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Der erste Primus trifft gleich im Dutzend

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Von: Wesley Baankreis, Thomas Machatzke, Michael Jeide, Axel Meyrich

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Schütze des „Goldenen Tores“ in der Herscheider Feelgood-Arena: Sergen Gülbeyaz (Mitte/hier im Duell mit KSC II-Kapitän Ibrahim Selo)
Schütze des „Goldenen Tores“ in der Herscheider Feelgood-Arena: Sergen Gülbeyaz (Mitte/hier im Duell mit KSC II-Kapitän Ibrahim Selo). Rechts der umsichtig leitende Referee Cengiz Karakus. © Meyrich, Axel

Der erste Tabellenführer in der noch ganz frischen Saison 2022/23 der Kreisliga A Lüdenscheid heißt TSV Werdohl. Das kommt nicht gänzlich unerwartet, waren die stark eingeschätzten Lennetaler doch als haushoher Favorit zum Underdog TSV Lüdenscheid II gefahren. Ohnehin war es eine Saisonpremiere, die ohne große Überraschungen auskam. Meist setzten sich die Favoriten durch.

Märkischer Kreis - Im Duell zwischen Türkiyemspor Plettenberg und dem TuS Grünenbaum überraschte vor allem die Dominanz der Gastgeber in Abschnitt eins. Die Vier-Täler-Städter, trotz allenfalls durchwachsener Vorbereitung mit einem hehren Top-3-Ziel in die Saison gegangen, untermauerten diese nicht gerade defensive Selbsteinschätzung in durchaus überzeugender Manier. Während die Kreisch-Elf zunächst gedanklich überhaupt nicht auf dem Platz schien, zeigten vor allem die Plettenberger Doppeltorschützen Emin Günes und Kubilay Karaman eine richtig starke Leistung. Beim 4:0 zur Pause war die Messe so bereits gelesen. Grünenbaum kam anschließend zwar besser ins Spiel und verkürzte ganz am Ende noch, leistete sich aber auch den Luxus eines vergebenen Strafstoßes durch Kaschitzki (74.).

Der Begriff „Kellerduell“ verbietet sich eigentlich am 1. Spieltag, doch mit RW Lüdenscheid II und dem TSV Oestertal trafen zwei Teams aufeinander, denen wohl eine schwere Saison bevorsteht. Es war dann auch ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen vor beiden Toren, wobei auf Seiten der Rot-Weißen das „Personal von oben“, Jerome Gogoll (3) und Jonas Waack, diese wirklich guten Chancen hatte, sie aber allesamt ausließ. Die Oestertaler machten es nicht viel besser. Phil Mancofschi und Yasar Aydin fehlte vor dem Wechsel auch das Glück. So wäre es vielleicht auf ein 0:0 hinausgelaufen, hätte RWL-Coach Roland Zantner nicht nach einer knappen Stunde Taylan Lermi gebracht – der traf nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung durchaus spektakulär ins eigene Tor (60.). Zwölf Minuten später machte Phil Mancofschi für den Gast zum 2:0 den Deckel drauf. Ein Traumstart für den TSV auf allerdings für die Kreisliga A bedenklichem Niveau.

Von einem optimalen Auftakt ein gutes Stück entfernt waren die Mannschaften des TSV Lüdenscheid I und II. Es war erwartungsgemäß die weiter ungewisse Personallage auf und neben dem Platz, die bei den Bergstädtern für ein sportliches Improvisations-Theater sorgte. So fanden sich in beiden Partien die eigentlich an diesem Tag an der Seitenlinie Verantwortlichen früher oder später auf dem Feld wieder. Den Anfang machte die Zweitvertretung der Wefelshohl-Kicker, die gegen den Vorjahresdritten TSV Werdohl erwartungsgemäß überdeutlich leer ausging. Dabei lief der Kaltstart in den ersten Minuten für die Hausherren noch recht ordentlich. Im Laufe der Zeit sorgten die Werdohler durch ihre Offensivkraft um Sönmez und Topcu jedoch schnell für klare Verhältnisse. Am Ende hätten mit etwas mehr Konsequenz sogar noch mehr als ein Dutzend Treffer zu Buche stehen können. Sinnbildlich für die Situation bei der TSV-Reserve: Vereinschef Hayati Eker, der eigentlich nur den verhinderten Spielertrainer Baris Öztürk an der Seitenlinie vertreten wollte, musste bereits nach gut 25 Minuten selbst aufs Feld in Ermangelung von Alternativen. Und auch im anschließenden Spiel des TSV Lüdenscheid gegen den TSV Rönsahl war es Yusuf Cilingir, der eigentlich in dieser Saison nur noch Trainer sein möchte, nicht vergönnt, an der Seitenlinie zu stehen. „Es fehlen einfach noch unglaublich viele Spieler. Das hat sich schon in der Zweiten gezeigt und auch bei uns. Ich hatte keinen Stürmer mehr, also muss ich selbst ran“, erklärte Cilingir die angespannte Lage. Viel besser sah es beim TSV Rönsahl allerdings auch nicht aus. Ohnehin mit nur einem Ersatzspieler, dem eigentlichen zweiten Torhüter, angereist, musste die Kewitsch-Elf nahezu die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl spielen, nachdem D’Ermiliis und Berges nicht mehr weitermachen konnten. Und da vom Rest auf dem Feld der eine oder andere Akteur folglich nur noch angeschlagen auf dem Feld stand, fehlten auch die nötigen Mittel, um nach dem Rückstand kurz vor der Pause in Durchgang zwei noch einmal zurückzuschlagen.

