Fußball in Lüdenscheid

Enttäuschte Fußballtrainer in Lüdenscheid: „Wenig Licht am Horizont...“

Fußballer im Zweikampf
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Zurück in den Wettkampfmodus? Auch für Landesligist RW Lüdenscheid ist es noch ein weiter Weg.

Die neuen Beschlüsse aus Berlin machen den Fußballern in Lüdenscheid wenig Mut. Der Weg zurück in den Wettkampfmodus ist ein weiter. Die Trainer in der Bergstadt sind frustriert.

Lüdenscheid – Noch am Tag vor der Bund-Länder-Konferenz hatte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen einen offenen Brief von DFB-Präsident Fritz Keller an die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seiner Internetseite veröffentlicht. Ein Brief als Plädoyer für Lockerungen im Amateursport, gerade in der Sportart Nummer eins, dem Freiluftsport Fußball. Klar argumentiert: funktionierende Hygienekonzepte, geringeres Infektionsrisiko unter freiem Himmel, positive Wirkung fürs Immunsystem und die Psyche. Ein Brief, der der Basis ein bisschen Hoffnung vermittelte.

Die Hoffnungen, die die Fußballer auch in Lüdenscheid mit der Bund-Länder-Konferenz in Berlin und mit dem Bittbrief des Präsidenten nach vier Monaten kompletten Stillstandes im Amateurbereich verbunden haben – sie wurden am Mittwoch indes neuerlich enttäuscht.

„Wir warten sehnsüchtig, dass es losgeht. Aber im Märkischen Kreis ist die Inzidenz über 120...“, sagt Bayram Celik, Coach der Landesliga-Fußballer von Rot-Weiß Lüdenscheid, „die Jungs laufen zwar seit dem vorletzten Sonntag wieder dreimal pro Woche. Aber es ist schwierig: Im April müssten wir mit dem Mannschaftstraining beginnen, sonst schaffen wir die Saison bis zum 30. Juni nicht. Wir haben noch zehn Spiele, die wir machen müssten. Ich weiß nicht, ob es wirklich Sinn macht, überhaupt anzufangen.“

Enttäuschte Fußballtrainer: „Wenig Licht am Horizont...“

Es ist ein Stück weit Resignation, die aus den Worten des Meinerzhageners durchklingt. Dem Fußball läuft die Zeit davor. „Ich hatte gehofft, dass man nun zumindest in zwei Gruppen à zehn Mann trainieren kann, aber das fällt auch flach“, sagt Celik, „ich würde gerne am 1. April mit dem Training beginnen und die Meisterschaft zu Ende spielen. Aber die Zahlen sprechen dagegen. Wenn nun am 28. März noch mal Verlängerung kommen sollte, dann können wir aufhören, dann macht auch dreimal Laufen pro Woche keinen Sinn. Man hat ja kein Ziel vor Augen.“ Besonders schmerzt das Verbot den Familienvater Celik aber mit Blick auf den Nachwuchs. „Ich hoffe“, sagt er, „dass erst die Jugend anfängt, meine Kids nimmt das auch sehr mit. Das geht an die Substanz, an die Psyche. es ist eine schwierige Zeit…“

Die Trainer in der Kreisliga A – also mitten an der Fußballbasis – sind auch wenig begeistert. „Man kann nichts planen – als Trainer und als Spieler“, sagt Ioannis Mavroudis, Übungsleiter beim SV Hellas am Honsel, „ich finde, dass man draußen mit dem richtigen Konzept trainieren könnte. Aber jetzt geht erst mal gar nichts, jetzt können wir den April abwarten. Das ist Mist.“ Mavroudis, der aus Halver kommt, nutzt dieser Tage mit seinem Sohn, der in A-Jugend der Sportfreunde Siegen spielt, ab und zu das Angebot der Stadt, die den Sportplatz an der Karlshöhe geöffnet hat. Zu zweit trainieren die beiden dann ein bisschen mit dem Ball. „Für die Jugend ist das Ganze eine Katastrophe“, sagt Mavroudis, „gerade auch, was das soziale Leben angeht. Die Profis dürfen spielen, für mich sind die Amateure aber viel wichtiger, denn sie sind die Basis für die Zukunft…“

Zweifel daran, dass die 50-Prozent-Regelung fair wäre

Auch am Wehberg rund um die LüWo-Arena regiert die Enttäuschung über die Entscheidungen und den ausbleibenden Re-Start. „Für mich ist das einfach nur frustrierend. Ich warte seit Wochen, dass es Signale gibt, dass wenigstens das Training starten darf – ganz unabhängig davon, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann“, sagt Matthias Thielicke, Trainer des A-Liga-Tabellenzweiten SC Lüdenscheid.

