Fußball: Fall Hakan Firat

Dregger stellt die Grundsatzfrage

Hofft auf eine grundsätzliche Entscheidung: Michael Dregger.

Lüdenscheid - Es geht in die nächste Runde: Fußball-Bezirksligist Rot-Weiß Lüdenscheid hat wie angekündigt im Fall Firat Berufung eingelegt und die Berufung inzwischen auch begründet. Nun wird das Verbandsgericht des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes die Entscheidung der Verbandsspruchkammer vom 25. Februar prüfen – nach Absprache mit den Beteiligten im schriftlichen Verfahren.

Michael Dregger, Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid, sieht dieser Überprüfung überaus zuversichtlich entgegen. Auf mehrere Nachfragen erhielt er aus Duisburg wie gewünscht nicht nur eine Begründung des Urteils vom 25. Februar, sondern auch ein Protokoll der Verhandlung. „In diesem Protokoll gibt die VSV Wenden sogar zu, dass Firat in drei Monaten mehr als die für einen Amateur statthaften 249,99 Euro bekommen hat“, sagt Dregger und kann die Entscheidung der Kammer bis heute ganz und gar nicht nachvollziehen. 

Zur Erinnerung: Hakan Firat war im vergangenen Sommer nach Wenden gewechselt. Die Wendener hatten für ihn einen Spielerpass beantragt und erhalten. Der Status des Spielers war der Amateurstatus. Wäre er ein Vertragsspieler gewesen, so hätten die VSV in Duisburg bei der Pass-Stelle einen entsprechenden Vertrag vorlegen müssen. Auch im VSV-Selbstverständnis aber war Firat – so wie viele andere Spieler des Kaders – ein Amateur. 

Ein Amateur darf indes nicht mehr als 249,99 Euro vom Verein bekommen. Auch ein zusätzliches Kilometergeld ist für diesen Status nicht statthaft. Firat aber hat nach eigenen Belegen nicht nur diese 249,99 Euro erhalten, sondern in mindestens drei Monaten deutlich mehr. Die Kammer urteilte gleichwohl, dass er im Mittelwert unter dieser Grenze gelegen habe. Das Protokoll gibt dies aber so nicht unbedingt her. 

Die Rot-Weiß-Argumentation: Wenn Firat, der in der Winterpause zur RWL gewechselt ist, weder Vertragsspieler noch Amateur war, dann kann er gar keinen Spielerstatus für die VSV Wenden gehabt haben, müsste entsprechend sofort für RWL spielberechtigt sein und nicht erst zum 1. Juli. 

Drohen Wenden nach § 44 Punktabzüge? 

Die Spielberechtigung von Firat ist indes nur ein Aspekt der Berufung. „Ich will hier eine grundsätzliche Entscheidung“, sagt Dregger, der die Begründung der Berufung am Ostersonntag durch Rechtsanwalt René Pickard hatte zustellen lassen. Und weil es grundsätzlich werden soll, deshalb ist die Begründung nicht nur den Sportrichtern, sondern auch direkt den Verantwortlichen im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen und im Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verband zugegangen. 

"Grundsätzlich“ bedeutet die Fragestellung: Wie geht der Verband mit jenen Fällen um, in denen Vereine Spieler als Amateure verpflichten, sie dann aber trotzdem höher entlohnen für ihren Dienst – mit Phantasie und Kreativität, aber ohne größere Skrupel in der Berechnung dieser höheren Summen. Noch klarer formuliert: Wendet der Verband in solchen Fällen geltendes Recht an oder toleriert er Zahlungen, die vom Gesetzestext so eben nicht gedeckt sind? Genau hier will RWL eine Grundsatz-Entscheidung – und hat deshalb direkt in der Berufung die Möglichkeit einer Revision vor einem DFB-Bundesgericht beantragt. 

In den Anträgen von RWL in der Berufung gibt es zudem auch einen, der die Verantwortlichen dazu auffordert, wegen Verstoßes gegen § 44 der Spielordnung ein Verfahren gegen die VSV Wenden einzuleiten. Hier wird es konkret und knifflig: Sollte der Verband bei seiner Entscheidung zu dem Schluss kommen, dass Firat weder Vertragsspieler noch Amateur für die VSV gewesen ist, dann müssten dem Olper Verein nach § 44 der Spielordnung alle Punkte, die in Spielen mit Hakan Firat gewonnen wurden, abgezogen werden. Wohlgemerkt würde es sich hier nur um Punktabzüge handeln – die entsprechenden Gegner würden dafür keine Punkte auf der Habenseite erhalten. Gut möglich aber, dass dann der Abstiegskampf der Bezirksliga-Staffel 5 um einen Verein reicher wäre...

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