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SGSH-Besuch beim Ex-Coach: Zuschauerrekord, Freundlichkeiten und gar keine Spannung

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Von: Thomas Machatzke

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SGSH Krefeld Handball Wiedersehen
Pressekonferenz: Mark Schmetz von Autogrammjägern umringt, Maciej Dmytruszynski vor seinem Statement. © Machatzke, Thomas

Dass Handball-Drittligist SGSH Dragons am Samstag beim großen Wiedersehensabend mit Ex-Trainer Mark Schmetz, Ex-Kapitän Christopher Klasmann und Ex-Abwehrchef Philipp Dommermuth in der Glockenspitzhalle 21:32 (12:17) bei der HSG Krefeld unterlag – es war ein Ergebnis, das nicht aufhorchen ließ. Erwartbar war es eher schon, und nach den 60 Minuten auch gerecht.

Krefeld – Krefeld contra SGSH: Diese Konstellation zog auch am Samstag noch, obwohl sich die SGSH in dieser Spielzeit aus jener Tabelleregion verabschiedet hat, in der die beiden Westrivalen noch im vergangenen Jahr erbitterte Widersacher waren. 1294 Zuschauer wollten die Neuauflage dieses Duells am Samstagabend sehen – das waren sogar 41 Zuschauer mehr als kürzlich beim Krefelder Heimsieg im Gipfeltreffen gegen Emsdetten. Saisonrekord. 

Einer, der freilich nicht nur auf die Wirkung der SGSH, sondern auch darauf zurückzuführen war, dass das studentische Werk zum Famlientag geladen hatte. Und zudem gab es in der Stadt mit 13 Handballverein wegen der Spielpause über den Totensonntag kaum Konkurrenzveranstaltungen. Handballeuphorie am Niederrhein. Entsprechend zu tun hatten Schmetz, Dommermuth, Klasmann und ihre neuen Handballkollegen nach dem Schlusspfiff beim Bedienen der jungen Autogrammjäger.

SGSH-Chefcoach Maciej Dmytruszynski schaute dabei ein wenig traurig zu. Gerne hätte er seinen Ex-Chef Schmetz ein bisschen mehr geärgert. „Es ist schade, dass wir so hoch verloren haben“, stellte er fest, „wir haben nicht gezeigt, was wir können, haben ohne Mut und Selbstvertrauen gespielt, sind immer wieder ins Zeitspiel gekommen, weil wir die Dinge nicht diszipliniert und konsequent auf den Punkt gespielt haben.“

SGSH-Besuch beim Ex-Coach: Zuschauerrekord, Freundlichkeiten und gar keine Spannung

Nach den Siegen gegen Minden II und Spenge und nach einem überraschenden 3:1- und 4:2-Start (6.) am Glockenspitz hatte die SGSH eigentlich eine breite Brust gegen den Primus. Der brauchte einen Moment, um sich zu sortieren – und vielleicht spielte nach den drei Niederlagen in den drei Vergleichen der Vorsaison auch der Kopf eine Rolle in dieser Startphase.

Doch die Startphase war eben nur eine Momentaufnahme. Die HSG stabilisierte sich defensiv, die SGSH fand immer weniger Ideen, klare Abschlüsse zu kreieren. Vorne ging mal wieder Merten Krings voran beim Schmetz-Team, das beim 6:5 (11.) erstmals führte und weitere elf Minuten später (13:9) den Blinker gesetzt hatte und auf die Siegerstraße abgebogen war. 17:12 zur Pause – das war irgendwie standesgemäß. 

SGSH Krefeld Handball Wiedersehen
Mittendrin statt nur dabei: Julius Walch (Zweiter von rechts) wurde am Samstag als Debütant direkt ins kalte Wasser geworfen, sperrt hier den Weg für Brian Gipperich frei. © Machatzke, Thomas

„Natürlich hatte jeder noch die drei Spiele der letzten Saison im Kopf, aber die Mannschaften haben sich ja doch verändert“, stellte Mark Schmetz fest, „mir war klar, dass wir vor allem ruhig und geduldig bleiben müssen. Und das haben wir dann auch sehr gut gelöst. Wir haben gut gestanden, da hat die SGSH irgendwann keine Lösungen mehr gefunden. Und vorne haben wir keine verrückten Sache gemacht und sind trotzdem Tor für Tor davongezogen.“

Während bei der SGSH Kapitän Florian Diehl und auch Kreisläufer Oliver Perey verletzt fehlten, hatte auch Schmetz längst nicht die komplette Kapelle an Bord. Die drei Linkshänder Brüren, Hahn und Schulz fehlen schon länger, dazu Spielmacher-Neuzugang Claasen. Aber die Ressourcen, die der Krefelder Kader bietet, sind eben ganz andere als bei der SGSH. Da durfte ein Philipp Dommermuth lange zuschauen, gemeinsam mit Obradovic oder dem gerade von der belgischen Nationalmannschaft für die WM nominierten Braun, die bei vielen Ligakonkurrenten wohl auch gesetzt wären.

