KJSK-Premiere mit Kampfsport statt Fußball

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Die KJSK mit (v.l.) Silke Auras, Ralf Willschütz, Peter Schmalenbach, Ismail Zengin und Siegfried Teller tagte am Montagabend erstmals im Lüdenscheider Friedrichshof.

Lüdenscheid -  Premiere für die Jugendspruchkammer des Fußball-Kreises Lüdenscheid unter Vorsitz von Ralf Willschütz als Nachfolger des Plettenbergers Michael Arndt. Beim schwierigsten der drei im neuen Tagungslokal „Friedrichshof“ in Lüdenscheid verhandelten Fälle freilich musste der Lüdenscheider Chef den Vorsitz für Stellvertreter Peter Schmalenbach räumen, da der Willschütz-Club VfB Altena selbst involviert war.

Von Jörg Hellwig

Da beschäftigten sich nämlich die Sportrichter zum Abschluss der gut dreieinhalbstündigen Sitzung mit dem B-Juniorenduell zwischen dem VfB und Hellas Lüdenscheid, das der Schiedsrichter bei seiner ersten Spielleitung offenbar nach 78 Minuten abgebrochen hatte, obwohl er zunächst den elektronischen Spielbericht mit einem 3:1-Sieg der Gastgeber freigegeben hatte. Erst nach Rücksprache mit Schiri-Lehrwart Christian Liedtke hatte er einen Sonderbericht verfasst.

Und der belegte, das die Nachwuchskicker, aber auch deren Trainer in der Schlussphase einer bis dahin ruhig verlaufenen Begegnung, gewaltig aus dem Ruder gelaufen waren. Letztlich sah die Kammer als erwiesen an, dass dem Hellas-Trainer durchaus eine Mitschuld für die Eskalation angelastet werden muss: Der hatte auf eine Beschimpfung seines Keepers, der den Ball vor die Werbebanden geschossen hatte, durch einen Zuschauer derart überreagiert, dass er über die Bande in den Zuschauerbereich gesprungen war und sich dort ein Wortgefecht mit dem VfB-Mitglied geliefert hatte.

Er war dann zwar wieder auf die Bank zurückgekehrt, aber nach Schiri-Eindrücken hatte sich die Atmosphäre auf dem Feld derart aufgeladen, dass einige Minuten danach – in der 78. Spielminute – das Fußballspiel in eine Massenschlägerei mündete. Unmittelbarer Auslöser war ein offenbar ungeahndetes Nachtreten eines Altenaers gegen einen Hellas-Akteur. Blitzschnell kam’s zur Rudelbildung, in der nicht nur geschrien, geschubst und getrennt, sondern auch geschlagen und getreten wurde. Der unerfahrene Schiri begab sich persönlich ins Getümmel, um die Kontrahenten zu trennen, anstatt auf Distanz zu gehen und Übeltäter zu notieren. Er konnte deshalb allein einen Altenaer Kicker zweifelsfrei identifizieren, der einen am Boden liegenden (!) Hellas-Akteur mit dem Fußballschuh vor den Kopf getreten hatte. Zudem hatte der Coach der sofort umsichtig die Lager trennend eingreifenden zweiten Seniorenvertretung des VfB, zweifelsfrei den – ihm persönlich unbekannten – VfB-Trainer beobachtet, wie der nicht etwa schlichtend tätig war, sondern einen Hellas-Akteur geschlagen hatte.

Das Gros der Prügler geht straffrei aus

Obwohl nach Schiri-Angaben sich sicher mehr als ein halbes Dutzend Akteure beider Seiten allein an den fußballfremden Kampfsporteinlagen beteiligte, waren letztlich nur vier Beschuldigte zweifelsfrei identifiziert und konnten entsprechend belangt werden.

Und dabei ließen der „Nachrückvorsitzende“ Peter Schmalenbach und seine Mitstreiter noch erstaunliche Milde bei den Haupttätern walten: Der VfB-Trainer, dem natürlich eine besondere Vorbildfunktion zukommt, wurde eine Funktionssperre bis zum 31. Mai nächsten Jahres aufgebrummt. Der VfB muss das Verbot überwachen und wird bei Verstoß mit einer 250-Euro-Ordnungsgeld be-straft. Beim Urteil trug die Kammer dem „jugendlichen Alter“ des Trainers Rechnung. Gleiches trifft auch für den überführten und geständigen VfB-Kicker zu: Zwar wies Schmalenbach ausdrücklich darauf hin, dass es bei einem Tritt mit dem beschuhten Fuß gegen einen Kopf durchaus auch zu bleibenden Schäden kommen kann, doch die Strafe fiel mit einer Sperre bis zum 1. März nächsten Jahres angesichts der bevorstehenden längeren Winterpause ausgesprochen human aus.

Mit einem blauen Auge kam auch der Hellas-Trainer davon. 150 Euro Geldstrafe und ein strenger Verweis mit Hinweis auf eine zwingend erforderliche Funktionssperre beim nächsten Vorfall sind das Ergebnis seines unrühmlichen Auftritts im Reinecke-Stadion. Einen Verweis erhielt schließlich auch noch das meckernde VfB-Mitglied, von dem sich der Hellenen-Coach offenbar wegen Beschimpfung seines Spielers provoziert gefühlt hatte.

Wegen der Kürze der verbliebenen Spielzeit und des ursprünglich als normal beendet geführten Spielberichts bleibt die Spielwertung nach Auskunft von Kammer und Staffelleiter mit dem 3:1-Erfolg für den VfB bestehen.

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