Fechten

Der Trainer als große Trefferfläche

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Mit einer speziellen Jacke aus besonders festem, schwarzem Leder schützt sich Joachim Baum, wenn er sich von seinen Fechtschülern bewusst treffen lässt.

Lüdenscheid - Es ist nicht gerade eine Rüstung, die Joachim Baum anlegt. Doch die schwarze Jacke aus besonders festem Leder bringt ihrerseits doch eine Menge Gewicht mit – sie soll den Lüdenscheider schließlich schützen. Denn Baums Schüler im Degenfechten üben an diesem Abend mit einer großen Trefferfläche – der 70-Jährige ist diese Trefferfläche.

„Wenn jemand etwas lernen soll, muss man ihm eine Tür offen lassen. Dann macht man die Tür immer weiter zu, bis sie nur noch einen Spalt weit offen steht“, umschreibt er seine Herangehensweise, die für Jugendliche genauso gilt wie für die Generation „40 plus“. Die steht immer montags ab 19 Uhr im Blickpunkt. In der Turnhalle der Friedensschule, wo die Fechter des LTV 61 ihr Domizil haben, hat sich die Gruppe „Fechten ab mittlerem Alter“ mittlerweile etabliert. 

Joachim Baum, Senior und zugleich Trainer, ist mit der Spezial-Jacke, Maske und Handschuh angetan, sein Gegenüber Susanne Enders in der klassischen weißen Fechtkleidung. Die Abteilungs-Vorsitzende der Lüdenscheider Fechter bekommt immer neue Aufträge, soll mit der Spitze ihres Degens Baum mal auf der Schulter, mal auf dem Unterarm treffen. Baum sagt verschiedene Schläge: Quart, Terz, Oktav... Immer erst die Waffe des Gegners zur Seite schlagen, dann zustoßen. Doch die Lücke, die der Trainer seiner Schülerin lässt, wird immer kleiner – die Tür, von der Baum gesprochen hat, schließt sich. 

Der Fechtsport für die ältere Generation ist nach Ansicht der Vereinsvertreter durchaus ein Erfolgsmodell. Susanne Enders, die den Sport, in dem ihre Kinder Henrike und Valentin Erfolge feiern, für sich entdeckt hat, schätzt besonders das vielseitige Aufwärmprogramm, aber auch die Körperspannung, mit der sich die Sportler im Gefecht gegenüber stehen. Das sei gut für die Rumpf- und Rückenmuskulatur. Dazu würde auch der Kreislauf in Schwung gebracht. 

Der Wettkampf-Gedanke spiele bei dieser Gruppe keine große Rolle, betont Joachim Baum, der bei den Übungs-Gefechten von Ayamudien Bakhtar unterstützt wird. Der afghanische Asylbewerber trainiert beim LTV mit, war in seiner Heimat in einem der ersten nach dem Ende der Taliban-Herrschaft neu gegründeten Fechtclubs aktiv. Joachim Baum stellte ihm aus verschiedenen abgelegten Ausrüstungsteilen eine Fecht-Kluft zusammen – und fügt hinzu, dass die Kosten niemanden abschrecken müssten, den Umgang mit dem Degen einmal auszuprobieren. Für rund 250 Euro lasse sich eine Ausrüstung aus gebrauchten Einzelteilen zusammenstellen – aber für das erste Mal reichten Trainingsanzug und Sportschuhe aus. Denn dann werde noch niemand auf die Fechtbahn gelassen, so der Trainer.

Training montags ab 19 Uhr in der Friedensschule. Kontakt: fechten@ltv1861.de

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