Aufsteiger TuS Plettenberg II erkämpfte nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 gegen den TuS Stöcken-Dahlerbrück, der zu fahrlässig mit seinen Chancen umging. Spielertrainer Patrick Klatt, der sich spät einwechselte, zuvor aber an der Seitenlinie „schon beim Reden ins Schwitzen“ gekommen war, brachte es auf den Phrasenschwein-verdächtigen Punkt: „Wenn man vorne die Dinger nicht macht...“ Der pfeilschnelle A-Junior Remy Gogoll (18.) hatte den TSD gegen optisch überlegene, aber einfallslose Plettenberger in Führung geschossen, Mertcan Yilmaz (46.) gleich nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit nachgelegt. Das hätte vor der Pause schon zweimal Schindler (43. und 45.+1) tun können. Er war es auch, der in Minute 79 den Pfosten traf, was schwerer schien, als einzunetzen. Es wäre nach Murathan Gencoglus Anschlusstreffer (64.) wohl die Entscheidung für den TSD gewesen. Doch stattdessen dribbelte sich Gencoglu, erst am Morgen dem Urlaubsflieger entstiegen, im Gegenzug durch und erzielte das 2:2. Und damit war dann auch TuS-Coach Salih Öztürk mit einigem Abstand zufrieden.

Ein angesichts der hohen Temperaturen richtig gutes Kreisliga-A-Spiel sahen die Zuschauer im Altenaer Reineckestadion zwischen dem titelambitionierten VfB Altena und dem letztjährigen Rangfünften SC Lüdenscheid. Ja, die Gastgeber gewannen am Ende mit 4:2. Nein, eine klare Angelegenheit war die Partie damit noch lange nicht. Den Unterschied machte am Ende VfB-Stürmer Damiano Intravaia. Der Routinier hinterließ körperlich einen ungemein fitten Eindruck und – das ist nun keine Überraschung – weiß immer noch sehr genau, wo des Gegners Tor steht. Drei von vier VfB-Treffern gingen auf das Konto Intravaias, der nach Daniel Schwencks Ausgleich für den SCL quasi mit dem Pausenpfiff zusammen mit Munaf Al Shoali dafür sorgte, dass der Doppelschlag zum 2:1 und 3:1 (51./52.) die SCL-Ambitionen einbremste. Gleichwohl verlieh ein Dreierwechsel nach knapp 70 Minuten – unter anderem kam auch Neuzugang Viktor Hense – dem Spiel der Gäste noch einmal neuen Schwung. Patrick Lange verkürzte auf Henses Vorarbeit noch auf 3:2 (80.), mehr ging dann aber nicht mehr für die Thielicke-Elf, weil – wer sonst? – Intravaia in der Schlussminute alles klar machte für die Hausherren.

Endlich wieder Kreisliga A: Diese Devise galt in der Herscheider Feelgood-Arena sowohl für Gastgeber TuS Herscheid als auch für den Kiersper SC II – beide Aufsteiger aus der Kreisliga B. Dass die Partie vom Start weg Feuer hatte, lag an diversen Scharmützeln in den sozialen Medien im Vorfeld. Hier wurde ausführlich der Kiersper Aufstieg durch die Entscheidung des Kreisvorstandes thematisiert. Gut deshalb, dass die Begegnung in Cengiz Karakus (Altena) einen Referee hatte, der trotz permanenter Dauerbeschallung sowohl von der Seitenlinie als auch durch die Spieler beider Teams ein sehr gutes Maß in der Spielleitung fand. Körperlichkeit ja, Treterei nein. Leistungen wie diese wünscht man sich öfter.

Nach einer knappen Viertelstunde notierte der Unparteiische das erste (und einzige) Tor des Tages. Herscheids Sergen Gülbeyaz hatte aus der Distanz im Fallen das Leder gar nicht voll getroffen, dennoch schlug der Bal via Innenpfosten unhaltbar für den guten KSC-Keeper Lasse Jansen zur TuS-Führung ein. Das war auch der Halbzeitstand und durchaus verdient, weil der Gast zu hektisch agierte und Herscheid häufig sehenswert den Weg durch die Schnittstelle fand.

Nach einer halben Stunde musste die Partie länger unterbrochen werden. Herscheids Nico Conrad hatte nach einem Schlag aufs Jochbein massive Kreislaufprobleme und wurde mit dem RTW ins Krankenhaus gebracht. Die Nachricht vom 1:0-Sieg seiner Mannschaft, die im zweiten Abschnitt dem deutlich höheren KSC-Druck – manchmal auch glücklich – standhielt, wird aber hoffentlich zur raschen Genesung der Nr. 29 beitragen...

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