Fußball

Militärgruß-Debatte: Zurückhaltung im Kreis Lüdenscheid

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Symbolbild

Kreisgebiet – Am Wochenende hatten Spieler des Fußball-Kreisligisten Türkspor Herne vor der Partie ihre Gegner vom FC Castrop-Rauxel mit dem Militärgruß, den zuletzt auch die türkischen Nationalspieler gezeigt hatten, provoziert. Die Stimmung war anschließend so aufgeheizt, dass die Begegnung eskalierte und abgebrochen werden musste.

Am Mittwochnachmittag eskalierte die Situation am Lüdenscheider Sternplatz, als es bei der als Mahnwache geplanten Demonstration von Kurden auf dem Sternplatz zu schlimmen Auseinandersetzungen mit Türken gekommen war, die am Rande der Mahnwache die Kurden provoziert hatten. Der Konflikt in Nord-Syrien beschäftigt auch Deutschland. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat gestern Stellung bezogen, nachdem es auch in Westfalen Nachahmer des Militärgrußes gegeben hatte. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass so ein Verhalten auch auf westfälischen Plätzen nicht zu tolerieren ist. „Dieses Verhalten entspricht in keiner Weise den Werten und Grundsätzen des Verbandes, denen er sich im § 4 der Verbandssatzung und im auf dem Verbandstag 2019 verabschiedeten Ethik-Codex verschrieben hat“, heißt es in der Erklärung.

„Der Fußball lässt sich nicht für Diskriminierung missbrauchen“

„Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen“, stellte der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Manfred Schnieders am Abend stellvertretend für das gesamte Präsidium klar. Andree Kruphölter, im Präsidium für Rechtsfragen zuständig und Fairplay-Beauftragter, kündigte sportstrafrechtliche Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens vor dem Verbandssportgericht an. „Wir haben eine ganz klare Linie, die besagt: Null Toleranz für solches Gebaren“, so Kruphölter, der sich damit dem Vorgehen der anderen Landesverbände anschließt.

Klaus Scharf,Vorsitzender des Fußballkreises Lüdenscheid.

Auch Riza Öztürk, Integrationsbeauftragter des FLVW, befürwortet diesen Kurs: „Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Vereinen und bieten unsere Hilfe an.“ Der Kreis Unna/Hamm hat zum Beispiel angekündigt, dass er bei Vorfällen dieser Art die Schiedsrichter anhält, dies im Spielbericht einzutragen. Die Fälle sollen dann direkt an die Sportgerichtsbarkeit abgegeben werden. Im Kreis Lüdenscheid geht man derweil zurückhaltender mit dem Thema um. Der Kreisvorsitzende Klaus Scharf (Meinerzhagen) rechnet nicht mit solchen Vorfällen.

TS Plettenberg distanziert sich von Zwischenfällen

„Wir können auch nicht auf allen Plätzen sein“, sagt der Meinerzhagener und will erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Beim Türkischen SV Lüdenscheid rechnet man auch nicht damit, dass es zu Vorfällen kommen wird. „Das ist eine politische Geschichte. Wir haben uns politisch immer rausgehalten und sind mit dieser Philosophie eigentlich auch immer gut gefahren“, sagt Alpay Kilinc, 1. Vorsitzender des TSV, „es kann immer sein, dass es Leute gibt, die extremer denken. Aber die müssen sich im Verein unterordnen. Ich werde noch einmal mit den Trainern sprechen und hoffe ganz einfach, dass es nicht zu Vorfällen kommen wird.“

Ähnlich sieht es bei Türkiyemspor Plettenberg aus, das sich von den Vorfällen rund um die Nationalmannschaft ebenfalls klar distanziert. „Bei uns in der Mannschaft ist das kein großes Thema. Wir konzentrieren uns auf unsere Spiele und wollen diese für uns entscheiden. Wir würden uns einen Militärgruß auch nicht erlauben“, erklärte Hüseyin Seyhan, der als Betreuer bei den Plettenbergern tätig ist. Zudem fügte Seyhan an: „Ich lebe hier in Deutschland und bin auch hier aufgewachsen, ich möchte damit nichts zu tun haben.“ In Werdohl-Altenmühle, wo neben dem TuS Versetal auch Eyüpspor Werdohl zu Hause ist, gibt Spielertrainer Ismail Uzunoglu indes durchaus zu, dass die aktuelle Situation eine belastende ist für die türkischen Kicker.

Eyüp will sportlich fair bleiben

„Es ist schwierig. Wir wollen uns raushalten, aber das Ganze geht natürlich nicht spurlos an uns vorbei. Was da in Lüdenscheid passiert ist, das ist schon heftig...“ Uzunoglu ist in Bonn geboren, seine drei Kinder wachsen in Deutschland auf und sprechen die deutsche Sprache perfekt, sind vollauf intengiert, aber natürlich ist die Verbundenheit mit seinem Heimatland da. „In Deutschland bin ich der Türke, in der Türkei bin ich der Deutsche“, sagt Uzunoglu und sieht das Salut-Zeichen vor allem als Zeichen der Solidarität mit den türkischen Soldaten. Er hat kein Problem damit und möchte aber trotzdem nicht, dass sein Team mit diesem Zeichen auffällt.

„Wir wollen kein Theater, wir wollen sportlich fair bleiben“, sagt der Coach. Es soll auf dem Kunstrasen um Fußball gehen am Sonntag. Dann übrigens treffen sich mit Eyüpspor und dem Türkischen SV zwei türkische Vereine zum Bruderduell in Altenmühle. Beide haben sportlich genug Nachholbedarf in der laufenden Saison und sind gut beraten, sich am Sonntag ab 15 Uhr ganz auf den sportlichen Part zu konzentrieren...

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