Eishockey

Roosters wieder im Training

Trainingsstart mit Coach Jason O‘Leary in der Eissporthalle am Seilersee.
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Trainingsstart mit Coach Jason O‘Leary in der Eissporthalle am Seilersee.

Trainingsstart am Seilersee. Wer hätte für möglich gehalten, dieses Bild im Jahr 2020 tatsächlich noch einmal zu sehen? Iserlohns Cheftrainer Jason O‘Leary bat seine Spieler, getrennt in Trainingsgruppen, in dieser Woche zum ersten Mal aufs Eis. Allerdings konnten nicht alle Spieler dabei sein. Auch bei den Roosters gibt es einen Coronafall. Wieder komplett ist der Trainerstab. Der neue Co-Trainer ist ein Held der Playoffs des Jahres 2008.

„Es war sehr anstrengend für die Jungs, die allermeisten haben jetzt sechs, sieben Wochen nicht mehr auf dem Eis gestanden. Deshalb war für uns erstmal wichtig, dass sich alle an ihre Ausrüstung und Tempo gewöhnen“, so O’Leary. Zwei Einheiten pro Tag stehen zurzeit auf dem Programm.

Nicht mit dabei ist in den kommenden acht Tagen Bobby Raymond. Der Verteidiger wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Er befindet sich in Quarantäne, hatte gemäß des Roosters-Protokolls noch keinen Kontakt zu anderen Spielern. Das gesamte Team wurde am Sonntag getestet, begab sich dann in Selbstisolation, bis alle Ergebnisse vorlagen. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem MK-Gesundheitsamt und sind froh, dass unsere Hygienemaßnahmen funktionieren“, sagt Manager Christian Hommel. Raymond hat bislang keine Symptome, es geht ihm gut.

Brad Tapper als Co-Trainer verpflichtet

In der Historie des Sauerländer Eishockeys sind diese Tage eingebrannt, die Playoffs 2008. Norm Maracle, Robert Hock, Michael Wolf, Paul Traynor, Jimmy Roy und Ryan Ready. Sie waren echte Helden der Roosters-Historie. Unter Cheftrainer Rick Adduono erreichten sie zum ersten Mal die Playoffs, lieferten sich ein 118 Minuten langes, unvergessenes Match gegen die Frankfurt Lions im Viertelfinale. Damals ebenfalls auf dem Eis, ein Mann namens Brad Tapper. Der Kanadier, verhasst in der Liga, war erklärter Publikumsliebling am Seilersee. Zwar standen am Ende „nur“ 73 Partien für ihn im blau-weißen Jersey zu Buche, 238 Strafminuten und 67 Scorerpunkte zeigten, wie wertvoll der damals 31-jährige mit seiner Bereitschaft, alles für den Club zu geben, war. Gerade deshalb traf eine Gehirnerschütterung den Seilersee mit voller Wucht. Tapper musste seine Karriere beenden, sagte zum Abschied: „Iserlohn war die schönste Zeit in meiner gesamten Karriere.“

Kein O‘Leary-Vertrauter, sondern eine Hommel-Entscheidung

In dieser Woche ist Tapper zurückgekehrt, elf Jahre älter, nicht als Spieler, sondern als Co-Trainer. Nachdem Jim Midgley den Weg der Roosters nicht mitgehen wollte, nicht auf Geld verzichten wollte, wie die Sauerländer inzwischen verklausuliert bestätigt haben, nimmt Tapper seinen Posten ein. Auch Cheftrainer Jason O´Leary erlebt eine neue Zeitrechnung, denn der Trainerstab besteht nicht mehr nur aus Vertrauten. Tapper ist eine Hommel-Entscheidung, vielleicht eine mit Weitsicht. Der Manager und der Kanadier aus der Nähe von Toronto lernten sich im Jahr nach dem Playoff-Wahnsinn kennen, machten 19 gemeinsame Spiele. „Homsi und ich haben über die Jahre immer mal wieder gesprochen. Ich habe mich sehr gefreut, als er sich meldete und sein Interesse an mir bekundet hat. Ich hatte eigentlich eine Aufgabe bei einem Nachwuchsteam übernommen, aber mit Profis zu arbeiten, ist natürlich herausfordernd.“

Erste Erfahrungen unter Greg Poss

Schon im Jahr nach dem Ende seiner aktiven Karriere heuerte Tapper 2010 als Assistenz-Trainer in der drittklassigen Profiliga ECHL an. Unter Greg Poss, er trainierte Brad in seiner Zeit in Nürnberg, sammelte der neue Co-Trainer der Roosters erste Erfahrungen, brachte es als Headcoach in der ECHL bis ins Conference-Finale und dann bis zum Assistenz-Trainer in der AHL. Im vergangenen Jahr trainierte er in der kanadischen Ausbildungsliga. Nun kam das Angebot seines alten Clubs, der nicht erst jetzt einen genaueren Blick auf Tappers Karriere geworfen hat.

„Ich würde mich als Playerscoach bezeichnen, der motivieren kann, der es Spielern erlaubt, Fehler zu machen, um sie besser zu machen“, erklärt Tapper die Grundsätze seiner Arbeit. Jetzt beginnt für die Roosters und Brad Tapper eine neue gemeinsame Reise, eine, die länger dauern könnte. „Nicht die Vergangenheit zählt, sondern die Gegenwart. Dennoch darf er gern die Dinge einbringen, die ihn als Spieler ausgezeichnet haben“, so Hommel. Ob es gelingt? „Ich habe nie vergessen, wie es ist, aus der Kabine am Seilersee heraus zu kommen und die Fans zu sehen.“ Die fehlen momentan zwar noch, trotzdem ist „Tapps“ irgendwie wieder daheim. Es ist keine Personalentscheidung wie jede andere...

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