SGSH Krefeld Handball Wiedersehen
„Weißt Du noch damals am Volmewehr?“ Die beiden Ex-Volmetaler Philipp Dommermuth und Jan König, die zusammen zur SGSH kamen, nun am Glockenspitz als Gegner im Austausch. © Machatzke, Thomas

„Ich musste ja diesmal ein paar Jungs reinwerfen, die bisher nur Erfahrung in der Verbandsliga haben“, stellte Maciej Dmytruszynski auch mit Blick aufs Drittliga-Debüt von Julius Walch fest, der sich die Kreisläuferrolle mit Nico Jannack teilte. Beide machten ihre Sachen sehr engagiert und ordentlich. An ihnen lag es nicht, dass die SGSH letztlich chancenlos blieb.

Chancenlos nämlich blieb sie auch nach der Pause. Nach dem 19:13 (36.) spielte Dmytruszynski mit dem 7. Feldspieler seinen letzten vermeintlichen Trumpf aus. Das sah auch erst gut aus (21:17, 39.), doch letztlich blieb die SGSH in dieser Variante in der Rückzugsbewegung zu unkoordiniert. Aus dem 21:17 wurde ein 25:18 (42.) – und bald fingen beide Seiten an munter durchzuwechseln – ganz einfach, weil die Partie es hergab, Spielanteile zu verteilen. Die Fronten, sie waren geklärt. 

SGSH Krefeld Handball Wiedersehen
König der Kinder: Philipp Dommermuth. © Machatzke, Thomas

Die Zuschauer hatten gleichwohl Spaß dran, auch wenn das Spiel vieles bot, nur eines nicht: Spannung. Ungewöhnlich für Duelle der beiden Rivalen, in denen Mark Schmetz, inzwischen mit dem Fressnapf-Logo auf der Brust, seine weiße Weste verteidigte. Vier Spiele, vier Siege – dreimal mit der einen, einmal nun mit der anderen Seite.

Genugtuung nach dem Sommertheater? „Nein“, stellte Schmetz fest, „ich habe mich wirklich riesig gefreut, die Jungs wiederzusehen, auch Maciej, habe vorher mit den Fans gesprochen. Und natürlich freue ich mich über den Sieg gegen den alten Verein. Es gibt aber keine negativen Gefühle oder irgendetwas in dieser Art. Einfach nur normale Freude!“ Sprach‘s, und widmete sich danach wieder einer Autogrammjägerin. Dienst-Tage am Glockenspitz sind Dienst-Tage mit Überstunden.

SGSH Krefeld Handball Wiedersehen
Wiedersehensfreude: Christopher Klasmann und Maciej Dmytruszynski. © Machatzke, Thomas

Die Statistik zum Spiel

HSG: Lasse Hasenforther, Sven Bartmann (ab 50.), Gustav König (n.e.) - Pascal Noll (8/3), Merten Krings (7), Julian Athanassoglou (5), Christopher Klasmann (4/1), Maik Schneider (3), Nick Braun (2), Loic Kaysen (1), Lars Jagieniak (1), Philipp Dommermuth (1), Matija Mircic, Fritz Ferdinand Bitzel, Andrej Obranovic

SGSH: Luca Jannack, Hendrik Halfmann (18.-30.) - Tobias Schetters (8/2), Brian Gipperich (6), Nico Jannack (2), Vladislav Yorgow (2), Denyz Nikulichev (1), Jan König (1), Bogdan Criciotoiu (1), Erik Blaauw, Julius Walch, Christopher Börner, Finn Schnepper

Schiedsrichter: Christian Schneider und Gleb Sakovski (Wuppertal)

Zeitstrafen: HSG 1 - SGSH 4

Siebenmeter: HSG 4/4 - SGSH 2/4 (verworfen: Schetters und Yorgow)

Zuschauer: 1294

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