Sorgen bei Schalke-Fans werden größer

„Wir treten in jedes Fettnäpfchen“

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Der FC Schalke 04 steckt in der Krise.

Seit 26 Bundesliga-Partien ohne Sieg, in dieser Saison mit nur drei Unentschieden und schon sieben Niederlagen Schlusslicht, dazu ein Schuldenberg von rund 200 Millionen Euro: Der FC Schalke 04, der sich dem Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 nähert (31 Spiele ohne Sieg), befindet sich in einer epochalen Krise. Das besondere Schalke-Gefühl bröckelt. Die Atmosphäre bei den Knappen wirkt vergiftet. Die Sorge, dass nach dieser Saison tatsächlich der Abstieg stehen könnte, wird auch bei heimischen Schalke-Anhängern größer und größer.

Kreisgebiet - Als Siebenjähriger verfolgte Charly Grote 1966 in der Glückauf-Kampfbahn sein erstes Schalke-Spiel. „Ich konnte aber schon mit vier Jahren die Schalker Aufstellung hoch rund runter beten“, sagt der Präsident des TuS Langenholthausen, der seit 1992 Mitglied des FC Schalke 04 und seitdem auch stolzer Dauerkartenbesitzer ist. Der Goldbäcker aus Langenholthausen ist Schalker durch und durch, trägt in Zeiten der Pandemie einen königsblauen Mund-Nase-Schutz und in den Wintermonaten gerne Schalke-Schal oder S04-Pulli. „Einmal Schalker, immer Schalker. Und das werde ich auch immer bleiben“, betont der 61-jährige Vollblut-Unternehmer, der in gleich drei S04-Fanklubs Mitglied ist und in der Saison 96/97 alle Spiele der „Eurofighter“ im damaligen UEFA-Cup verfolgte. Den Husarenritt durch Europa krönten die Schalker letztlich mit dem Titelgewinn – Grote war als Fan dabei. Auf dem Platz standen Spieler wie Wilmots, Mulder oder Anderbrügge. Spielertypen, die Verantwortung übernahmen und vorangingen. Typen, die Schalke lebten mit aller Leidenschaft. Das galt auch für den damaligen Manager Rudi Assauer, zu dem Charly Grote einen sehr guten Draht hatte. Es sind Erinnerungen an erfolgreiche Jahre auf Schalke.

Und heute? „Wir treten in jedes Fettnäpfchen, in das wir reintreten können“, meint Grote, „auf dem Platz sehe ich bei dem einen oder anderen Spieler Lustlosigkeit. Wir haben suspendierte Spieler, verletzte Spieler, lustlose Spieler und Spieler, die noch wollen. Wenn wir in den nächsten Spielen nicht irgendwann die Kurve kriegen, dann wird es immer schwerer, weil der Abstand größer wird.“ Was den 61-Jährigen neben der sportlichen Krise zudem besorgt, es ist die Atmosphäre. Grote: „Die große Schalke-Familie driftet auseinander, es wird negativ Stimmung gemacht. Außerdem fehlen uns wichtige Köpfe in der Führung. Ja, die Sorge ist groß.“

Was Schalke fehlt, das sind doch Typen. Spieler wie Bentaleb oder Harit muss man anders behandeln. Denen muss man auch mal die lange Leine geben. Die, die bei uns noch auf dem Platz stehen, sind alles Ja-Sager.

Schalke-Fan Fitim Zejnullahu

Auch Fitim Zejnullahu, in der vergangenen Saison noch Coach des Landesligisten FSV Werdohl, sorgt sich um „seinen“ S04. „Man macht sich als Schalke-Fan schon seine Gedanken, die jetzige Situation ist beängstigend“, betont der Übungsleiter aus Werdohl, der in den Osterferien 2019 zehn Tage bei der U23 der Königsblauen hospitierte. „Die Gefahr des Abstiegs besteht. Man hat nicht den Eindruck, dass da noch was passiert. Am liebsten wäre mir, wenn jetzt Winterpause wäre und Manuel Baum den Reset-Knopf drücken könnte“, so Zejnullahu, der ein Ende der Schalker Sieglos-Serie herbeisehnt. Für ihn wäre der Abstieg der Knappen ein Horror-Szenario. „Sportlich wäre das für die ganze Bundesliga sehr bitter“, meint der Werdohler, der noch vor einigen Wochen vornehmlich von Freunden und ehemaligen Spielern, die es mit dem Schalker Revierrivalen Borussia Dortmund halten, via Whatsapp einige kleine Spitzen zugesandt bekam. „Das hat aber aufgehört. Selbst Dortmunder haben inzwischen Mitleid“, lacht Zejnullahu, für den die Suspendierung von Nabil Bentaleb und Amine Harit sowie die Trennung von Vedad Ibisevic ein „falsches Zeichen“ waren: „Was Schalke fehlt, das sind doch Typen. Spieler wie Bentaleb oder Harit muss man anders behandeln. Denen muss man auch mal die lange Leine geben. Die, die bei uns noch auf dem Platz stehen, sind alles Ja-Sager.“

„Die Tabelle lügt nicht“, meint Schalke-Fan Carsten Minker, der bei der FSV Werdohl zur sportlichen Leitung zählt und am Riesei zudem Jugendtrainer ist. Beim 0:3 der Königsblauen am Sonntag gegen Leverkusen sei der Spielverlauf aus Schalker Sicht zwar „super unglücklich“ gewesen, in Summe aber ist es für Minker viel zu wenig und enttäuschend, was die Knappen in dieser Saison bis dato gezeigt haben: „Wir produzieren individuelle Fehler, die mit Bundesliga-Fußball nichts zu tun haben. Man muss sich wirklich große Sorgen machen.“ Die Außendarstellung, die die die Schalker in diesen Wochen auch abseits des Spielfeldes abgeben, ist Minker ebenfalls ein Dorn im Auge. „Sportvorstand Jochen Schneider sitzt im Spiel gegen Mönchengladbach in der ersten Halbzeit mit einer grünen Maske auf der Tribüne. Was bitte ist das denn für ein Signal? Es passt, wie leider so Vieles momentan, ins Bild, das der FC Schalke 04 abgibt.“

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