Corona-Entwicklung im Sport

Neue Auflagen, neue Sorgen und immer neue Spielabsagen in allen Sportarten

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Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss: Fans mit Maske beim Heimspiel der SGSH Dragons.

Kreisgebiet – Die zweite Welle, sie hat für die Handballer in diesem Corona-Herbst eine ganz neue Bedeutung. Die zweite Welle mit Covid-19-Infizierten rollt, das Robert-Koch-Institut meldete mit bundesweit 7334 Neuinfektionen am Freitag so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Nahezu das gesamte Ruhrgebiet ist inzwischen Risikogebiet – und im Märkischen Kreis wurde am Freitag die erste Corona-Warnstufe mit dem Überschreiten der 35er-Inzidenzmarke erreicht. Die zweite Welle, sie zieht die Schlinge wie schon im Frühjahr auch im Sport wieder zu. Die Sorgenfalten bei Verbands-, Kreis- und Vereinsfunktionären und natürlich den Aktiven selbst werden tiefer – und zwar nicht nur bei den Handballern, sondern sportartübergreifend. – Ein Überblick: 

Fußball: Am Donnerstag wurde in der Lüdenscheider Kreisliga A die Partie zwischen dem SC Plettenberg und dem TuS Linscheid-Heedfeld, die am ursprünglichen Termin coronabedingt abgesagt werden musste, nachgeholt. Schon vor Anpfiff dieses Nachholspiels wussten die Plettenberger, dass die Tabellenbegradigung nur von kurzer Dauer sein und das Auswärtsspiel am Sonntag bei Rot-Weiß Lüdenscheid II ausfallen wird. Grund: Ein Spieler der Rot-Weißen hatte am Donnerstagmorgen einen positiven Corona-Befund erhalten. Die Sonntagspartie am Nattenberg wurde umgehend gestrichen. Ob die Rot-Weiß-Reserve am Mittwoch zum Nachholspiel beim RSV Meinerzhagen II wird antreten können – es ist in diesen Zeiten so sicher wie eine Nassrasur mit verbundenen Augen und Händen. Der Amateursport, er fährt nur noch auf Sicht. 

Das wurde insbesondere am Freitag in einigen Gesprächen mit heimischen Trainern deutlich. „Wer weiß, ob wir überhaupt noch am Sonntag spielen“, sagte der eine oder andere Übungsleiter. Die Antwort lautete: „Ja, ihr könnt spielen.“ Das Landeskabinett in Düsseldorf sprach am Freitagnachmittag jedenfalls kein generelles Kontaktsportverbot aus. 

„Die Sorgen werden mit den steigenden Zahlen immer größer“, sagte Michael Ternes bereits am Donnerstag. Der Vorsitzende des Arnsberger Kreisfußballausschusses, der zugleich Staffelleiter der Kreisliga A und auch Schiedsrichter ist, schaut nahezu täglich auf die Sieben-Tages-Inzidenz im Hochsauerlandkreis und Märkischen Kreis, aber auch auf die Zahlen der Nachbarkreise Olpe oder Soest. „Die Einschläge kommen näher“, sagte Ternes. 

Im Fußballkreis Arnsberg konnten bislang mit Ausnahme eines einzigen Spiels alle Partien wie geplant über die Bühne gehen. „Bis jetzt haben wir in dieser Hinsicht noch Glück gehabt“, so Ternes. Spieler, die aus Angst vor einer Infektion nicht trainieren oder sonntags um Punkte kicken, kennt der Funktionär im Kreis Arnsberg nicht, bei den Schiedsrichtern aber sieht das anders aus. In der Vorbereitung und auch zu Saisonbeginn habe es den einen oder anderen Referee gegeben, der aus Sorge, sich bei einer Spielleitung mit Sars-CoV-2 anstecken zu können, auf Einsätze verzichtet habe. Michael Ternes, selbst Schiedsrichter, kann das verstehen. „Man macht sich vor und nach dem Spiel schon so seine Gedanken.“ Nicht nachvollziehen kann Ternes, warum sich manche Zuschauer auf den Sportplätzen immer noch nicht an den gebotenen Mindestabstand halten. 

Handball: Im Kreis Lenne-Sieg ruht der Spielbetrieb dieser Tage – Herbstferienpause. Für die Funktionäre im Kreis ist die Pause willkommen, um in Ruhe die Dinge einzuordnen. „Wir alle stellen uns die Frage, wie es weitergehen soll“, sagt der Kreisvorsitzende Klaus Krass (Lennestadt), „natürlich haben viele Menschen Angst, und die ist ja auch berechtigt.“ Vor Ende der Herbstferien will sich der Kreisvorstand zusammensetzen und die Lage in den einzelnen Kommunen zwischen Lüdenscheid und Bad Berleburg erörtern. 

