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Rot-Weiß: Unverständnis beim Ex-Trainer

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Von: Thomas Busch

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Seit Anfang November gibt er bei RWL nicht mehr die Richtung vor: Bayram Celik.
Seit Anfang November gibt er bei RWL nicht mehr die Richtung vor: Bayram Celik. © Machatzke, Thomas

Am Monatsanfang erhielt Trainer Bayram Celik beim Fußball-Landesligisten Rot-Weiß Lüdenscheid den Laufpass. Diese Entscheidung kam für den 43-Jährigen nicht nur überraschend, sondern hat ihn vor allem sehr getroffen. In den ersten Tagen und Wochen danach wollte sich der in der Folge auch gesundheitlich angeschlagene Celik noch nicht zu seiner Entlassung äußern, nun aber nimmt er dazu Stellung.

Lüdenscheid - An erster Stelle auf Bayram Celiks Gefühlsskala rangiert immer noch Unverständnis. „Wenn man vier Spiele hintereinander verloren hat und ein Verein daraufhin sagt, er möchte einen neuen Impuls setzen, kann man das grundsätzlich zwar nachvollziehen“, sagt der Attendorner, „aber in unserem Fall muss man doch die besondere Situation sehen.“

Wir haben in den Wochen vor meinem Rauswurf teilweise nur noch mit acht Leuten trainieren können und waren selbst in den Spielen, die wir gewonnen haben, praktisch immer nur sehr knapp besetzt.

Bayram Celik

Was Celik damit meint, ist die Verletztenliste der Rot-Weißen, die seit Saisonbeginn von Spieltag zu Spieltag länger wurde. „Wir haben in den Wochen vor meinem Rauswurf teilweise nur noch mit acht Leuten trainieren können und waren selbst in den Spielen, die wir gewonnen haben, praktisch immer nur sehr knapp besetzt“, verweist er auf die Personalmisere, die in gleich drei Kreuzbandrissen (Hampel, Lermi, Paraskevopoulos) ihren negativen Höhepunkt fand und sich in den letzten Tagen der Ära Bayram Celik in nicht weniger als 14 (!) Ausfällen widerspiegelte.

Zu einem zentralen Problem avancierte aus Sicht des Ex-Trainers in diesem Zuge die Torhüterposition. „Das Brilon-Spiel zum Beispiel hätten wir mit einem gesunden Keeper niemals verloren“, erinnert Celik an die 4:5-Niederlage im Hochsauerland, bei der Kosta Paraskevopoulos trotz seiner Knieverletzung durchspielen musste und „zwei Bälle kassiert hat, die er ansonsten im Schlaf hält“. Da danach die Saison für Paraskevopoulos vorzeitig beendet war und auch die etatmäßige Nummer eins, Jonas Brackmann, weiterhin ausfiel, musste RWL in den folgenden Begegnungen auf A-Jugend-Schlussmann Elias Caccamo zurückgreifen. „Das ist absolut kein Vorwurf an den Jungen, aber mit Jonas Brackmann im Tor hätten wir in diesen drei Spielen nicht null, sondern mindestens sechs Punkte geholt“, sagt Bayram Celik rückblickend über die mit jeweils einem Treffer verlorenen Duelle mit Germania Salchendorf (2:3), dem SV Schmallenberg/Fredeburg (1:2) und der SpVg. Olpe (3:4).

Für den 43-jährigen Familienvater wäre es angesichts der Ergebniskrise „trotzdem okay gewesen, wenn man gesagt hätte ‚Wir wollen jetzt etwas Neues probieren!‘ “. Dass Rot-Weiß-Vorstandssprecher Michael Dregger aber als einen Grund für die Entlassung ins Feld führte, Celik finde in der schwierigen Situation keine Lösungen mehr, will letzterer so nicht stehen lassen. „Ich denke, wir als Trainerteam haben sehr wohl immer Lösungen gefunden – sei es die Versetzung von Leo Viggiani auf die linke Defensivseite, von Maxi Gutberlet und Ömer Yilmaz auf die ‚Sechs‘ oder von Marvin Bonevski in die Innenverteidigung. Aber wenn kaum noch Leute da sind, sind die Möglichkeiten nun ‘mal eben irgendwann erschöpft.“

Wenn ein Großteil der Mannschaft gegen den Trainer ist, bleibt einem Verein natürlich keine Wahl mehr. Aber das war bei uns doch gar nicht der Fall, was mir die internen Reaktionen auf meine Entlassung auch bestätigt haben. Und klar ist: Zwei, drei unzufriedene Spieler finde ich jederzeit in jeder Mannschaft!

Bayram Celik

Zum Dregger-Argument, einzelne Spieler seien unzufrieden gewesen, sagt der Ex-Coach: „Wenn ein Großteil der Mannschaft gegen den Trainer ist, bleibt einem Verein natürlich keine Wahl mehr. Aber das war bei uns doch gar nicht der Fall, was mir die internen Reaktionen auf meine Entlassung auch bestätigt haben. Und klar ist: Zwei, drei unzufriedene Spieler finde ich jederzeit in jeder Mannschaft!“ Noch immer ist sich Celik absolut sicher: „Wir wären gemeinsam aus dieser schwierigen Situation herausgekommen!“

Im Vorfeld seiner unfreiwilligen Demission hätte sich der frühere Meinerzhagener das eine oder andere Gespräch mit dem RWL-Vorstand gewünscht. „Leider wurde ich am Ende nur vor vollendete Tatsachen gestellt“, beklagt er und spricht Michael Dregger und dem sowohl als Spieler wie als Mitglied der Sportlichen Leitung fungierenden Julian Kroll ab, die Situation in ihrer Gänze beurteilen zu können: „Julian war in den letzten sechs Wochen meiner Zeit als Rot-Weiß-Trainer vielleicht zwei Mal beim Training – und Michael auch nicht öfter...“

Dennoch blickt Bayram Celik nicht im Groll auf seine rund zweieinhalb Jahre am Nattenberg zurück und weilte am vergangenen Sonntag erstmals als Zuschauer bei einem Spiel seines Ex-Klubs. „Ich wollte vor allem die Jungs wiedersehen“, sagt er und empfindet nach eigenem Bekunden auch keinerlei Genugtuung darüber, dass der Trainerwechsel beim Landesliga-Zwölften zumindest kurzfristig noch keinen Effekt gezeitigt hat: Unter der Regie von Celiks vormaligem „Co“ Ümit Dilmen kam RWL beim FC Borussia Dröschede zu einem 2:2-Unentschieden und verlor gegen den SuS Bad Westernkotten und beim FSV Gerlingen jeweils mit 0:3.

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