Jugendfußball

"Der KJA? Das ist eine tolle Mannschaft, die funktioniert und harmoniert"

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Ein Arbeitszimmer in blau-weiß: Durchschnittlich zwei bis vier Stunden täglich verbringt Detlev Dräger dort, um seine Arbeit als Vorsitzender des Kreisjugendausschusses zu verrichten.

Kreisgebiet – Nach rund 18-jähriger Amtszeit legte Wolfgang Kunde am 28. März dieses Jahres den Vorsitz im Jugendausschuss des Fußballkreises Lüdenscheid (KJA) nieder, als Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Detlev Dräger gewählt. Seit knapp neun Monaten ist der Meinerzhagener und glühende Schalke-Anhänger nunmehr im Amt, zieht eine erste Bilanz und schaut auch schon nach vorne.

Detlev Dräger, wo liegt der persönliche Antrieb, sich derart im Nachwuchsfußball zu engagieren? 

Ich weiß nicht genau, wann es angefangen hat, aber die Arbeit mit Jugendlichen, auch früher außerhalb des Fußballs, ist für mich einfach eine Berufung. Es ist eine Herzensangelegenheit, Erfahrungen weiterzugeben. Und daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert, auch wenn es mit viel Aufwand verbunden ist

Wie hoch würden Sie den Aufwand zeitlich beziffern? 

Im Schnitt kommen da schon zwei bis vier Stunden zusammen, die ich täglich in meinem Arbeitszimmer tätig bin. Ganz ehrlich: So arbeitsintensiv hatte ich mir das nicht vorgestellt. Aber da kommt schon eine Menge zusammen, ob spieltechnische Angelegenheiten, Vor- und Nachbereitung von Sitzungen, Bearbeitung von E-Mails und, und, und... Zumal ich ja auch noch Staffelleiter bin. Außerdem schaue ich mir am Wochenende regelmäßig Spiele an, habe im Februar auch noch den Schiedsrichter-Schein erworben. So etwas geht nur mit Unterstützung des Partners, und die habe ich von meiner Frau zu 100 Prozent. Und wenn mir doch mal alles zu viel wird, schalte ich beim Spaziergang mit unserem Hund ab.

Zum Sportlichen: Ihr Vorgänger sprach bei seinem Abschied im März angesichts nur noch zehn überkreislich aktiver Teams von einer besorgniserregenden Entwicklung... 

Das sehe ich nicht so. Wir haben in der laufenden Saison wieder zehn überkreisliche Vertreter in den Bezirksligen. Ich denke, das ist für einen Kreis unserer Größe in Ordnung. Natürlich wäre es schön, auch mal wieder einen Landes- oder gar Westfalenligisten dabei zu haben, doch das wird immer schwieriger. Die großen Vereine, insbesondere aus dem Ruhrgebiet, scouten immer besser und auch früher, da wandern schon Talente aus dem E- und D-Jugend-Bereich ab. 

Wie sieht es auf der Kreisebene aus? 

Wir pendeln uns konstant irgendwo zwischen 160 und 170 Mannschaften ein. Vor dem Hintergrund, dass der Trend im Verbandsgebiet insgesamt rückläufig ist, ist das erfreulich. Also alles in Butter? Natürlich gibt es Dinge, die meinen Kollegen und mir nicht gefallen. Da ist zum Beispiel ein Trend, dass sich bei den Jüngeren komplette Mannschaften abmelden und zu einem anderen Verein wechseln. Dann haben wir mit einer Zahl von knapp 90 schlichtweg zu wenig Schiedsrichter. Das führt dazu, dass wir Jugendspiele auf Kreisebene nur noch von der A- bis einschließlich C-Jugend besetzen können. Hier müssen wir, wie der Nachbarkreis Olpe, wieder dazu kommen, auch D-Jugend-Spiele komplett besetzen zu können. 

Stichwort Kreisjugend-Sportgericht... 

Die Zahl der unschönen Vorkommnisse hält sich im Rahmen, dennoch ist jeder Fall, ob nach Tätlichkeiten, Beleidigungen usw. eigentlich einer zu viel. Die größten Probleme aber sehe ich – auch durch eigene Erfahrungen, ob als Zuschauer oder jetzt auch Schiedsrichter – im E- und F-Jugendbereich. Nicht unbedingt auf dem Platz, sondern außerhalb. Wie sich dort insbesondere Angehörige der Kinder benehmen, die ja eigentlich Vorbilder sein sollten, ist manchmal schon nur schwer zu ertragen. Ich weiß zwar nicht, ob es der richtige Ansatz ist, aber es gibt in NRW schon Vereine, da müssen Eltern Spieler dieser Altersklassen am Sportplatz abgeben. 

Pauschal: Wie läuft die Zusammenarbeit im KJA und mit den Vereinen? 

Im KJA sind wir sehr gut aufgestellt, haben alle Positionen besetzt. Ohne Übertreibung: Es ist eine tolle Mannschaft, die funktioniert und auch harmoniert. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, es passieren auch Fehler. Letztlich sind wir aber alle ehrenamtlich zum Wohle der Jugend tätig. Und da steht der gegenseitige Respekt ganz oben auf der Agenda. Täuscht der Eindruck, dass Sie sehr viel Wert auf Kommunikation legen? Nein, da haben Sie Recht. Hier ist in der Vergangenheit zu oft gar nicht oder auch nur übereinander geredet worden. Das musste sich ändern und hat sich geändert. Nur ein kleines Beispiel: Rüdiger Dreisbach und ich haben im Vorfeld der Saison schon viele Vereine besucht und werden die restlichen noch vor dem Ende der Winterpause besuchen. Diese Gespräche außerhalb von turnusmäßigen Treffen sind für mich elementar wichtig, um Dinge zu erfahren und darauf gegebenenfalls auch schnell reagieren zu können. 

Ist es richtig, dass die nächste Arbeitstagung nicht im Kreis stattfindet? Wir werden mit Übernachtung am 24. und 25. Januar in Kaiserau sein. Es gibt dieses Angebot vom Verband, warum soll man es nicht mal nutzen? 

Finanziell müssen die Vereine letztlich nur für das Spritgeld aufkommen. Wir haben zwei offizielle Teile am Freitag und Samstagvormittag und können den Freitagabend in größerer und geselliger Runde zum Kennenlernen und Austausch nutzen. 

Weihnachten ist die Zeit des Wünschens, haben Sie noch einen speziellen als KJA-Vorsitzender? 

Dass wir mehr Schiedsrichter brauchen, habe ich schon gesagt. Dazu muss und wird sich auf unserer Homepage des Kreises etwas ändern, denn der bisherige Auftritt ist schlicht eine Katastrophe. Mit Cordula Becker haben wir ja erst kürzlich eine neue Mitarbeiterin für die Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Sie nimmt sich dieser Problematik zeitnah an. 

Detlev Dräger, vielen Dank für das Gespräch!

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