„Erst war es ein Corona-Fall in Netphen, nun ist es einer in Ferndorf – und niemand weiß doch, wo es in der nächsten Woche vielleicht etwas geben wird“, sagt Krass, dem eines besonders wichtig ist: Ganz egal, welche Entscheidungen der Kreis treffen wird – man will die Vereine mit ins Boot nehmen, die Entscheidung so transparent wie möglich machen. Krass ist nicht nur Kreisvorsitzender, sondern auch Trainer des A-Kreisligisten Lennestadt-Würdinghausen – und damit ein Mann aus der südwestfälischen Corona-Hochburg, dem Kreis Olpe. „Wenn ich jetzt ein Testspiel machen möchte, sagen die anderen auch schon mal – naja, im Moment vielleicht eher nicht mit euch...“, sagt Krass, „und ich kenne auch Handballer, die über die Corona-Zeit generell aufgehört haben und nun lieber Fahrrad fahren. Manchen ist ein Hallensport zu gefährlich – da geht es vielleicht um den Job, oder darum, dass daheim jemand sitzt, der aus der Risikogruppe stammt. Man muss das verstehen. So gerne ich es sehe, dass Handball gespielt wird – die Gesundheit geht am Ende immer vor...“ 

Gegen "Kabinenpartys und Sangeswettbewerbe im Bus"

Eine Entwicklung, die Krass gleichwohl mit Blick auf den Rückgang der Mannschaftszahlen Sorgen macht. „Die Lage ist ohnehin schwierig – und je länger man nun wegen Corona pausiert, um so schwieriger wird sie.“ Was sich der Kreisvorsitzende aus der Praxis wünscht, ist eine Zugänglichkeit zu den Hygienekonzepten in allen Hallen – für alle Vereine. „Zuletzt war es doch so, dass ich vor einer Auswärtsfahrt erst mal telefoniert habe: Dürfen Zuschauer mitkommen? Haben wir eine Kabine? Kann man duschen?“, sagt Krass, „diese Fragen müssen doch vorher beantwortet werden.“ 

Nun sollen die Hygienekonzepte auf dem Handball-Verwaltungs-Portal Phoenix für alle bereitgestellt werden. Es wäre eine erste Erleichterung im Alltag. „Und dann müssen die Konzepte auch umgesetzt werden“, sagt Krass, der zuletzt von Schiedsrichter auch vereinzelt Rückmeldungen bekommen hat, dass dies nicht überall so ist, „die Konzepte sind gut – aber nur dann, wenn sich auch alle daran halten...“ 

in Aufruf, der sich deckt mit einem Schreiben des HV Westfalen, das am Donnerstag an alle Vereine ging. Darin mahnen die Staffelleiter Bernd Kuropka und Andreas Tiemann, die Vorgaben der Corona-Schutzverordnungen umzusetzen, sprechen sich für eine Masken-Empfehlung in allen Sporthallen sowie gegen „zünftige Kabinenpartys“ und „Sangeswettbewerbe mit alkoholischer Beteiligung“ auf Rückfahrten im Bus aus. 

Tischtennis: Die Nachricht kam am Donnerstag – und sie veranlasste den Vorstand des TTC Altena zum sofortigen Handeln. Ein Spieler des Altenaer Regionalligateams hat sich nachweislich mit Sars-CoV2 infiziert. Folglich informierte der TTC umgehend den Verband, der das Heimspiel gegen die TG Neuss absetze. Nachholtermin soll der 20. Dezember sein. 

„Du liest immer von Corona – und auf einmal ist Corona ganz nah bei dir“, sagt der TTC-Vorsitzende Ralf Springob, der mit seinem Vorstandsteam auch das Vereinstraining am kommenden Dienstag absagte. Wo sich der TTC-Spieler angesteckt hat, es ist und bleibt Spekulation. Obwohl die Corona-Schutzmaßnahmen beim Tischtennis im Gegensatz zu anderen Sportarten strenger sind und in den Sporthallen Maskenpflicht besteht, sind die Bedenken und Sorgen im Tischtenniskreis Lüdenscheid nicht geringer. Zumal beim Tischtennis auch viele ältere Sportler noch im Spielbetrieb mitwirken. 

"Ein anderes Miteinander in der Halle"

„Ich weiß, dass einige Spieler aus Angst vor einer Infektion nicht mehr spielen wollen“, sagt der Kreisvorsitzende Edgar Schwarzkopf und nennt Spieler „im mittleren Alter, aber auch ganz Ältere“. Schwarzkopf selbst schlägt in der Bezirksklasse für Affeln auf und gibt zu, dass auch er „durchaus Bedenken“ habe, wenn er bei steigenden Infektionszahlen an den Tisch trete. 

Bei der TTSG Lüdenscheid als einem der großen Vereine der Region hat man eine ähnliche Erfahrung gemacht. „Es gibt da eine nicht unerhebliche Anzahl von Leuten, die im Moment gar nicht mehr spielen wollen“, sagt Arnd Katzke, „vorwiegend aus unteren Klassen und Leute, die auch vorher nicht so regelmäßig gespielt haben.“ Die TTSG Lüdenscheid hat deshalb eine Mannschaft vom Spielbetrieb zurückziehen müssen – interessanterweise nicht die Mannschaft, in der die „Oldies“ des Vereins (teilweise über 80 Jahre alt) spielen. Die nämlich gehen trotzdem weiter an die Platte. Im WTTV sind viele Mannschaften zurückgezogen worden – aber vor allem auf den unteren Spielebenen. 

„Die Mehrheit ist aber froh, dass sie spielen kann“, sagt Katzke nach seinen bisherigen persönlichen Erfahrungen, „Sport verbindet. Das merkt man im Moment ganz besonders bei den Spielen. Die Leute erleben diese Spiele im Moment als etwas viel Wertvolleres als vorher. Ich habe auch die Wahrnehmung, dass das Miteinander mit dem Gegner im Moment ein viel netteres ist.“ Wie lange noch? Katzke bleibt als oberster Sportrichter im WTTV „verhalten skeptisch“, wie es am Ende bei steigenden Corona-Zahlen mit dieser Saison noch so weitergehen wird...

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