Kürzlich hat Thielicke einen Referee getroffen, der ihm von einer Videokonferenz mit dem FLVW und den Planungen berichtet hat, wie die Serie mit Macht zu Ende gespielt werden soll. „Der Glaube fehlt mir“, sagt Thielicke, „ich wüsste nicht, wie es vonstatten gehen soll. 14 Tage Vorbereitung reichen nach dieser langen Pause doch niemals aus. Und danach? Eine Englische Woche nach der anderen? Da gibt es so viele Fragezeichen. Dass die 50-Prozent-Regelung, die der Verband anstrebt, fair wäre für Auf- und Abstieg, glaube ich auch eher nicht. Ich sehe da wenig Licht am Horizont…“

Die Mannschaft ist frustriert – was da in Berlin entschieden worden ist, das hat uns nicht geschmeckt. Man hätte draußen etwas etwas machen können, mit einem entsprechenden Konzept, ohne zum Beispiel die Kabine zu nutzen.

Yusuf Karaman (Trainer TSV Lüdenscheid)

Yusuf Karaman, Trainer des Türkischen SV Lüdenscheid, macht aus seiner Enttäuschung auch keinen Hehl. „Wir haben seit vier Monaten nichts getan. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, ob die Liga komplett gecancelt wird“, sagt er, „die Mannschaft ist frustriert – was da in Berlin entschieden worden ist, das hat uns nicht geschmeckt. Man hätte draußen etwas etwas machen können, mit einem entsprechenden Konzept, ohne zum Beispiel die Kabine zu nutzen. Draußen ist es doch nicht so gefährlich, aber das ist ja auch nicht erlaubt. Jetzt sind es schon vier Monate, das ist hart.“

Ganz pragmatisch geht Niko Lagoudakis an die Dinge heran. „Normalerweise sollte man die Saison abbrechen. Dann ist wenigstens alles geklärt“, sagt der Trainer der Bezirksliga-Frauen des FFC Lüdenscheid. „man bereitet sich darauf vor, dass man wieder anfangen darf, und dann geht es doch wieder nicht. Meine Spielerinnen sind heiß darauf, dass es losgeht. Sie gehen im Moment laufen, aber der Ball fehlt halt. Sie wollen halt wieder auf den Platz. Aber die Gesundheit geht vor, keine Frage – und wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht.“

Grappendorf beklagt Kollateralschäden beim Nachwuchs

So sehr die Kicker im Seniorenbereich klagen, umso schlimmer trifft es dieser Tage indes den Nachwuchs. „Das ist die Höchststrafe für die Kinder“, bewertet Stefan Grappendorf, Jugendleiter von Rot-Weiß Lüdenscheid, stellvertretend für den kickenden Nachwuchs in der Bergstadt die Entscheidung vom Mittwoch, „Sport scheint in der Prioritätenliste hinter Kultur und anderen Dingen eingeordnet zu sein. Den Politikern ist offensichtlich nicht bewusst, wie viele Kinder und Jugendliche da beim Sport und speziell auch beim Fußball unterwegs sind deutschlandweit. Sport ist für diese Kids als Ausgleich wie eine Therapie. Da entstehen im Moment Kollateralschäden, die verhindert werden könnten, wenn man zielbewusster herangehen würde, wenn man den Kids zumindest im abgespeckten Maße was anbieten könnte. Wenn der März rum ist, dann habe ich meine Trainer und Spieler fünf Monate nicht gesehen – das ist doch irre…“

Ein weiter Weg zurück in den Wettkampfmodus

Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern haben Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Mittwoch beschlossen, dass es für den deutschen Amateur- und Breitensport in der Pandemie die Möglichkeit für schrittweise Lockerungen gibt. Was genau wann wieder erlaubt ist, hängt aber von den Corona-Zahlen ab. Die Maßnahmen, die die Bundesländer treffen können, sind in diversen Schritten unterteilt. Wenn eine stabile 7-Tage-Inzidenz von unter 50 erreicht wird, soll kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen draußen ermöglicht werden. Bei einer stabilen oder sinkenden 7-Tage-Inzidenz von unter 100 kann das jeweilige Bundesland Individualsport mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten und Sport in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich ermöglichen. Vom Wettkampf sind damit selbst die Fußballer als Freiluftsportler noch weit entfernt. Die Perspektive bleibt ungewiss.

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