offensivquartetts mit Ewald Platt, Matthias Urbas, Yasin Güzelcümbüs und Marcel Schönrath entgegenzusetzen, die vornehmlich von Lars Scheerer und Timo Sommer und später Mark Sattler auf dieReise geschickt wurden.

Patrick Klatt kommt für Ewald Platt

Die Rot-Weißen zauberten mitunter, dass der SC nur staunen konnte, von der Körpersprache her bis auf Keeper Alex Goldbach und vielleicht die Routiniers Birol Yilmaz und Mike Wohlpart völlig einbrach. RWL-Coach Thomas Dregger freute sich angesichts der gekonnten Spielweise seiner Truppe beinahe ein Loch in den Bauch – „Ja Männer, das ist Fußball, das will ich sehen“ – und dürfte seine gute Laune auch zu Wochenbeginn kaum verloren haben: Denn den Rot-Weißen ist es gelungen, auch schnell auf den inzwischen bestätigten Abgang von Toptorjäger Ewald Platt in Richtung SV Hohenlimburg 10 zu reagieren: Vom LTV 61 kommt dessen Fast-Namensvetter Patrick Klatt zum Nattenberg, soll dort für Tore und Angriffstempo sorgen.

SCL-Trainerduo macht in der A-Liga weiter

Dagegen gab’s auf der Gegenseite auf dem Kunstrasen erst einmal verständlicherweise ganz lange Gesichter: „Natürlich war unser unglaubliches Verletzungspech mitentscheidend für den Abstieg, weil wir praktisch nie zweimal hintereinander mit der gleichen Besetzung auflaufen konnten. Nimmt man diese Ausfälle und dazu die fest eingeplanten Mittelfeldspielgestalter El Alami und Moumin, die letztlich aber nicht wirklich zur Verfügung standen, ist es nicht so verwunderlich, dass wir dann doch unten im Tabellenkeller stecken geblieben sind“, sagt SCL-Abteilungsleiter Peter Schmalenbach zwar, aber auch: „So wie in der zweiten Halbzeit am Nattenberg darf man sich einfach nicht in einem Derby präsentieren.“

Immerhin – der SC richtet den Blick schnell wieder nach vorn und Schmalenbach stellt auch klar: „Natürlich haben wir angesichts unserer ursprünglichen personellen Ausstattung nicht damit gerechnet, abzusteigen. Aber solch eine Ausfallserie hatten weder wir noch unsere Trainer auf der Rechnung. Klar ist: Die im Winter getroffene Verlängerung der Zusammenarbeit bleibt bestehen, Michael Dolezych und Jörg Schreyer werden den SC auch in der Kreisliga A verantwortlich betreuen.“

Martyniok, Fuks und Ertelt als „Neue“

Und auch für das Kreisoberhaus hat sich der Sport-Club klare Ziele gesetzt: „Wir wollen nicht den Weg anderer Absteiger gehen und nach unten durchgereicht werden“, formuliert Schmalenbach entschlossen und verweist auf den aktuellen Spielerstamm, der dem SC minus Goldbach und Krämer erhalten bliebt. „Auch Birol Yilmaz steht zu seiner Zusage“, tritt der Fußball-Abteilungsleiter anderslautenden Gerüchten energisch entgegen und präsentiert auch gleich drei Neuzugänge: Torwart Tobias Martyniok kommt vom neuen Klassenrivalen SV Hellas. Und ebenfalls aus dem Kreisoberhaus unternimmt mit Herscheids derzeit verletztem Toptorjäger Tobias Ertelt ein Ex-SCer seinen zweiten Anlauf am Wehberg. Vom RSV Meinerzhagen kommt Abwehrspieler Sergej Fuks zurück. „Hinzu kommen Leute aus unserem eigenen A-Junioren-Nachwuchs, der auch weiter in erster Linie die finanzierbare Basis für guten Fußball beim Sport-Club bilden soll“, blickt Schmalenbach zuversichtlich in die Zukunft.

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