Super Bowl

Ellermann und die Buccaneers: Zwischen purem Glück und leiser Traurigkeit

Ehepaar im Football-Stadion
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Jens Ellermann und Ehefrau Linn im Stadion der Freibeuter.

Dass die Buccannees aus Tampa Bay den Super Bowl gewonnen haben, hat Jens Ellermann in Lüdenscheid mitgefeiert. Seit 25 Jahren ist er Fan des Teams, eng verbunden, oft vor Ort. Nur beim großen Triumph ging es wegen der Corona-Pandemie nicht.

Lüdenscheid – „Ja, es war die absolute Nacht der Nächte“, sagt Jens Ellermann am Montagnachmittag. Er hat die Nacht durchmachen müssen, na klar, aber er ist hellwach, eine Art Rausch der Endorphine.

Es ist der Montag nach dem Super Bowl. Der Montag nach dem Triumph von Tom Brady und den Tampa Bay Buccaneers über die Kansas City Chiefs. 31:9, so unerwartet deutlich. Und so verdient, das sagen sie alle. Ellermann aber sagt vor allem: „Gottseidank haben wir das nach 2002 wieder geschafft.“

Jens Ellermann und die Freibeuter aus Florida – das ist die Geschichte einer großen Leidenschaft. Ellermann, der 2002 die Fitness Factory in Lüdenscheid aufmachte, der ein Top-Triathlet wurde und noch heute für TriSpeed Herscheid erfolgreich unterwegs ist, kommt eigentlich vom American Football.

Mit 13 die ersten Einheiten bei den Altena Badgers, Mitinitiator einer Jugend-Mannschaft in der Burgstadt seinerzeit. Mit 18 der Wechsel nach Dortmund zu den Giants, der Ehrgeiz hatte ihn gepackt. Der Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga. Quarterback war er. Wie Tom Brady, der in dieser Nacht Geschichte geschrieben hat, bei den Buccaneers.

Zwischen purem Glück und leiser Traurigkeit

„Als wir 18 waren, wollten wir American Football auch mal live sehen in den USA“, erzählt Ellermann, „also haben wir uns eine Region ausgesucht, die wir auch so attraktiv für einen Urlaub fanden, so sind wir nach Florida und zu den Buccaneers gekommen.“ Es war Mitte der 90er-Jahre, und Tampa Bay sollte in Sachen American Football der Herzensverein werden, sowohl für ihn als auch für seinen guten Freund aus Dortmund, der schon damals auf der Reise dabei war und mit dem er nun auch in der Nacht vom Sonntag auf den Montag den Super Bowl angeschaut hat. Allein daheim.

Super Bowl mit den Freibeutern auf dem heimschen Sofa? Vor Corona völlig unvorstellbar. „Ganz egal, wir hätten alles in Bewegung gesetzt, um dabei zu sein. Wir sind in den vergangenen Jahren immer bei zwei bis vier Spielen pro Saison vor Ort gewesen“, sagt Ellermann. Auch seine Frau Linn ist auf den Freibeuter-Touren zum Fan geworden. 2016 waren die beiden so früh vor Ort, dass der Ausdauerspezialist Jens Ellermann bei einem Charity-Lauf der Buccaneers im Rahmen der jährlichen Krebs-Aktion teilnahm und die Mastersklasse gewann.

Geboren 1976, gegründet 1976: Fan und Verein aus einem Jahr

So durften die beiden beim Heimspiel direkt am Spielfeldrand stehen. Es gibt Bilder mit den Stars, nicht nur von diesem Ereignis, auch Bilder vor dem Stadion, ein Foto, auf dem Gerald McCoy, einer der Großen im Buccaneers-Team, die beiden herzlich umarmt. Das war in Detroit. Einmal hat Ellermann im Stadion einem Vater geholfen, der seinen Sohn verloren hatte. „Ich dachte“, erzählt Ellermann, „er sucht ein kleines Kind, aber sein Sohn war einer der Stars aus dem Team der Buccaneers.“ Auch diesen Star kennt der Lüdenscheider nun.

Jens Ellermann mit Ehefrau Linn und Buccaneers-Star Gerald McCoy in Detroit.

Ellermann und die Buccaneers kommen aus einem Jahr. Ellermann ist 1976 geboren, im Gründungsjahr der Buccaneers. Ihre gemeinsame Geschichte ist eine mit vielen kleinen Geschichten. Nun also diese: Das Team nach den vielen Jahren der sportlichen Dürre endlich im Finale. Und der Fan, der alle sportlichen Täler mitdurchlebt, der mitgelitten und trotzdem die Treue gehalten hat – der sitzt in der Nacht der Nächte daheim auf dem Sofa. Nicht im Raymond James Stadium, dem Ort des Triumphes. Nicht einmal – wie so oft beim Super Bowl in den vergangenen Jahren – mit Freunden in der Fitness Factory.

Pläne für den Super Bowl 2022 in Los Angeles

Nur mit dem besten Kumpel – und den anderen Fitness-Factory-Freunden per Zoom zugeschaltet. „Das ist nicht dasselbe, auch wenn man sich auf dem Computer abklatscht“, sagt Ellermann, und es klingt dann bei aller Euphorie über den großen Sieg eben auch ein bisschen traurig. Aber nur kurz. Ellermann ist einer, der immer nach vorne schaut. Einer, der nach drei Kreuzbandrissen (einer beim Handball, einer beim Basketball und einer beim American Football) noch ein außergewöhlich guter Triathlet geworden ist. So einer klagt nicht, so einer denkt direkt an den nächsten Super Bowl.

„Wir haben schon Pläne“, sagt Ellermann, „der Super Bowl 2022 findet in Los Angeles in einem ganz neuen Stadion statt.“ Mit den Buccaneers, ohne Corona-Lockdown? Ja, das wäre es. Dann auf jeden Fall mit dem Lüdenscheider. Jedenfalls würde er zumindest alle, aber auch wirklich restlos alle zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung setzen. Nur das Finale daheim in Tampa, das kommt so schnell nicht wieder. An den großen Tag wird nicht nur Ellermann wohl immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückdenken.

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