Fußball

Verband verkündet Absage - das sagen die Ausrichter der Traditionsturniere im MK

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Eine volle Tribüne beim Sauerland-Cup in Böddinghausen - das wird es nach der Absage der Hallenturniere im Januar 2021 nicht geben.

Der am Montag verkündeten Absage für sämtliche im nächsten Winter geplanten Hallenturniere im Jugend- und Amateurbereich fallen auch einige Traditionsveranstaltungen und hochkarätig besetzte Turniere wie der Sauerland-Cup des TuS Plettenberg oder das Kiersper Hallenturnier zwischen den Feiertagen zum Opfer. Wie gehen die betroffenen Vereine damit um?

Hallenturnier am Kiersper Felderhof

Die traditionsreichste Hallenfußballveranstaltung im Kreisgebiet ist fraglos das Turnier des  Kiersper SC. Seit der  Erstauflage im Jahr 1975 hat es stolze 45 Mal stets zwischen Weihnachten und Silvester stattgefunden – daran änderte selbst der Brand der Felderhof-Sporthalle vor 14 Jahren nichts, weil man dann eben zwei Mal zum Meinerzhagener Rothenstein auswich.

Doch härter als die fraglos unschöne Unterbrechung einer Tradition trifft den ausrichtenden KSC der mit der Absage verbundene finanzielle Ausfall. „Unser Hallenturnier beschert uns Jahr für Jahr Einnahmen, die einen beträchtlichen Teil unseres Etats ausmachen“, sagt der 1. Vorsitzende Thomas Butz, der auch schon in Kontakt mit potenziellen Turnierteilnehmern der 2020er-Auflage stand. Der KSC-Präses hätte sich gewünscht, dass der FLVW mit einer Absage der Indoor-Veranstaltungen noch etwas gewartet hätte: „Ich finde es schade, dass bereits so früh abgesagt wurde, ohne die weitere Entwicklung in Sachen Corona abzuwarten.“

U12-Indoor-Cup für D-Junioren

Mit ihrem internationalen Jugendturnier im Januar hatten der Türkische SV Lüdenscheid und die FSV Werdohl zuletzt einen neuen Weg eingeschlagen, den man im Januar mit der zweiten Auflage des U12-Indoor-Cups in der Lüdenscheider BGL-Halle und am Werdohler Riesei gerne weitergehen wollte, auch wenn diesmal der FC Bayern München aufgrund einer anderweitigen Verpflichtung frühzeitig abgesagt hatte, zudem ein Besuch von Teams aus dem Ausland eher unwahrscheinlich erschien.

„Wir hatten aber bis zuletzt gehofft, dass wir es unter gewissen Auflagen durchführen dürfen“, sagt Thomas Bräcker vom TSV Lüdenscheid, der zum Organisationsteam des Turniers zählt. Unter anderem hatten bereits Mannschaften aus Frankfurt, Mannheim, Eindhoven und Utrecht über PT Sports, den Turnieranbieter und Partner der Organisatoren vor Ort, zugesagt.

Nach der Entscheidung in Kaiserau aber sagten TSV und FSV das Turnier dann am Dienstagmittag auch schweren Herzens ab. „Wir hätten ja keine Genehmigung vom Verband bekommen“, erklärte Thomas Bräcker im Nachgang, „im Oktober setzen wir uns aber mit den Werdohlern zusammen und beratschlagen, ob wir das Turnier eventuell 2022 wieder machen werden.“

Sauerland-Cup des TuS Plettenberg

Auch der traditionsreiche  Sauerland-Cup des TuS Plettenberg für A-Junioren fällt der Absage zum Opfer. „Die Entscheidung hat mich nicht überrascht, aber man hat immer noch gehofft, dass es noch zu weiteren Lockerungen kommt“, stellt Markus Hildebrandt, Turnierorganisator des TuS Plettenberg fest, „ein Handballspiel darf ja auch vor 300 Zuschauern stattfinden. Der Sauerland-Cup hätte vor 250 Leuten in der bekannten Form sicherlich keinen Sinn gemacht, aber ich hatte einen Plan B im Kopf, bevor gar nichts geht. Dann hätten wir ein Turnier in kleinerem Rahmen an einem Tag mit Mannschaften aus der Region durchgeführt.“

Für die Tradition des Turniers, das es seit 1983 gibt, sei es sehr schade, so Hildebrandt, dass es erstmals ausfallen müsse, zumal man mit Energie Cottbus aus der U19-Bundesliga und sehr wahrscheinlich dem 1. FC Nürnberg im Januar Mannschaften dabei gehabt hätte, die im Fußball schon etwas erreicht haben.

„Finanziell wird der Ausfall des Turniers eine Lücke reißen“, sagt Hildebrandt, „der erzielte Gewinn resultierte bei meist gleich bleibenden Einnahmen zumeist daraus, dass wir die Kosten niedrig halten konnten, zum Beispiel durch die Unterbringung der Spieler in Familien. Das hat in den letzten Jahren gut geklappt. Aber es ist ja nicht nur der Sauerland-Cup, auf den wir verzichten müssen. Wir wollten ein Jugendwochenende mit und für die neue JSG veranstalten, uns wieder an publikumswirksamen Veranstaltungen wie Schützenfest, Waterkant und Johannimarkt beteiligen. Das alles fällt jetzt weg. Und ob wir im 2021 zu Ostern wieder einen Wales-Austausch machen können, für den wir irgendwann auch mal eine Fähre buchen müssen, ist auch völlig ungewiss.“

Ob er persönlich mit der Absage der Turnier d’accord gehe, stehe auf einem anderen Blatt, erklärt der Plettenberger, aber er habe gelernt, solche Entscheidungen zu akzeptieren, denn die Leute seien dafür gewählt worden, diese zu treffen. Und Priorität habe sicherlich, dass die Fußballer eine ordnungsgemäße Saison spielen können.

„Man könnte jetzt sagen ‚Mund abputzen und weitermachen‘, aber sollte uns das alles noch ein zweites Mal treffen, wird es eng“, sagt Hildebrandt, „wir müssen weiter zusammenhalten und zusammen da wieder rauskommen. Diese Solidaritätswelle erhoffe ich mir – egal, welche Vereinsfarbe ich trage. Deshalb unterstütze ich momentan lieber die kleinen Vereine, anstatt mir die Spiele in der Bundesliga anzusehen.“

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